Ich hoffe, dass man bei diesem Umbruch Erfahrungen aus der Vergangenheit einbezieht, was die Persönlichkeit der Spieler angeht. Wenn sich in der jüngsten Vergangenheit schon viele beklagen, dass die Truppe nicht zu einer Einheit zusammengewachsen ist, dann sollte man jetzt im Zuge eines größeren Umbruchs zumindest versuchen, die Attraktivität eines potenziellen Neuzugangs nicht ausschließlich an seiner fußballerischen Klasse festzumachen. Ein Spieler sollte schon bereit sein, auf andere einzugehen und sich im Sinne der Mannschaft auch dem Team unterzuordnen. Fehlt es an dieser Bereitschaft, ist er entweder falsch oder sollte in der Lage sein, auf dem Platz Taten folgen zu lassen und nicht nur Mitläufer zu sein.
Was die sportliche Weiterentwicklung als direkte Folge der Transfers angeht, bin ich eher skeptisch und gehe nicht von einem schnellen Sprung nach oben aus. Die Entwicklung braucht sicherlich Zeit, und erfahrungsgemäß glaube ich nicht, dass alle aus dem Umfeld die entsprechende Geduld mitbringen.
Warum glaube ich das?
In den letzten Jahren als wir noch CL spielten, geschah dies mit einem Kader, der zumindest national durchaus konkurrenzfähig war. Aufgrund der sportlichen Erfolge und den daraus resultierenden Einnahmen konnte die Transferpolitik so gestaltet werden, dass punktuelle Verstärkungen mit gestandenen Leuten realisiert wurden und entwicklungsfähige Spieler beigemischt wurden, die hier den nächsten Schritt machen sollten. Aus erstgenannten Transfers konnte man also durchaus eine sofortige Wirkung erwarten.
Jetzt sieht es so aus, dass durch die Bank Spieler kommen, die hier einen riesigen Entwicklungsschritt wagen, weil sie vorher auf ganz anderem Niveau gespielt haben oder gar nicht erst zum Zuge gekommen ist. Hier kann man keine 100%ige Trefferquote erwarten, wenn man von sofortigen Verstärkungen ausgeht. Das hat auch nichts mit verstopfter Spürnase zu tun, sondern damit dass solch günstige Transfers grundsätzlich ein gewisses Risiko bergen. Deshalb kann man nur abwarten, wer den erhofften Schritt wirklich macht und wer nicht, bzw. wer dafür wie lange braucht.
Das macht die Sache insbesondere für den Trainer nicht leicht.
Einen Umbruch wie er hier stattfindet, hätte ein neuer Trainer wohl mit mehr Geduld vollziehen können. Auf Schaaf hingegen wird man sehr genau schauen, und wenn er im Laufe der Hinrunde ein paar Mal seine Startaufstellung korrigieren muss, wird es wohl mehr Kritiker geben als in den Jahren zuvor.
Man könnte auch soweit gehen und sagen, Werder steht in dieser Saison am Scheideweg.