Die TE-Gegner scheinen hier ja momentan in der Überzahl - oder einfach penetranter - man weiß es nicht. Testspiele bei Werder waren schon immer schwer einzuschätzen und haben oftmals nichts mit der kommenden Saison zu tun. Ich für meinen Teil war noch nie emotionsloser, wenn es um Werder geht, wie momentan. Ich bin seit Wynton Rufer Zeiten Werder-Fan und habe viele Tiefen, aber auch Höhen miterlebt. Ich finde es unfassbar, dass es hier immer noch Leute gibt, die Schaaf nachtrauern. Andrerseits beschreibt das auch das große Werder-Problem: das Leben in der Vergangenheit. Wir hatten mit Schaaf großen Erfolg, also brauchen wir wieder mehr Stallgeruch (mein persönliches Werder-Unwort des Jahrzehnts) oder den "Werder-Weg". Dabei wird nur außen vor gelassen, dass es genau dieser Weg war, der uns überhaupt erst in diese Misere der letzten Jahre gebracht hat. Wir haben den Absprung verpasst, wir haben es verpasst, den Werder-Weg neu zu definieren - den Zeiten angemessen. Profi-Fußball hat nur noch wenig mit romantischer Vereinsmeierei zu tun, und dem müssen sich die Strukturen und handelnden Personen anpassen. Bei Werder fehlt mir das zu oft. Ich wünsche Baumann alles erdenklich Gute, ich würde mir wünschen, dass Viktor zum neuen kauzigen Startrainer von der Weser wird, mit dem wir Wunder von der Weser schaffen, wie oft genug hautnah miterlebt. Nur, das ist dieser romantische Fußball, den es heutzutage einfach nicht mehr gibt - zumindest nicht, wenn dahinter nicht ein klarer Plan steht. Es müssen starke Konzepte/Systeme und professionelle Strukturen im Hintergrund arbeiten, damit Erfolg möglich ist. Skripnik ist den Beweis bisher schuldig geblieben, dass Werder unter ihm dauerhaft erfolgreichen Fußball spielen kann. Baumann ist ein Neuling, der zu allererst seinen Posten hat, weil er so nach Stall riecht - Qualifikationen (Lebenslauf / Erfolge im Job waren/sind nicht vorhanden). Er mag fachlich sogar gut sein, aber es gibt erfahrenere und bessere Manager, die man hätte holen können. Aber entscheidend für FB war der Stallgeruch. Nichtsdestotrotz würde ich mir wünschen, er hat Erfolg und wird unser neuer Allofs zu seinen besten Zeiten. Nur, ich befürchte, diese Zeiten sind vorbei. Unentdeckte Talente, die nur wir finden, gibt es immer weniger. Unzufriedene Spieler, die bei uns zu neuem Glanz erstrahlen sind die Ausnahme. Eichin hatte das mit Vestergaard und einigen anderen durchaus erfolgreich gemacht. Dagegen stehen aber natürlich auch einige Transfer-Misserfolge und beim Trainer aussuchen war jetzt sicherlich nicht derjenige mit dem besten Händchen. Andrerseits gibt es für Werder keinen Trainer, mit dem man sicheren Erfolg kaufen kann. Da muss man leider ausprobieren. Finde ich sogar okay, mussten wir nach Rehhagel auch. Problematisch wird's nur, wenn man sich grundlos auf einen Trainer festlegt, der außer Werdervergangenheit nicht viel zu bieten hat. Und wenn man dann zu früh aufhört, Trainer zu tauschen. Trotzdem hatte ich bei TE das Gefühl, dass da jemand ist, der nicht alles stromlinienmäßig mitmachen wird und genau das brauchen wir bei Werder, denn wir brauchen Veränderung.
Menschen mögen Veränderung nicht, deswegen wünschen sich ja einige Schaaf zurück und halten jetzt überaus lange an Skripnik fest. Veränderung ist vielen Menschen suspekt und wird als schlecht angesehen. Woher jetzt die Hoffnung kommt, dass es nächste Saison um irgendwas anderes geht, als zu hoffen, dass 2 Mannschaften tatsächlich schlechter als wir sind und wir irgendwie die Relegation überstehen, ist mir schleierhaft. Ich habe Dixie Dörner mitgemacht, Aad de Mos, ich war dabei als wir in Kaiserslautern abgeschlachtet wurden kurz bevor Schaaf übernahm. Ich habe DFB Pokalsiege live in Berlin erlebt und eine bittere Niederlage in Istanbul. Champions Leagueabende, die Geschichte geschrieben haben und Pleiten, Pech und Pannen in den folgenden Jahren. Nie war mir Werder so gleichgültig wie jetzt, nie habe ich mich weniger auf die neue Saison gefreut als jetzt. Und doch werde ich für den Rest meines Lebens immer Werderfan bleiben. Vielleicht bin ich älter geworden, vielleicht weiser, vielleicht weiß ich, dass es Wichtigeres gibt als Werder. Aber wie in jeder Beziehung gibt es Höhen und Tiefen. Momentan ist diese bei mir am Tiefpunkt. Nicht wegen dem mangelnden Erfolg, damit habe ich ja in der Vergangenheit auch oft genug gelebt. Sondern weil mir die Hoffnung fehlt. Nie hatte ich so sehr das Gefühl wie jetzt, dass das Team hinter dem Team das Falsche ist. Ich mag mich irren. Ja, ich hoffe es sogar. Doch selbst wenn ich Recht habe, wird sich nichts ändern. Denn das ist der Werder-Weg. Leben in der erfolgreichen Vergangenheit. Kein Plan, keine systematische Nachwuchsausbildung/Einbindung, kein Trendsetter. Was hat man Klinsmann belacht, als der neue Methoden bei den Bayern von den bösen Ami-Sportarten mitgebracht hat. Heute sind diese Methoden bei den meisten Vereinen Standard (Klinsmanns Schwächen waren andere). Wo sind bei uns die innovativen Leute? Wieso schauen wir nicht nach vorne und finden den neuen Werder-Weg? Wieso lieber zurück schauen und versuchen, es mit denselben Methoden zu schaffen, die uns schonmal genutzt haben? Die Zeiten haben sich geändert. Wer sich nicht mit ändern wird unweigerlich zurückbleiben. Schade, dass das auf Werder zuzutreffen scheint. Schade, dass das genau mein Verein treffen muss. Und doch, ich bleibe Werderfan. 100%. Vielleicht kommt die Hoffnug ja im Laufe der nächsten Saison wieder. Vielleicht in der Nächsten. Hoffentlich bevor es zu spät ist und Werder nur noch zweitklassig ist.