Jepp, wobei ich ein Verbot der Unterbodenverkleidungen nur für ähnlich wirkungsvoll wie die beschlossenen Maßnahmen halte, denn ein Verzicht auf diese Verkleidungen kann die Risiken des Abhebens auch nur reduzieren, ohne jedoch das eigentliche Kernproblem zu lösen.
Denn das Kernproblem bei den GT3-Boliden ist die Balance des aerodynamischen Abtriebs von Heck- und Frontpartie. GT3 verfügen (ähnlich wie z.B. Le-Mans-Prototypen) über eine vergleichsweise große Unterbodenfläche und je größer die Fläche des Unterbodens ist, desto größer wird auch der aerodynamische Abtrieb am Heck, was wiederum bedeutet, daß der Abtrieb an der Frontpartie entsprechend hoch sein muß, damit das Fahrzeug kontrollierbar bleibt.
Diese Balance zwischen Heck- und Frontabtrieb wird aber beeinträchtigt, wenn ein Rennwagen z.B. über eine Kuppe fährt, wofür die heckabtrieblastigen Typen wie z.B. die GT3 besonders empfindlich sind. Denn während bei einer Fahrt über einer Kuppe der Abtrieb am Heck konstant bleibt, reduziert sich der Abtrieb an der Front, was sogar soweit gehen kann, daß am Frontspoiler ein Auftrieb entsteht, so daß das Auto so wie vorletztes WE am Nürburgring mit der Frontpartie zuerst in die Luft katapultiert wird.
Motorsport ist gefährlich und wird es allen Sicherheitsmaßnahmen zum Trotz auch bleiben. Aber dennoch muß man hinterfragen, ob es in Anbetracht dieser Risiken es die richtige Entscheidung war, die heckabtrieblastigen und für die Nordschleife übermotorisierten GT3 über die an Kuppen reiche Nordschleife fahren zu lassen. Aber man muß auch berücksichtigen, daß die Ursachen für die für einen Zuschauer tödlichen Verletzungen nicht nur in diesem Unfall selbst begründet sind, sondern daß erst der Aufprall auf dem Reifenstapel die zusätzliche Energie freisetzte, damit der Havarist über den Zaun fliegen konnte.