Mir kommt das hier langsam vor wie das Aneinandervorbeireden zweier Fraktionen.
Das eine ist die Realo-Fraktion, die Werders wirtschaftliche Möglichkeiten im Blick hat, Werders Geschichte im Bewusstsein und eine Philosophie dahinter erkennt, auf hanseatisch-vernünftigem Weg eine Mannschaft zusammenzubauen, die für Werders Verhältnisse mit Mannschaften mithalten kann, die ungleich bessere Voraussetzungen haben: Stuttgart, HSV, Hoffenheim, Wolfsburg, Schalke, Dortmund (wenn man deren Investitionsvolumen, Infrastruktur und Stadien über die letzten zehn, 15 Jahre berücksichtigt).
Diese Fraktion unterstützt innerlich Werders Weg, Spieler zu entwickeln, sei es durch eigene Nachwuchsarbeit, durch den (manchmal auch kostspielig scheinenden) Einkauf von Spielern wie Marin, Özil oder zuvor Mertesacker in jungen Jahren. Und durch das langfristige Binden eines gewachsenen Stamms: Hunt verlängert, Özil soll verlängern, Mertesacker und Naldo sind ebenso lange gebunden wie nun auch Pizarro, Wiese soll auf Sicht eine feste Größe sein und bleiben, Frings ist eine Gallionsfigur, und davon abgesehen formt man junge Spieler und muss Schwachstellen nur punktuell stopfen, statt wie manche Mannschaften im Stil eines Durchlauferhitzers alle drei jahre eine komplett neue Stammelf zu haben.
Und dann gibt es die Fundi-Fraktion, die in Werder einen Verein sieht, der nach Erreichen der CL 2004 nun endlich teure Brasilianer kaufen, an Spielern wie Anelka rumbaggern, von Nilmar träumen und um Huntelaar mitbieten könnte. Darin erkennbar ist ein gewisser Stareinkauf-Hunger, der hier oft die Realität zu überstrahlen scheint. Weitere Kennzeichen sind: Verklärung ausländischer Namen, Verklärung der eigenen Vergangenheit, teilweise Diskreditierung eigener Spieler, weil man lieber Saison für Saison teures neues Fleisch möchte, statt mit Geduld darauf zu warten, dass ein Aaron Hunt sein Potenzial ausschöpft, ein verdienter Spieler wie Frings gebührend bewertet wird oder ein Fritz aus seinem Leistungsloch findet.
Weiter typisch ist dafür der ständig wiederkehrende, vorwurfsvolle Hinweis, wo denn eigentlich das ganze Geld geblieben sei. Oder warum bloß manche Spieler zu Wolfsburg oder Hoffenheim gehen, wo wir doch sicher locker hätten mehr zahlen können. Ergo wollen viele hier, dass Werder den Trend hin zum Söldner mitgeht, der hier spielt, weil wir einen anderen Verein mit Kohle ausgestochen haben. Dass Werder das a) nicht kann und b) oft nicht mitmacht, wird dann mit Wutgeheul begleitet. So wie vor einem Jahr, als Werder im Wettbieten um Moreno die Phantasiesummen nicht mehr zahlen wollte, die Donezk aufgerufen hat.
Neuester Trend (und auch auf das eben beschriebene Symptom zurückzuführen) ist die Forderung, den Kader zu verkleinern. Daraus spricht die schleichende Ahnung, Werder müsse vielllicht doch ein winziges bißchen aufs Geld schauen. Konsequenz ist, analog zu dem, was ich eben über den mangelnden Respekt vor eigenen Spielern geschrieben habe: Es wird so getan, als bräuchte man eigentlich nur fertige Spieler, als seien Leihgeschäfte wie bei Mosquera, Schindler oder vorher mal Zidan und Andreasen per sé völliger Blödsinn, als seien Spieler wie Vranjes und Prödl unnötig und als sei es Schwachsinn, Spieler wie Futacs oder Husejinovic zu verpflichten, die Werder "nicht sofort weiterhelfen".
Beide Fraktionen werden niemals zu einer Verständigung kommen. Ich will auch nicht pauschal schreiben, dass die eine Unrecht hat udn die andere Recht. Aber auffällig ist schon, dass die Realo-Fraktion sich weitaus mehr auf Fakten stützen kann als die Forderer, die sicher sind, dass wir viel mehr Geld ausgeben könnten, auch mit viel weniger Spielern klar kämen, dass man vorher schon weiß welcher Spieler es nicht bringt oder welcher bestimmt anderswo zur Vollgranate wird und dass man sicher ist, man hätte jede einzelnde personelle Änderung eher, schlauer oder besser hinbekommen. Kritik an derlei Populismus wird dann sofort mit mangelnder Kritikfähigkeit der Realismus-Fraktion gekontert: "Jaja, seht nur alles weiter durch eure rosarote Brille!"
Zur Kadergröße erlaubt mir folgenden abschließenden Hinweis: Es ist mir ehrlich gesagt unklar, wie man davon ausgehen kann, dass ein Kader von 20 Spielern völlig ausreichend sei, wenn wir bis jetzt alleine in der Liga schon 26 Spieler eingesetzt haben.
