So überraschend war die Taktik der Gladbacher nicht, auch wenn der Premiere-Kommentator das eingangs behauptet hat. Schon gegen Stuttgart war Gladbach vor allem über die Außen und speziell über Matmour gefährlich. Deshalb verstehe ich die Herausnahme von Pasanen auch nicht. Gut, er ist nicht der Schnellste, was gegen Matmour oder Marin ein Nachteil sein könnte. Aber was nützt einem die Schnelligkeit von Fritz und Boenisch, wenn diese Spieler keine Defensivzweikämpfe gewinnen bzw. diese gar nicht erst bestreiten?
Die Niederlage aber mit der Taktik zu erklären, ist mir viel zu einfach. Es war ja nicht so, dass Werder 90 Minuten gedrückt hat und "nur" eiskalt ausgekontert wurde. Wir hatten in der ersten Halbzeit keine einzige Torchance und Gladbach hätte gut und gerne noch ein oder zwei Tore mehr schießen können.
Gestern hat es schlicht an der Einstellung gefehlt. Das war über weite Strecken der Begegnung eine Arbeitsverweigerung. Kaum ein Spieler ist in die Zweikämpfe gegangen. Weder Boenisch und Fritz auf den Außen und erst recht nicht Jensen, Frings und Baumann im Mittelfeld. Derjenige, der den Ball hatte, war der Dumme, weil sich keiner als Anspielpartner anbot. So kann man keine Spiele gewinnen und so wird es auch gegen Cottbus und Anorthorsis Famagusta Klatschen geben.
Schon gegen Bielefeld hat man geglaubt, mit angezogener Handbremse und Einzelaktionen (Rosenberg) gewinnen zu können. Gestern hat man sich nur auf die spielerische Klasse verlassen. Das funktioniert noch gegen einen Fünftligisten wie Eintracht Nordhorn, nicht aber gegen einen Bundesligisten. Die Mannschaft war nicht bereit, an ihre Grenzen zu gehen. Liegt es an der Fitness? Dann müsste man sich fragen, was in der Vorbereitung gemacht wurde. Andererseits hat die Mannschaft gegen Schalke gezeigt, dass sie in der Lage ist, 90 Minuten zu kämpfen. Also liegt es offensichtlich doch nicht an der Fitness, sondern an der Einstellung der gutbezahlten Fußballprofis.