Klaus Allofs fehlt zum perfekten Finalabend neben einem erfolgreichen Spiel nur noch die etwas größere Fokussierung aufs Endspiel hierzulande. "Unsere Mannschaft steht vor einem europäischen Endspiel, was in der Öffentlichkeit seit Jahren von einer deutschen Mannschaft gefordert wird. Dass dann in den letzten Tagen immer wieder andere Dinge in den Vordergrund gestellt wurden, finde ich schon ein wenig seltsam", sagte Allofs nachdem er auf Gerüchte um Spieler-Transfers angesprochen wurde.
werder.de
Wahre Worte!
Man stelle sich vor, nicht Werder Bremen, sondern der Hamburger SV stünde in einem Europapokalendspiel. Als erste deutsche Mannschaft seit sieben Jahren!
Die BILD-Zeitung hätte den HSV seit Tagen abgefeiert und die Headline "Heute sind wir alle HSV-Fans" würde morgen bundesweit auf der Titelseite der BILD erscheinen. Wahrscheinlich würde die BILD-Zeitung morgen sogar in den Vereinsfarben des HSV erscheinen.
Es geht nicht nur um dieses eine UEFA-Cup-Endspiel. Während der Derbywochen gegen den HSV habe ich über BILD.de die Berichterstattung der "BILD Hamburg" über den Hamburger SV verfolgt. Diese war geradezu euphorisch. Nicht mal das Vereinsmagazin des HSV hätte so patriotisch und positiv berichten können.
So gab es in der "BILD Hamburg" täglich mehrere Artikel, die den HSV-Fan auf die historische Möglichkeit einstimmen sollten, ein Europapokalfinale zu erreichen. Zeitgleich berichtete die "BILD Bremen" wahlweise über den "Grusel-Griechen" (Tziolis), den schlimmsten Profi der Bundesliga (Pizarro) und über die täglichen Diego-Wechselgerüchte. Das UEFA-Cup-Halbfinale fand nur am Rande Erwähnung. Und als das Finale wider Erwarten erreicht war, wurde schnell die Exklusivmeldung "Schaaf zu Wolfsburg" rausgehauen, bevor auch nur einer auf die Idee kommt, Werders Erfolg in der Öffentlichkeit angemessen zu würdigen.
Es lässt sich nicht ändern, dass die Schreiberlinge der "BILD Bremen" eine distanziertere Haltung zum örtlichen Bundesligaverein haben als die Redakteure der "BILD Hamburg", die vermutlich alle in HSV-Bettwäsche schlafen. Eine "Hofberichterstattung" über Werder Bremen erwartet auch niemand. Trotzdem ist es nicht in Ordnung, dass ein UEFA-Cup-Finale mit deutscher Beteiligung nicht noch mehr Aufmerksamkeit bekommt.
Jetzt könnte man sagen: "Mir doch egal, was die BILD berichtet." Das ist so weit auch richtig. Aber Werder finanziert sich auch über Sponsoren. Für die Sponsoren ist es schon entscheidend, wie die Stimmung im medialen Umfeld ist. Deshalb sehe ich die allgemeine Presseberichterstattung - und nicht nur die von KNB - als Wettbewerbsnachteil an.
Täuscht mein Eindruck?



