Irgendwann ist der Zeitpunkt für neue Impulse gekommen und das könnte ein Trainerwechsel sein.
Ich saß gestern das gesamte Spiel mit einem Verwandten, seines Zeichens BVB-Fan, zusammen auf der Nord Unterrang. Klopp ist über 6 Jahre dort. Es gibt einen Grund, warum sich Trainer, selbst erfolgreiche, nach 4, spätestens nach 7 Jahren überleben. Und das muss keinesfalls (zwingend) mit der Qualität des Trainers zu tun haben. Schon Ende der 90er hatte Erich Rutemöller uns dieses Phänomen erklärt.
Ich habe mich gestern nach dem Spiel nebst einigen Dortmund - Anhängern in meiner Bekanntschaft und Verwandtschaft, (die in Fanclubs usw. organisiert sind), quer durch Bremen auch mit anderen BVB- Fans unterhalten, in der Straßenbahn, am Weihnachtsmarkt, die sind alle der Meinung, dass Klopp ein Klassetrainer ist, aber der Zeitpunkt nun eben zu kommen scheint, wo andere Impulse vonnöten sind. Das ist dann einfach so. Und es hat beim BVB nicht erst in dieser Saison angefangen, sondern schon in der letzten, da fiel es aufgrund der Platzierung am Ende nur
nicht genug auf. Einige waren sogar der festen Überzeugung, dass Klopp heute zurücktritt, weil das konsequent wäre.
Für mich ist vor allem auffällig, dass sich der Klopp- Weg des Erfolges zwischen 2008 - 2012 aufgerieben hat. Der beruhte auf einer sehr aggressiven und modernen Auffassung davon, Fußball als Team zu verteidigen und das Spiel über extreme Effizienz der Laufwege und Ökonomie in der Raumaufteilung zu kontrollieren. Er hatte damit gewissermaßen den Paradigmenwechsel eingeleitet.
Nur ist dieser inzwischen in der BL vollzogen, heisst einige haben es kopiert, andere spielen ähnlich, nur mit unterschiedlicher Interpretation in der Spielausrichtung. Und das treibt sei 1,5 Jahren augenscheinlich Blüten und überfordert Klopp mit dem BVB zunehmend.
Ich musste mir gestern aus Stadionsicht verwundert die Augen reiben, wie wenig ein früher so intelligenter Spieler wie Gündogan von seinen Mannschaftskollegen verstanden wird und wie oft er selbst etwas auf dem Rasen missversteht. Oder wie sehr sich Hummels riskantes Spiel niederschlägt und die Schwächen statt seiner sonstigen Stärken überwiegen. Oder Kehl. Oder Kagawa. Usw. usf. Es fehlt bei denen in allen Mannschafteilen an Überzeugung.
Natürlich spielt die WM in der Ferne eine Rolle, 2010/ 11 hat die BL auch verrückt gespielt. Ebenso die langen Verletzungen wichtiger Leute, die parallel dazu nicht in Form kommen. Aber das was sich insgesamt gerade beim BVB abspielt, kann eben nicht nur damit zu tun haben, sondern genauso mit Mentalität und Entwicklung, was vor allem den Trainer einschließt. Die Spieler sind nicht auf einmal schlechter und/ oder selbstzufriedener geworden.
Nur kommen bei denen sämtliche Umstände brachial zusammen und deshalb ist die Mannschaft nicht Achter, sondern Vorletzter, was aber kaum etwas an den Problemen ändert, die sie wenn die anderen Gegebenheiten wegfielen, als Achter hätten (vermutlich).
Hitzfeld hat damals in Dortmund den richtigen Zeitpunkt gewählt und ist dann clevererweise zum Sportdirektor weggelobt worden, was ihm aber auch von Niemeier aus guten Gründen zugeraten wurde. Mit dem CL- Titel und einer großen Truppe, die aber trotz ihrer individuell hohen Klasse in der Liga bereits begann, nach und nach zu versagen. Folgerichtig. Nach 6 Jahren. Bei den Bauern hat er dann den Zeitpunkt leicht verpasst und musste nach 6 Jahren gehen. Rehhagel hat damals in Kaiserslautern den Zeitpunkt am Ende ebenso verpasst wie später mit der griechischen N11.
Jeder von uns hier, der selbst Trainer oder Spieler war, weiss doch, wie das läuft. Du bist als Spieler im Grunde überzeugt von dem an der Seitenlinie, aber Du merkst auch, dass langsam aber sicher viel zu viel an Traditionellem und an den Grundlagen früherer Erfolge festgehalten wird und sich auf dieser Basis zunehmend Betriebsblindheit einschleicht, statt mit der Zeit zu gehen.
Und als Coach weisst Du im Prinzip, was zu tun ist, kriegst es aber nicht mehr umgesetzt, weil das Abwägen und die Kompromissbereitschaft (zu) hoch und demzufolge in der Konsequenz eher hinderlich sind. Dies beruht ja auch und gerade auf einer Wechselwirkung. Dann ist es für beiden Seiten das Beste, neue Wege zu gehen, damit beide Seiten sich weiterentwickeln können.
Man sollte auch bedenken, dass das Festhalten an Bewährtem ein absolut menschlicher Faktor ist, in diesem Fall sowohl für den Trainer als auch für den Verein. Und deshalb ist`s oft schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen.