Natürlich kann man vielen Spielern im Einzelfall ansetzen und diskutieren:
- Bei Harnik und Niemeyer stellt sich die Frage, ob sie den Durchbruch noch schaffen, wenn sie relativ lange Zeit verstreichen lassen, ohne sich durchzusetzen.
- Grundsätzlich gibt es immer Spieler, bei denen es eventuell so ist, dass es für sie sinnvoll sein könnte, anderswo einen Neuanfang zu machen. Beispiel Hunt, Tosic, Almeida, Sanogo.
- Wieder andere Spieler sind möglicherweise einfach zu schwach oder nicht geeignet für Werder, da fallen mir z.B. Boenisch oder Tosic ein, die die letzten Kapitel bei Werders unendlicher Suche nach dem Ei des Kolumbus auf dem Außenpositionen sind. Ähnliches könnte für Sanogo gelten.
Gerade diese Spieler sind aber auch mögliche Beispiele dafür, dass
es etwas verkürzt wäre, jetzt die halbe Mannschaft rausschmeißen zu wollen. Denn ich bin eigentlich sicher, dass es der Mannschaft nicht an der Qualität fehlt, sondern eher an dem Vermögen, mit der gegenwärtigen Situation umzugehen. Bei Werder ist es seit Jahren so: Entweder es läuft, oder es läuft nicht, und es gibt jeweils, und zwar gerade dann, wennn es nicht läuft, keine Hebel, um an Schwachstellen anzusetzen und um kurzfristig eine Umkehr herbeizuführen. Ob das jetzt an einzelnen Spielern liegt, sei dahingestellt.
Es ist ja nich so, dass Spieler wie Fritz oder Rosenberg an sich zu schwach für Werder wären. Sehe ich jedenfalls nicht so.
Daher sehe ich einen Ansatzpunkt eher in der Frage, welche Spieler man holen sollte. Und hier glaube ich, dass die jetzige Mannschaft einfach etwas zu sehr in eine bestimmte Richtung getrimmt wurde, nämlich in Richtung "spielerisches Potential" und in Richtung "Jugend".
Wichtiger als die Frage, welche Spieler man loswerden kann, wäre daher für mich die Frage, wie man Werder wieder "einrasten" kann. Und hier würde ich primär anregen:
- bei den Außenverteidigern wieder mehr den Akzent auf das
Verteidigen zu legen
- Zwei drei Spieler zu holen, die eher um die dreissig als um die zwanzig sind, die ein Spiel lesen können, und die nicht nur wissen, wo das gegnerische Tor steht, sondern auch das eigene. Das wären wahrscheinlich Mittelfeldspieler, könnte aber auch der eine oder andere Außen- oder Innenverteidiger sein.
Ich denke, dass man mit dem entsprechenden Gerüst auch den Großteil der vorhandenen Spieler weiter gebrauchen kann. Spieler wie Hunt oder zuletzt
Özil sind einfach überfordert mit der Situation, sie brauchen auch Entlastung und erfahrene Spieler, an deren Seite sie sich entwickeln können. Ähnliches gilt wahrscheinlich auch für Boenisch. Er ist sicher talentiert, aber meiner Meinung nach keinesfalls bereit für einen Stammplatz bei einem Spitzenverein, und erst recht nicht bei einem schlingernden Ex-Spitzenverein.
Und der Sturm ist erst recht auf Anspiele und damit darauf angwiesen, dass hinter ihm eine solide Basis und eine vernünftige Spiel- und Verhaltensstruktur besteht.
Dieses Muster gilt wahrscheinlich für fast alle der aufgeführten Kandidaten; selbt ein Tosic ist wahrscheinlich in erster Linie verunsichert - in einem vernünftigen Mannschaftsgefüge könnte er sich ganz anders darstellen und entwickeln als jetzt.
Ein Sonderfall ist Diego. Sportlich ist er sicher über die meisten Zweifel erhaben. Trotzdem ist mein Eindruck, dass es für die Hierarchie auf dem Platz sinnvoll sein könnte, ihn gehen zu lassen. Denn ich habe das Gefühl, dass er dadurch, dass das Spiel extrem auf ihn zugeschnitten ist, die Entwicklung der Mannschaft möglicherweise eher behindert als fördert. Zudem könnte eine hohe Ablöse dazu beitragen, einen notwendigen Umbruch zu finanzieren.
Ohne jetzt in billige Kopiererei zu verfallen: Die Situation 2002/2003 zeigt es doch:
Aus einer talentierten, aber strategisch und mental immer wieder überforderten, "grünen" Mannschaft wurde durch wenige Zukäufe - Davala, Ismael, Reinke und vor allem Micoud - eine Spitzenmannschaft. Natürlich bedeutete das teilweise auch das Ende für vorhandene Spieler. Aber im Prinzip kam es nicht so darauf an, für wen genau, sondern darauf, was der Mannschaft fehlte und durch wen es implementiert wurde.
Meiner Meinung nach sind es sogar sehr ähnliche Dinge wie jetzt, die der Mannschaft in den ersten KATS-Jahren abgingen und sehr ähnliche Dinge, die ihr zwischen 2002 und 2003 zugefügt wurden wie das, was Werderauch jetzt wieder nötig hätte:
Einen neuen Biss, defensive Qualität, und vor allem Intelligenz und Erfahrung auf dem Platz, damit die Mannschaft vor allem bei gegnerischem Ballbesitz nicht mehr derart konfus als Hühnerhaufen agiert.
Und auf einer derart soliden Basis kann dann auch wieder unbeschwert nach vorne gespielt werden, wo jetzt die Verunsicherung da ist und die Struktur ziemlich verloren gegangen ist.
MFG dkbs