Auch wenn ich mich desöfteren über unsere etwas "ungezügelten" und kopflosen Auftritte ärgere und mir def. Stabilität wünsche, ist das was Schalke spielt (oder eben nicht) etwas, wofür ich meine Freizeit nicht opfern würde.
Daher hoffe ich immer noch, daß eine Mannschaft, die ich nicht unbedingt sympathisch finde, die aber Fußball spielt und zwar nach vorne, Meister wird.
Das Ding ist doch in Wahrheit, dass das eine das andere nicht vollkommen ausschließt. Zentrale Variable ist das vorhandene Spielermaterial, wonach sich hauptsächlich die taktischen Möglichkeiten ausrichten und in der Ausnutzung dessen hat Schalke gegenüber Werder exorbitante Vorteile.
Das war allerdings unter Thomas Schaaf nicht immer so. Werder hatte einmal Spieler, die zu seiner Philosophie und seinem System passten. Mit einer IV Krstajic/Ismael und einer Raute Baumann-Ernst-Lisztes-Micoud spielten wir genauso nach vorne, waren ebenso weit aufgerückt, hatten ebenso viele Leute bei Ecken mit vorne wie heute. TS brauchte genau eine Saison (02/03) um das auszutarieren, zu optimieren, während der er schon in der Hinrunde teils guten Fußball servierte. Auffällig, dass er dieses auch schon 99/00 spielen ließ, nur fehlten seinerzeit noch Leute mit der Spielintelligenz wie Ernst, Lisztes, Micoud. Ein Andreas Herzog war nie ein Spielmacher, sondern ein hängender Linksaußen, der jedoch aufgrund seiner fußballerischen Klasse spielerische Elemente einbringen konnte. Dies hatte schon Otto erkannt und ließ ihn deshalb genau das spielen.
Was zwischen 2002 und 2006 bei Werder anders war als heute: Es ging damals alles flinker, geradliniger und konsequenter - sowohl bei Ballbesitz, aber auch nach Ballverlust bis hin zur erneuten Balleroberung. Mit vier One-Touch-Fußballern in der Raute konnte der Ball mit höherer Pro-Kopf-Anzahl in der Summe der Ball-Kontakte zirkulieren, dafür aber mit niedrigerer Sekundenzahl des Ballbesitzes pro Spieler. Außerdem wurde dem Kontrahenten damals erheblich weniger Zeit gewährt, das Spiel zu seinen Gunsten zu organisieren, da er auch bei eigenem Ballbesitz permanent unter Druck gesetzt wurde. Und Konter wurden so schon im Entstehungsprozess verhindert, nicht erst vom als letztem postierten IV oder gar erst von Wiese.
Diese Möglichkeiten haben wir mit dem Spielermaterial schon seit 2006, im Grunde genommen seit 2005 nicht mehr. Aber wir hatten und haben aufgrund der höheren finanziellen Mittel und der Tatsache, dass TS immer wieder viel aus Talenten rausholt, danach stets mehr Fussballer von individueller Klasse als noch 2003/2004, dafür weniger taktisch-strategisch denkende Spieler. Dies wiederrum hätte sowohl einem anderen System als auch einer anderen Philosophie bedurft. Wir haben in meinen Augen seit 2006 ein zweikampfstärkeres und besser antizipierendes IV-Duo als jemals zuvor, dafür aber eines, welches in der Spieleröffnung mäßig begabt ist. Wir haben seither grössere individuelle Klasse im Mittelfeld als noch 2004, dafür aber kaum Stärken in der Balleroberung und noch weniger in der Spielbeschleunigung/-verlagerung.
Werder spielt allerdings mitnichten "bedingungslos" nach vorn. Auch wenn das in diesem Forum anders diskutiert wird hat Werder eine taktische Varianz. Das Spiel ist grundsätzlich darauf ausgelegt viele Torchancen zu kreieren. Daneben ist es darauf ausgelegt möglichst schnell ans Tor des Gegners zu kommen und dort zum Abschluß zu kommen.
Das grosse Problem ist doch, dass diese Spielweise zwar bezweckt, reichlich Torchancen zu kreiieren, Werder das aber kaum so umsetzen kann. Das Gros unserer Tormöglichkeiten beziehen wir in der Entstehung aus Einzelaktionen, groben Böcken der Deckung des Gegners oder Standards, jedoch nicht aus Kombinationsfussball und schnellem, geradlinigem Spiel.
Das Spiel sollte - so meine Auffassung - so gestaltet werden, daß man seine Stärken einbringt und sich nicht an den Gegner anpasst.
Wenn die Spieler dafür da sind! Hierfür...
Auch auf die Gefahr hin, daß man dann mal eine Niederlage oder das ein oder andere tor zuviel kassiert. Und Schalke spielt seine Stärken zum Teil gnadenlos aus: Es beraubt den Gegner um den Spielaufbau, da die Stürmer auf die "sechs" gehen und so die Innenverteidiger der anderen Mannschaft zwingen dies zu übernehmen. sie stellen die nächstgelegenen Anspielstationen zu - auch da müssen die Sürmer mitarbeiten.
Der eigene Spielaufbau ist gandenlos einfach: Ball zum nächstgelegenen Mann oder lange Kirsche auf den Flügel - bei solchem Spiel geht man davon aus, daß wenn es zum Ballverlust kommt, dieser realtiv ungefährlichist. Der Spieler im Spielaufbau hat seinen Verteideger noch hinter sich der Flügelstürmer verliert den Ball an der Seite, von dort geht er ins aus oder er muß vom Kombattanden in die "Schaltzentrale" erst transportiert werden - was Spielaufbau bedingt, der vom anchgerückten Schaker Mittelfeld versucht wird zu unterbinden.
Man geht davon aus, dem gegnerischen Team den Ballbesitz zu lassen - ihn allerdings an horizontalem Spielaufbau zu stören um in Bllbesitz zu kommen.
Das ist schon ein Spiel daß von eigener Stärke ausgeht.
....würde unseres exakt passen!
Denn gerade Werder hat, wie ich oben schrieb, genau Stärken und vor allem Schwächen, die ganz und gar nicht zu Schaaf`s ball- und wenig gegnerorientiertem Konzept passen. Probleme in der Spieleröffnung und Balleroberung sowie wegen mangelnder Spielintelligenz darin, ein Spiel breit zu machen. Dafür sowohl starkes Zweikampfverhalten in der engeren Abwehr, als auch individuelle Klasse im Eins-gegen-Eins vorne ist eigentlich das klassische Spielermaterial für Konterfussball und eine nach dem Gegner ausgerichteter Spielweise, aber nicht dafür, ein Spiel gestalten zu können.
Da also der Fussball, der zu den Leuten passt, mit Schaaf nicht realisierbar und der, den Schaaf sehen will, kaum umsetzbar ist, punktet Werder - meiner Ansicht nach - seit vier Jahren unter den eigenen Möglichkeiten. Schaaf steht damit sicher nicht alleine, die meisten Trainer haben ihr klares Konzept, was sich immer mal überholt und letztlich der Grund ist, warum fast alle Trainer nach spätestens fünf Jahren den Standort ihres Tun`s wechseln. Auch Otto`s Fussball hatte sich seinerzeit überlebt, mit dem entscheidenden Unterschied, dass Rehhagel`s Fussball einfacher und daher für Spieler einfacher umsetzbar war sowie die Spielerfluktuation noch nicht so gross war.
Ich bin überzeugt davon, dass Werder mit dem Schalker Spiel aufgrund der besseren fussballerischen Mittel für eben diese Spielweise nicht nur wesentlich erfolgreicher wäre, sondern dieses auch erheblich attraktiver vortragen würde.
Nach der Balloberung spielt Schalke - wenn sie nach vorn spielen - ähnlich wie Bremen: Schnell ans gegnerische Tor kommen um schnell den Abschluß zu suchen.
Sehe ich nicht so. Das klappt bei uns nur, wenn der Gegner, bevorzugt auswärts, ein wenig mitspielt. Ansonsten ist die Regel, dass wir eben nicht schnell genug ans gegnerische Tor kommen. Weil meist die Spielführung falsch ist.
Wenn sie sich nach dem Gegner richten, dann: dessen Schwächen auszugucken.
Eine wichtige Komponente im modernen Fussball und leider eine, die TS offenbar viel zu oft ausblendet.