Übrige Spielethread

Aus finanziellen Aspekt richtig. Meine Kritik an dem englischen Play-Off-Modus (der schon vor Einführung der EPL Usus war) ist wie geschrieben jedoch rein sportlich. Weil ich es als unfair empfinde, dass die 4.-6. der Championship durch zwei bis drei gute Ergebnisse aufsteigen können, obwohl sie in der Summe von 46 Ligaspielen mehr oder weniger deutlich schlechter waren als der Tabellendritte.

Schon verstanden, aber es gab genügend Saison in der Championship, wo die Unterschiede in der Hauptrunde nicht so groß waren, wie dieses Mal. Die von Dir angesprochene Ungerechtigkeit befindet sich innerhalb derselben Liga. Vergleiche es mit anderen Sportarten, wo die Gewichtsklasse natürlich eine große Rolle spielt und im übertragenen Sinn sind es hier die finanziellen Möglichkeiten.
 
Aus dem Blickwinkel als Fan eines Traditionsvereins stimme ich dir grundsätzlich zu. Doch dass "entbehrliche" Klub wie z.B. Kiel, Heidenheim, Mainz oder Augsburg in der 1. Liga spielen, liegt größtenteils daran, dass diese trotz ihrer geringen Möglichkeiten mit guter bis sehr guter Arbeit sehr viel erreichen, während Traditionsvereine wie z.B. HSV, Schalke, Kaiserslautern oder Nürnberg aus welchen Gründen auch immer zu blöd sind, aus ihrem wesentlich größeren Potentialen zumindest so viel herauszuholen, dass sie sich zumindest im gesicherten Mittelfeld der 1. Liga etablieren können.

Na ja, die Erwartungshaltung und die Verpflichtungen unterscheiden sich schon erheblich von denen, die die kleineren Vereine zu erfüllen haben. Nehmen wir die Pfalz, da gibt und gab es nur Kaiserslautern die den Auftrag hatten (schon aus historischen Gründen), die strukturschwache Pfalz sportlich beleben zu können. Mainz darf die Hauptstadt spielen, die fußballerische und emotionale Heimat aller Pfälzer bleibt der 1.FCK.

Umgekehrt muss man konstatieren, dass das Management dieser Traditionsklubs häufig völlig ungeeignet sind, um ein kommerzielles Unternehmen führen zu können, Baumann ist für mich der beste Beweis dafür, dass die gutgemeinte Idee (Werderfamilie) nichts mit einem professionell geführtem Unternehmen zu tun haben muss - bis man vor dem Abgrund steht. Werder stand am Abgrund und einige Personen haben offensichtlich verstanden, dass die Sprünge aktuell etwas kleiner auszufallen haben.

Klubs wie Schalke, Hertha und der HSV haben genügend finanzielle Mittel, dafür sehr viel ungeeignetes Personal besessen, die Probleme ausschließlich hausgemacht. Man scheitert an den eigenen Erwartungen und gehört dennoch zum Who-is-Who der Bundesliga.

Heidenheim ist für mich das, was gerade in Freiburg geschieht und die Erstgenannten früher treffen wird. Geht Schmidt, stürzt der Verein ab. Freiburg wird sich diese Saison daran gewöhnen müssen, dass die obere Tabellenhälfte so schnell kein realistisches Ziel mehr sein dürfte.

Schlussendlich ist es auch eine Generationenfrage, welche Vereine man persönlich in der Bundesliga sehen möchte. Da bin ich Old-School, die von mir präferierten Vereine hatte ich genannt. Letztendlich kenne ich alle neuen und alten Bunker der Traditionsklubs und habe dort die beste Stimmung erlebt.
 
Das ist zweifellos so, die haben einfach aber auch ganz andere Erwartungen, auch im Umfeld, die sie mMn bremsen.
Zudem findet sich dort immer auch eine gute Portion Größenwahn.
Zuletzt kommen die aus einer ganz anderen Fallhöhe mit Verbindlichkeiten etcetera.
Das meinte ich u.a. mit der Formulierung , warum Traditionsvereine aus welchen Gründen auch immer zu blöd sind, aus ihrem wesentlich größeren Potentialen zumindest so viel herauszuholen, dass sie sich zumindest im gesicherten Mittelfeld der 1. Liga etablieren können.


Wenn z.B. Heidenheim quasi aus dem Nichts über Jahre oder Jahrzehnte etwas aufgebaut hat ist es mMn einfacher.
Durchaus richtig. Aber wenn mehr Traditionsvereine mit großem Namen ihr jeweiligen Potentiale nicht besser ausschöpfen würden, dann wäre es z.B, für Heidenheim bei gleich guter eigener Arbeit in dieser Saison wesentlich schwieriger geworden, den 8. Platz zu erreichen.
 
Na ja, die Erwartungshaltung und die Verpflichtungen unterscheiden sich schon erheblich von denen, die die kleineren Vereine zu erfüllen haben. Nehmen wir die Pfalz, da gibt und gab es nur Kaiserslautern die den Auftrag hatten (schon aus historischen Gründen), die strukturschwache Pfalz sportlich beleben zu können. Mainz darf die Hauptstadt spielen, die fußballerische und emotionale Heimat aller Pfälzer bleibt der 1.FCK.
Richtig, was im Grundsatz auch legitim ist - zumindest so lange das Management der großen Vereine entsprechend gut arbeitet.


