dass maßnahmen sich immer nur in verhältnismäßigkeiten bemessen lassen und sich vorallem daran bemessen lassen müssen, sollte klar sein. da bringt auch der verweis auf den verursacher nichts. das sollte eigentlich konsens sein. aber wenns ein überspitztes beispiel benötigt: angenommen jemand klaut einen apfel. er bricht also eine regel in vollem bewusstsein, begeht eine straftat. er ist der verursacher der darauffolgenden reaktion. soweit so klar. wird nun eine lebenslange freiheitsstrafe gegen ihn verhängt, kann man aber wohl kaum davon sprechen, dass es soweit nicht gekommen wäre, hätte er sich einfach an die regeln gehalten. solange man verursacher ist, hat man mit jeglicher konsequenz zu rechnen? wo kommen wir denn da hin? das ist ziemlich menschenverachtend und ich hoffe nicht, dass man solche denkweisen hier haben möchte.
das verwundert mich dann doch schon sehr, hast du hier doch mehr als einmal geäußert, dass du jegliche gewalt verachtest und abgesehen von notwehr niemals gewalt entschuldigen würdest. da hast du wohl vergessen zu schreiben: abgesehen von notwehr und falls jemand über eine brüstung steigt.
und es geht übrigens beides. aktion des herthafans: dumm, aktion des polizisten: überzogen.
Mein Mitleid hält sich deshalb in Grenzen, weil die von Dir gewählte Bezeichnung "dumm" für jemanden, der über eine Brüstung klettert, wissend, dass es verboten ist, und sehend, dass Polizisten mit Schlagstöcken in der Nähe sind, sehr freundlich ausgedrückt ist. Diese Wertung ist ganz unabhängig von der Frage der Verhältnismäßigkeit. So jemand muss damit rechnen, dass die Dinger auch eingesetzt werden können.
Ich stimme Dir zu, dass Maßnahmen sich in Verhältnismäßigkeiten messen müssen. Wenn in einer rundum friedlichen Atmosphäre ein Fan versucht, über eine Brüstung zu klettern und dann direkt einen mit dem Schlagstock übergebraten bekommt, bin ich bei Dir - das ist unverhältnismäßig. Von friedlicher Atmosphäre konnte im betreffenden Szenario kaum die Rede sein, von daher sehe ich es in dem Fall anders und kann den Einsatz nachvollziehen. Aus meiner Sicht ist daher die Wertung, ob eine Maßnahme, in dem Fall der Schlagstock, verhältnismäßig ist, nie pauschal möglich, sondern muss immer situationsbezogen sein.
Stichwort Gewalt ablehnen. Dass ich in der Diskussion, auf die Du anspielst "jegliche Gewalt verachten" geschrieben habe, kann ich mir kaum vorstellen, da "verachten" ein Wort ist, dass ich höchst selten benutze. "jegliche Gewalt" schon deshalb nicht, weil ich keine Pazifistin bin. Ich würde es begrüßen, wenn diese Welt ohne Gewalt, Kriege etc. auskäme, aber das ist - meine Meinung - leider weitab von der Realität und unerreichbar. Von daher glaube ich, dass wir ohne Armee und Polizei nicht auskommen und lehne es auch nicht ab, wenn diese verantwortungsvoll vom Gewaltmonopol des Staates Gebrauch machen. Die Diskussion damals drehte sich um die Frage, ob es okay ist, wenn Einzelne oder Gruppen Gewalt gegen Nazis anwenden. Aus meiner Sicht ganz klar nicht. Das Gewaltmonopol liegt in unserer Demokratie beim Staat, und das finde ich gut so. Gewaltanwendung Einzelner - oder von Gruppen - bei Notwehr, ja, ansonsten nein. Insofern hast Du mich damals offenbar falsch verstanden, und mir liegt daran, das klarzustellen.