Und c) kommen die Spieler bei Werder in der Regel spät, oft nach Trainingsbeginn und manchmal sogar nach Saisonbeginn. Das muss man nicht gut finden, aber aus Gründen, die im Markt liegen werden, ist das eben so und man könnte sich da langsam mal dran gewöhnen.
Aber soweit ich mich erinnern kann, wurden bis vor ein paar Jahren noch in der Regel wichtige Neuzugänge oftmals vor oder kurz nach Ende der vorherigen Spielzeit, spätestens zum Trainingsstart festgezurrt - der Unaussprechliche, Naldo, Frings im Ismael Tausch, Diego, Fritz, etc. Und genau das wurde KA immer als Markenzeichen einer cleveren und weitsichtigen Transferpolitik ausgelegt, vor allem, weil diese Spieler dann meist noch einschlugen.
Seit (ca. 2007) Werder überwiegend diese ,,späten" Transfers tätigt, ist KA damit - insgesamt gesehen - weniger gut gefahren. Worin liegen nun die von Dir angesprochenen Gründe im Markt? Haben andere einfach nur aufgeholt, reagieren mittlerweile genauso schnell oder ist das Scouting bei den Vereinen massiver und intensiver geworden? Ist es für Werder wegen des höheren Bekanntheitsgrades schwerer geworden? Jedenfalls kommt es mir eher so vor, dass die Marktlücken weniger wurden, was es für Werder und die Arbeit von KA umso schwieriger macht. Daher gebührt KA mMn nochmehr Hochachtung vor gelungenen Transfer-Aktivitäten und ist etwas, was mir bei der ganzen Diskussion irgendwie zu kurz kommt.
Stimme ich zu. Woran das liegt, kann man m.M.n. nur spekulieren, aber das, was du vermutest, wird eine Rolle spielen. Vom HSV ist z.B. bekannt (mir ist jedenfalls so), dass überhaupt erst Beiersdorfer eine strukturierte Scouting-Abteilung eingeführt hat.
Ich denke, dass noch folgendes dazu kommt: Im frühen Sommer, wenn nicht früher, werden sagen wir mal die Wunschtransfers erledigt. Da kann Werder allerdings nur bedingt mitmachen, da dort die Preise hoch sind. Die Überlegung ist nun, dass es vielleicht Vereine gibt, die nach Trainigsbeginn oder sogar nach Saisonbeginn feststellen, dass zu viele oder die falschen Spieler da sind, und dann Spieler auf den Markt kommen, die für Werder interessant und typisch sind (eigentlich gut, bei anderen Vereinen gescheitert und daher im Durchschnitt wahrlscheinlich billiger als ein halbe Jahr vor Saisonende). Und wenn man annimmt, dass die großen Vereine bis dahin schon ihre Verpflichtungen unter Dach und Fach haben, kann man sich u.U. größere Hoffungen machen, zum Zug zu kommen, erst recht, wenn man das früh mitbekommt, als wenn alle Welt weiß und sich monatelang darauf vorbereiten kann, dass Verträge auslaufen.
Das Muster für eine solche Verpflichtung wäre natürlich Micoud, ohne dass ich damit sagen will, dass es immer so gut klappt. Ist natürlich riskant. Und man darf ja auch nicht vergessen, dass Werder zwei Wunschtransfers relativ früh gemacht hat. Wahrscheinlich fährt man immer zweigleisig, guckt, was sich frühzeitig realisieren lässt und hofft anschließend auf die Phase, wo nochmal Spieler auf den Markt kommen.
- Dann werden Allofs irgendwelche Ankündigungen vorgehalten, die angeblich darauf hinauslaufen, dass er revolutionäre Umwälzungen im Kader und/oder irgendwelche "Kracher" versprochen habe, was sich in der Regel so nicht halten lässt (meist sind die Ankündigungen halt viel allgemeiner, auf spezifische Situationen bezogen, aber nicht unbedingt wörtlich zu nehmen).
Doch! Inzwischen schon, weil es genau das ist, was den Anhängern ständig ein falsches Bild vermittelt. KA weiss, dass Werder nie mit europäischen Top-Clubs oder Vereinen wie den Bayern, alleine schon wegen der Rahmenbedingungen, wird mithalten können und er weiss, dass in Bremen kaum ein gelebter Anspruch eines Spitzenclubs möglich ist, schon aus traditionellen Gründen. Was sollen dann diese Aussagen nach dem Motto: ,,Mir san mir" oder ,, wir-hauen-dazwischen,-weil-wir-Reibungspunkte-brauchen" unter dem Aspekt, dass eine annähernde Durchführung dessen praktisch unmöglich sein wird?
Nun, zum einen lese ich gewisse forsche Ankündigungen von Allofs genau unter diesem Gesichtspunkt auch immer mit einer gewissen Skepsis.
Aber gerade Äußerungen, die in diese Richtung gingen, kamen, wenn ich mich recht erinnere, kurz vor, in oder kurz nach der Winterpause, als bei Werder nichts lief und die Perspektive sehr ungewiss war. Da sind solche Äußerungen sowohl angebracht (unabhängig davon, ob sie sich so einfach in die Tat umsetzen lassen (Stichwort Trennung von gewissen Spielern), als auch als Signal an die Spieler zu verstehen, sich gefälligst reinzuhauen und im eigenen Interesse die Zukunft und Perspektive Werders mit ihrer eigenen zu verknüpfen. Und auch wenn am Ende nur Platz 10 raussprang, muss man doch sagen, dass es gewirkt hat und die Saison mit dem Erreichen zweier Finals und dem Gewinn eines Titels nicht nur gerettet wurde, sondern eine erfolgreiche war.
Meiner Meinung ist das Problem daher vielmehr, dass viele Fans einfach unfähig sind, solche Äußerungen richtig zu lesen bzw. sie überhaupt in einen Zusammenhang einzuordnen. Wer z.B. aus einer Äußerung, dass Werder auf den Weggang Diegos angemessen reagieren werde und Spieler x nicht der einzige Neuzugang bleiben werde (als sinngemäßes Beispiel für eine Äußerung, die von Allofs stammen könnte) schließt, dass Werder soundsoviele Superstars holt und vor allem so und soviele Millionen raushaut, oder wer glaubt und Allofs diesbezüglich festnageln will, dass am Ende dieser Saison der halbe Kader ausgetauscht wird und soundsoviele Spieler rausgeworfen weren, ist halt auf dem Holzweg, und das kann man schon ahnen, bevor es soweit ist, weil alles andere Werders Philosophe widersprechen würde.
MFG dkbs