Umgekehrt muss man konstatieren, dass das Management dieser Traditionsklubs häufig völlig ungeeignet sind, um ein kommerzielles Unternehmen führen zu können, Baumann ist für mich der beste Beweis dafür, dass die gutgemeinte Idee (Werderfamilie) nichts mit einem professionell geführtem Unternehmen zu tun haben muss - bis man vor dem Abgrund steht. Werder stand am Abgrund und einige Personen haben offensichtlich verstanden, dass die Sprünge aktuell etwas kleiner auszufallen haben.
:tnx: Und genau das ist der Casus Knacktus. Denn ist mMn kein Zufall, dass mit Beginn des "Turbokapitalismus" im Fußball in den 1990er Jahren mit den 1.FC Köln, Eintracht Frankfurt, 1. FC Kaiserslautern, Borussia Mönchengladbach, VfB Stuttgart, Hamburger SV, Schake 04 und Werder Bremen zahlreiche Bundesliga-Dinos früher oder später ins Straucheln kamen und seitdem ein- bis siebenmal in die 2. Liga abgestiegen sind. Bzw. der HSV vor dem siebten Zweitligajahr in Folge steht.


Klubs wie Schalke, Hertha und der HSV haben genügend finanzielle Mittel, dafür sehr viel ungeeignetes Personal besessen, die Probleme ausschließlich hausgemacht. Man scheitert an den eigenen Erwartungen und gehört dennoch zum Who-is-Who der Bundesliga.
Es sind nicht nur die eigenen Erwartungen, die zum Scheitern führen. Sondern auch realitätsfremde (Selbst-)Einschätzungen. Und das leider eben nicht nur bei den dafür üblichen Verdächtigen Schalke, Hertha oder HSV. Denn der ehemalige Werder-Geschäftsführer und -Präsident Klaus-Dieter Fischer äußerte Mitte der 2010er Jahre in einem Interview mit dem Weser-Kurier, dass der größte Fehler bei Werder in der erfolgreichen Phase von 2003-2010 der war, dass der Irrglaube herrschte, das die erfolgreichen Jahre würden einfach so weitergehen wie bisher. Oder als Frank Baumann im Herbst 2019 nach einer 0:1-Heimniederlage gegen Paderborn und dem damit verbundenen Absturz auf Platz 14 trotzig verkündete, dass man am Ziel Europa festhalten wolle - am Ende wurde mit Ach und Krach der Klassenerhalt in der Relegation gesichert.


(Fortsetzung folgt)
 
Bis zum 1-0 für Regensburg war das Interessanteste an dem (grottigen) Spiel, dass Oscar Schönfelder (Ex Werder II Spieler) seinen Kreuzbandriss offenbar gut überstanden hat und in Regensburg vom Linksaußen zum Linksverteidiger umgeschult wurde.
 
2. Teil



Heidenheim ist für mich das, was gerade in Freiburg geschieht und die Erstgenannten früher treffen wird. Geht Schmidt, stürzt der Verein ab. Freiburg wird sich diese Saison daran gewöhnen müssen, dass die obere Tabellenhälfte so schnell kein realistisches Ziel mehr sein dürfte.
Vor knapp 1 Jahr habe ich mich mit dem im Jahr 2022 erschienen Buch "Was Teams erfolgreich macht“ des Sportjournalisten und Blogger Tobias Escher, der u.a. in der Syker Kreiszeitung / Deichstube nach Werder Spielen die Taktiken analysiert, befasst. Er schrieb u.a., dass der SC Freiburg sich selbst unter den 25 Top-Clubs im deutschen Profi-Fußball verortet. D.h., dass dort selbst Abstiege in die 2. Liga (zuletzt 2015) dort anders als den Bundesliga-Dinos kein Weltuntergang, sondern ein Teil der Entwicklung sind. Freiburg und erst recht Heidenheim "müssen" somit nicht zwingend einen einstelligen Tabellenplatz erreichen, denn für sie ist es schon ein Erfolg, in der 1. Liga überhaupt mitspielen zu können. Und Freiburg hat ja schon einmal gezeigt, dass man dort in der Lage ist, denn Verlust eines langjähriges Trainers zu kompensieren. Denn nur viereinhalb Jahre nach dem Weggang von Volker Finke wurde dort Christian Streich neuer Chefcoach.


Schlussendlich ist es auch eine Generationenfrage, welche Vereine man persönlich in der Bundesliga sehen möchte. Da bin ich Old-School, die von mir präferierten Vereine hatte ich genannt. Letztendlich kenne ich alle neuen und alten Bunker der Traditionsklubs und habe dort die beste Stimmung erlebt.
Mein Fußballherz ist auch das eines Traditionalisten, der lieber z.B. Werder gegen HSV als Werder gegen HDH sieht. Aber ebenso bin ich Realist und vertrete die Ansicht, dass wenn ein einst erfolgreicher Traditionsverein nicht in der Lage ist, sein Potential so auszuschöpfen, dass er sich nicht in der 1. Bundesliga halten kann, warum sollte dann einem weniger ruhmreichen Club die Erstligazugehörigkeit verwehrt werden, wenn dieser aus seinen bescheidenen Mitteln mehr herausholt?
 
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