Das eine ist die Realo-Fraktion, die Werders wirtschaftliche Möglichkeiten im Blick hat, Werders Geschichte im Bewusstsein und eine Philosophie dahinter erkennt, auf hanseatisch-vernünftigem Weg eine Mannschaft zusammenzubauen, die für Werders Verhältnisse mit Mannschaften mithalten kann, die ungleich bessere Voraussetzungen haben: Stuttgart, HSV, Hoffenheim, Wolfsburg, Schalke, Dortmund (wenn man deren Investitionsvolumen, Infrastruktur und Stadien über die letzten zehn, 15 Jahre berücksichtigt).
Diese Fraktion unterstützt innerlich Werders Weg, Spieler zu entwickeln, sei es durch eigene Nachwuchsarbeit, durch den (manchmal auch kostspielig scheinenden) Einkauf von Spielern wie Marin, Özil oder zuvor Mertesacker in jungen Jahren. Und durch das langfristige Binden eines gewachsenen Stamms: Hunt verlängert, Özil soll verlängern, Mertesacker und Naldo sind ebenso lange gebunden wie nun auch Pizarro, Wiese soll auf Sicht eine feste Größe sein und bleiben, Frings ist eine Gallionsfigur, und davon abgesehen formt man junge Spieler und muss Schwachstellen nur punktuell stopfen, statt wie manche Mannschaften im Stil eines Durchlauferhitzers alle drei jahre eine komplett neue Stammelf zu haben.
Und dann gibt es die Fundi-Fraktion, die in Werder einen Verein sieht, der nach Erreichen der CL 2004 nun endlich teure Brasilianer kaufen, an Spielern wie Anelka rumbaggern, von Nilmar träumen und um Huntelaar mitbieten könnte. Darin erkennbar ist ein gewisser Stareinkauf-Hunger, der hier oft die Realität zu überstrahlen scheint. Weitere Kennzeichen sind: Verklärung ausländischer Namen, Verklärung der eigenen Vergangenheit, teilweise Diskreditierung eigener Spieler, weil man lieber Saison für Saison teures neues Fleisch möchte, statt mit Geduld darauf zu warten, dass ein Aaron Hunt sein Potenzial ausschöpft, ein verdienter Spieler wie Frings gebührend bewertet wird oder ein Fritz aus seinem Leistungsloch findet.
Weiter typisch ist dafür der ständig wiederkehrende, vorwurfsvolle Hinweis, wo denn eigentlich das ganze Geld geblieben sei. Oder warum bloß manche Spieler zu Wolfsburg oder Hoffenheim gehen, wo wir doch sicher locker hätten mehr zahlen können. Ergo wollen viele hier, dass Werder den Trend hin zum Söldner mitgeht, der hier spielt, weil wir einen anderen Verein mit Kohle ausgestochen haben. Dass Werder das a) nicht kann und b) oft nicht mitmacht, wird dann mit Wutgeheul begleitet. So wie vor einem Jahr, als Werder im Wettbieten um Moreno die Phantasiesummen nicht mehr zahlen wollte, die Donezk aufgerufen hat.
Neuester Trend (und auch auf das eben beschriebene Symptom zurückzuführen) ist die Forderung, den Kader zu verkleinern. Daraus spricht die schleichende Ahnung, Werder müsse vielllicht doch ein winziges bißchen aufs Geld schauen. Konsequenz ist, analog zu dem, was ich eben über den mangelnden Respekt vor eigenen Spielern geschrieben habe: Es wird so getan, als bräuchte man eigentlich nur fertige Spieler, als seien Leihgeschäfte wie bei Mosquera, Schindler oder vorher mal Zidan und Andreasen per sé völliger Blödsinn, als seien Spieler wie Vranjes und Prödl unnötig und als sei es Schwachsinn, Spieler wie Futacs oder Husejinovic zu verpflichten, die Werder "nicht sofort weiterhelfen".
Beide Fraktionen werden niemals zu einer Verständigung kommen. Ich will auch nicht pauschal schreiben, dass die eine Unrecht hat udn die andere Recht. Aber auffällig ist schon, dass die Realo-Fraktion sich weitaus mehr auf Fakten stützen kann als die Forderer, die sicher sind, dass wir viel mehr Geld ausgeben könnten, auch mit viel weniger Spielern klar kämen, dass man vorher schon weiß welcher Spieler es nicht bringt oder welcher bestimmt anderswo zur Vollgranate wird und dass man sicher ist, man hätte jede einzelnde personelle Änderung eher, schlauer oder besser hinbekommen. Kritik an derlei Populismus wird dann sofort mit mangelnder Kritikfähigkeit der Realismus-Fraktion gekontert: "Jaja, seht nur alles weiter durch eure rosarote Brille!"
Zur Kadergröße erlaubt mir folgenden abschließenden Hinweis: Es ist mir ehrlich gesagt unklar, wie man davon ausgehen kann, dass ein Kader von 20 Spielern völlig ausreichend sei, wenn wir bis jetzt alleine in der Liga schon 26 Spieler eingesetzt haben.

lol
