Es gab vor kurzem im Spiegel ein Interview mit einem deutschen Handballschiedsrichter, der in die Skandale um gekaufte Spiele involviert war.
Er sagte sinngemäß, dass es einem Schiedsrichter leichtfallen würde Spiele zu verpfeifen ohne, dass das von Aussen zu erkennen wäre. So etwas käme auch regelmässig vor.
Sicherlich war das Gestern gut zu erkennen, dass dieses Spiel verpfiffen worden ist. Ob mit Absicht oder aus Unvermögen sei mal dahingestellt. Das eigentliche Problem aber ist, dass solche Leistungen eben keine Ausnahmen im Fussball sind. Sie fallen einfach in einem so wichtigen Halbfinale, das die ganze Fussballwelt anschaut mehr auf. Wenn ich mir so einige Entscheidungen sowohl im Stadion als später auch in der Aufzeichnung im Fernsehen ansehe, dann finde ich, dass das Problem eher lautet, dass die Fussballinstitutionen so gut wie gar nicht dagegen vorgehen.
Allein der Begriff "Tatsachenentscheidung" ist wohl eine der offensichtlichsten Dreistigkeiten, die es gibt. Ein Fehler als eine Tatsache zu titulieren und ihn somit als "richtig" zu definieren zeigt die geistige Haltung der "Erfinder".
Sicher der Schiedsrichter muss einen Rückhalt haben, er muss ebenfalls Fehler machen können und dafür nicht umgehend sanktioniert werden. Aber Unfähigkeit oder Parteilichkeit in dem Ausmaß, wie es im Halbfinale oder eben auch in normalen Ligaspielen immer wieder vorkommt, darf nicht mit Rückendeckung versehen werden.
Es gehört für mich eben nicht dazu, dass regelmäßig Schiedsrichter mit gravierenden Fehlentscheidungen, Spiele entscheiden oder ihnen eine Tendenz geben. Oft genug gibt es Situationen in denen Schiedsrichter "tendenziell" Pfeifen. Eine Mannschaft ruppt sich durch das Spiel und wird kaum mit Sanktionen versehen, während die andere Mannschaft bei der kleinsten Körperberührung zurückgepfiffen wird. Das kann eine Spielanlage einer Mannschaft komplett zerstören und so kann man nahezu unbemerkt, wie der Handballschiedsrichter selber zugibt, ein Spiel lenken und eine Mannschaft nahezu chancenlos sein lassen. Und dass diese Vorkommnisse so gut wie gar nicht thematisiert und dann sichtbare und wirksame Konsequenzen gezogen werden, erzeugt noch mehr die Vermutung von Schiebung und gewollten Fehlentscheidungen, die oftmals "politisch" wirken (Welcher Verein z.B. ist als Sympathieträger marktwirtschaftlich auch für einen Verband wichtiger. Wo sind mehr Fans vorhanden, die eine wirtschaftliche Rolle spielen und wo haben Entscheidungsträger einzelner Vereine einen Einfluss auf einen Verband, so dass es leichter ist zu Manipulieren).
Fussballer sollen das Spiel entscheiden und nicht Schiedsrichter. Das kommt einfach viel zu häufig vor.
Und es muss möglich sein Schiedsrichter während des Spiels nach zu vielen Fehlentscheidungen auszutauschen. Das ist zwar schon möglich, passiert in der Praxis aber eigentlich nur wenn sich ein Schiedsrichter verletzt. Das ist einfach zu wenig. Einen Schiedsrichter eventuell erst nach so einem Spiel eine Weile nicht mehr einzusetzen oder in höherklassigen Spielen nicht mehr einzusetzen greift zu kurz, dann ist, wie Gestern, der Schaden schon geschehen. Und das ist nicht nur ein Schaden an einer Mannschaft oder einem Verein, sondern ein Schaden am Fussball.