@ Temperenzlar
Ich denke (hoffe), dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt.
Ich vermute, dass es stimmt, dass bei Werder nicht die großen Summen aus CL oder Spielerverkäufen übrig geblieben sind. Der Kader ist ja teurer geworden; das ist halt die Kehrseite erfolgsbezogener Bezahlung.
Ich denke aber dennoch, dass punktuell gewisse Ausgaben möglich sind und Werder nicht wirklich klamm ist, dass also das operative Geschäft unproblematisch verläuft. Nur steht Werder zur Zeit ja etwas vor einer ungewissen Zukunft: Niemand weiß ob Werder weiter mit internationalen Einnahmen planen kann; wenn nicht, muss man mit 15-20 Millionen weniger auskommen als zuletzt und das haut natürlich rein, auch wenn wahrscheinlich die Gehälter automatisch sinken.
Wintertransfers macht man in der Regel entweder aus Luxus, wenn mehr Geld da ist als erwartet und man so die Gelegenheit bekommt, unverhofft an gewissen Psitionen zu arbeiten, wenn sich Gelegenheiten ergeben Transfers, die man sowieso machen wollte, vorzuziehen (Özil) oder um auf Notsituationen zu reagieren (Klasnics Niere, Rosenberg).
Sicher könnte man argumentieren, dass das zweite oder das vierte gegeben sein könnten.
Aber das kann man unterschiedlich sehen.
Im Sturm hat man zwar Sanogo abgegeben. Aber dadurch ist nicht (bzw. nur für zwei, drei Spiele) eine Notsituation gegeben. Denn ob man das versteht oder nicht: Sanogo hat eh kaum noch eine Rolle gespielt in der Hinrunde, und abgegeben hat man sozusagen einen Spieler, der normalerweise vielleicht zu 5, 6 Kurzeinsätzen gekommen wäre und für das eine oder andere Tor gut gewesen wäre, aber nicht mehr. Man darf nicht vergessen, dass die Atmosphäre zwischen ihm und Werder offensichtlich gestört war und das ist keine gute Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
Alles in allem ist ähnliches, was von Sanogo zu erwarten gewesen wäre, auch Harnik zuzutrauen, der mit 4 Stürmern vor ihm gar keine Rolle gespielt hätte
Und hier dürften auch wirklich finanzielle Aspekte ins Spiel kommen, denn so dicke, einen Spieler gut für (mehr oder weniger) nix zu bezahlen, dürfte es Werder tatsächlich nicht haben. Und vielleicht ist die Ausleihe zudem eine Chance, eine Ablöse zu generieren (wenn Sanogo erfolgreich sein sollte), die man ohne Ausleihe nie und nimmer bekommen würde für einen unzufriedenen und mit kaum Einsätzen auch logischerweise erfolglosen Reservisten.
Die zweite Frage betrifft z.B. die Außenpositionen. Hier ist es wahrscheinlich Glaubenssache, aber ich vermute, dass Werder hier etwas optimistischer ist als das Gros der Fans. Boenisch ist zumindest talentiert und zeigt vielversprechende Ansätze und Fritz war bis zur EM immerhin Leistungsträger und Nationalspieler. Pasanen kann ein absolut passabler Ersatz sein und Prödl hat seine Sache als Verlegenheitslösung auch nicht so schlecht gemacht. Und Tosic ist auch noch da und wenn man will kann man auch bei ihm einen leichten Aufwärtstrend sehen.
Und auch hier ist es eine finanzielle Frage, ob man zur Überbrückung von Formkrisen und Entwicklungsphasen Geld raushauen will. Und zwar sicher nicht ganz wenig, denn Außenverteidiger liegen ja nicht auf der Straße.
Und vor allem ist die Frage, ob man jetzt im Winter auf die Schnelle tatsächlich Spieler bekommen würde, die mehr als nur kurzfristig als Notlösung die Defensive stabilisieren würden. Sonst hätte man am Ende einen Pool von ca. 6 Alternativen (und müsste sie natürlich auch bezahlen) von denen keine wirklich überzeugend wäre. Da hat Born nämlich nicht unrecht, dass sich schon rein formal die Frage stellt, wie man im Winter an Verstärkungen kommt (erst recht solche, die international spielberechtigt sind), wo die guten Spieler natürlich Vertrag haben und nicht gerade gern gehen gelassen werden.
Da bleibt am Ende ein ziemlich schmales Fenster übrig aus Vereinen aus Ligen, die immer bereit sind, Spieler (aus finanziellen Gründen) gehen zu assen und aus Spielern, die zufälligerweise gerade irgendwo auf dem Abstellgleis stehen, obwohl sie eigentlich gut und für Werder eine Verstärkung wären. Und da muss man Glück haben und müssen sich Gelegenheiten ergeben.
Wenn das nicht der Fall ist, bleibt nur ein Transfer, den man mit Fug und Recht als Paniktransfer bezeichnen müsste, und da ist die Frage, ob Werder den nötig hat. Sicher klingt Allofs Antwort in diesem Zusammenhang provozierend gelassen angesichts des Tabellenstands.
Aber dass Werder gerade im Mittelfeld rumdümpelt liegt sicher nicht an der grundsätzlich fehlenden Qualität des Kaders (der ja mehr oder weniger in der Zusammenstellung letztes Jahr noch Vizemeister wurde).
Und auch wenn mir und sicher auch Allofs und Schaaf theoretische Möglichkeiten einfielen, die Mannschaft sinnvoll zu verstärken, bleibt so eben die Frage, ob das im Kontext des gegenwärtigen Tabellenplatzes und der vorhandenen finanziellen Mittel sinnvoll und notwendig ist. Und vor allem auch: Wofür? Würde eine Neuverpflichtung signifikant die Chance erhöhen, den AC Mailand (und weitere Gegner im UEFA-Cup) auszuschalten? Würde dadurch signifikant die Chance steigen, noch in die CL oder in den UEFA-Cup zu kommen? Das muss man abwägen.
Schließlich kommt noch hinzu, dass im Sommer nicht unwahrscheinlicherweise ein gewisser Umruch ansteht. Zumindest der Verbleib von Pizarro und Diego dürfte fraglich sein.
Wenn man dann noch einbezieht, dass Werder möglicherweise ohne internationale Einnahmen dastehen wird, halte ich es - auch wenn ich ebenfalls den Impuls habe bzw. hatte, mir für die Rückrunde Verstärkung zu wünschen - im Endeffekt vernünftig, jetzt keine Schnellschüsse zu machen sondern zu gucken, dass man im Sommer eine vernünftige Mannschaft zusammenbekommt. Wenn z.B. die Möglichkeit bestehen sollte, Pizarro zu verpflichten, wäre doof, wenn das nicht ginge, weil man im Winter für sagen wir 3,5 Miliionen einen Spieler der Kategorie Charisteas oder Hanke geholt hätte, dieser jetzt zwei, drei Mal und insgesamt vielleicht 10mal gespielt hätte, und die 3,5 Millionen dann fehlen würden.
Da sollte man lieber für den Sommer eine vernünftige Planung machen und durchziehen.
MFG dkbs