Richtig tsubasa. Ändert trotzdem nichts dran, dass Özil neben dem Spielgeschehen her läuft, was Zweikämpfe (gerne auch in wichtigen Zonen), Ballgewinne, Blocken, Zulaufen und solche mitunter nicht unerheblichen Dinge angeht. Wegen dem, was Du beschreibst, bleibt Özil zurecht im Team und ich gehe mit dir konform, dass Klose/ Müller/ Özil exakt das Trio ist, welches wir offensiv da vorne brauchen, um Ideen zu entwickeln. Dazu auch und vor allem Kroos.
Die Frage für mich bleibt dennoch, ob wir uns dieses strategische Defizit, welches gerade auch von Özil ausgeht, auf Dauer erlauben können. Ist nur so`ne Vermutung, aber wenn sich Mannschaften auf hohem Niveau neutralisieren, dann könnte es womöglich nicht reichen, wenn einer allein in der Hoffnung, einen Fehlpass, abgewehrten Ball, Abpraller oder das von den Nebenleuten eroberte Spielgerät aufzunehmen, Tempo- und Kombinationsspiel aufziehen will. Denn dann müssen alle mitarbeiten, die Räume auch physisch beackern, gegenhalten um den kleinen Vorteil zu erringen. Das hat Özil von Mourinho gelernt und war genau deshalb phasenweise Weltklasse. Es gibt meines Erachtens außer Xavi weltweit keinen, der schneller und genauer den Ball verteilen kann. Aber diese nicht unerhebliche Schwäche wirft ihn auf gewissem Niveau immer wieder zurück. Die letzte Saison war dahingehend ein Rückfall in Werder- Zeiten.
Zum Thema: Betrachten wir das übriggebliebene Sechzehnerfeld inklusive der schon Ausgeschiedenen, dann wirken auf mich von den sechs Mannschaften Argentinien, Brasilien, Deutschland, Belgien, Holland und Frankreich, die in Summe die individuell deutlich besseren Kicker haben als der übrige Rest, Holland und Frankreich bisher als beste Teams, also im mannschaftlichen Sinne, noch mehr Frankreich. Brasilien hat den Heimvorteil. Deutschland hat die beste Mannschaft, dafür aber taktische Defizite und ist was Positionen und Mannschaftsteile angeht, falsch zusammen- sowie aufgestellt. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Fernandinho, Hulk oder Fred in der deutschen, ersten Elf spielen würden. Auf der anderen Seite wären Leute wie Draxler oder Schürrle in 29 von 32 Teams gesetzt. Mindestens. Was allerdings aus diesem Potential gemacht wird, ist mitunter ärgerlich.
Zu allem Überfluß wirkt mir Löw wie ein komischer Sturkopf, der manchmal, warum auch immer, konsequent das Falsche durchzieht (irgendwo her kommt mir das nur allzu bekannt vor). Als ob er allen beweisen will "ich mach das so und fertig, egal was dabei raus kommt". Mich nervt mittlerweile sehr, dass deswegen diese überragende Spielergeneration regelmäßig bei Turnieren leer ausgeht.
Und anders als Mezzo fehlt mir der Glaube, dass diese Mannschaft in Tempo und flexibler Spielgestaltung innerhalb einer Partie gut variieren kann. Kam es auf Spitz und Knopf, hat D unter Löw zu oft das Gegenteil bewiesen. Die USA haben nie wirklich am Spiel teilgenommen, besonders offensiv, wollten und mussten kaum einmal im Verlauf. Daher würde ich das "kaum was zugelassen" an der Stelle nicht überbewerten.
Ich fand ja, dass unser Team in der Anfangsviertelstunde einiges wirklich gut gemacht hat. Die USA schoben sieben bis acht Mann nach rechts, nach links, je nachdem wo Deutschland den Ball hatte. Dann hat ein kluger Seitenwechsel das Ganze aufgerissen, nur fehlte das Tempo. Aber so geht`s. Nur: nach etwa 20 Minuten kam der alte Trott, Kreisspiel um den Strafraum, keine Ideen, Tempowechsel, sinnlos die Mitte aufgemacht (zum Glück waren die technisch dermaßen unbeholfen).
Solche Gegner wie Ghana oder USA, die in ihren spielerischen Mitteln unterlegen sind, kann man nicht allein über Ballbesitz und mit rein fussballerischen Mitteln knacken, wenn das oder die schnellen Tore nicht gelingen.
Dann muss eine Mannschaft scheinpassiver werden, Bälle dem Gegner herschenken, nachdem die Räume vorher zugestellt sind. Versuchte Löw`s Elf zwar, gegen Ghana wie auch gegen die USA. Aber zu naiv, nicht geduldig und ohne die richtigen Mittel.
Manchmal müssen eben, wenn das nicht geht, ein, zwei taktische Fouls her, die die Gegenspieler in Aufruhr und dadurch aus der Konzentration bringen. Oder wahlweise hohe Bälle und gegen die zweiten Bälle dann nachsetzen, gegen fussballerisch schlechtere Gegenspieler. Eben alle diese Facetten, die zwar nicht immer schön, aber erfolgversprechender sind. Gerade wenn das Ziel der Titel ist.
Als spielerisch und individuell überlegene Mannschaft, die wir zweifelsohne gegen Ghana und USA auf dem Rasen hatten, müssen einfach mehr Möglichkeiten gefunden werden, deren Ordnung gezielter zu bearbeiten. Es gibt weit mehr Mittel als die, die Löw`s Truppe parat hat.
Aber so geraten wir aus guten Ausgangspositionen gerne mal in schwer aufzuholende Rückstande (Italien, Paraguay, in Schweden, 3:5 in der Schweiz) ohne dass die anderen viel für`s Spiel tun und der zu betreibende Aufwand wird noch höher. Oder kommen nach eigener Führung als besseres Team vollkommen unsinnig noch in die Bredouille (in Österreich und in Dänemark) oder verschenken gar wertvolle Führungen (Schweden, Kamerun, Ghana). Das ist trotz einer extrem talentierten Mannschaft kein kluger Fußball, aus meiner Sicht schlicht zu inflexibel. Besonders wenn das Ziel ist, Weltmeister zu werden.