Was da heute gut geklappt haben soll, das möchte ich gerne nochmal von ihm hören.
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Mit mehr Können vor dem Tor hätte Köln uns heute 2:0 nach Hause geschickt. Das ist wohl der Grund, warum die unten drin stehen. Nicht wir haben uns einen Punkt "erkämpft", Novakovic und der andere Typ haben ihn uns geschenkt.
Man bin ich sauer. Mal sehen, wie ich das morgen früh sehe nach ner Nacht drüber schlafen, aber das musste mal raus.

Mit diesen Sätzen sprichst Du mir heute mal so was von aus der Seele, lieber StoneCold.
Letztendlich war das gestern eine deutliche Bestätigung des Trends der letzten Wochen.
Wie bespielen wir denn einen Gegner mit solch destruktiver Grundausrichtung wie Köln gestern? Deren einziges Ziel es war, zu zerstören, extrem eng zu stehen, um nach Balleroberung Platz zu schaffen zum Ausschwärmen.
Es wirkt nicht überraschend, dass ein ehemaliger Bundesliga-Defensivstratege wie Soldo diese Marschroute entwirft - und erfolgreich umsetzt. Es bleibt aber fragwürdig, warum Werder dann auf dem Platz nicht ebenso handelt, was zum Geier spricht dagegen, die
Geduld aufzubringen, des Gegners Spiel anzunehmen und zu versuchen, ihn mit den eigenen Waffen zu schlagen?
Stattdessen tun wir Köln den Gefallen, agieren mit gefühlten 80% Ballbesitz, versuchen weder, den Ball mit geschicktem und variablen Passen laufen zu lassen, noch, den Gegner dahinten raus zu locken, indem wir selbst das ein oder andere Mal den Ball hinten quer hin und her schieben, um mit dieser getäuschten Passivität den Kontrahenten zu verunsichern. Die Kölner Zuschauer wären schon irgendwann unruhig geworden und dann hätte ich mal sehen wollen, ob der F Zäh diese Linie beibehalten hätte. Gleichzeitig gewinnst Du so Zeit, um den Gegner auszuloten, die Schwachstellen gezielt zu suchen. Um dann ab und an ein paar Nadelstiche - dosiert! - setzen zu können. Es geht auch darum, Fehler systematisch zu provozieren, es geht darum, dem Gegner die Konzentration zu nehmen. Wenn aber, so wie Werder es tat, Köln so oft in eigener Hälfte beschäftigt wird, konnte der FC immer wieder gegen den Ball zustellen, verschieben und auf diese Weise ständig die Konzentration hochhalten. So gibt man unnötigerweise dem Kontrahenten die Möglichkeit, Routine innerhalb des Spielverlaufs zu entwickeln, statt ihn zu verunsichern und zu überraschen. Hast Du dann noch einen Stürmer wie Hugo vorne drin, der fussballerisch alleine wenig zusetzen kann und eben in höchstem Masse auf das Team hinter ihm angewiesen ist, so ist der auf verlorenem Posten. Nur ist das nicht die Schuld von Hugo.
Eine weitere Möglichkeit der Konzentration nehmen ist freilich die psychologische Kriegsführung, genau das, was Köln schließlich angewandt hat. Fouls, Spielertrauben, gezieltes Provozieren mit dem (Erfolgs-)Ergebnis, dass Werder immer weniger Mittel fand und die Ideen stetig schwanden. Logisch so bringst Du ein spielerisch überlegenes Team aus dem Konzept. Andererseits was spricht dagegen, dass das spielerisch überlegene Team sich auf die selbe Weise wehrt?
Desweiteren ist das unverdrossene Anrennen für mich kein Zeichen von Initiative oder Spielkontrolle, sondern einzig von Planlosigkeit. Das ist nur so, weil uns ob des eigenen fehlenden Konzepts nichts anderes übrig bleibt, als auf die Betontaktik des Gegners zu reagieren. Und das stupide.
Geradlinigkeit beim Konter- Fehlanzeige! Nur einmal gelang es uns, richtig auf dem Platz zu agieren bei der nachfolgend offensichtlichen Notbremse gegen Marin. Gegner im Angriff, richtig erkannt, Pass in die Schnittstellen. Weil es aber gegen solche Teams diese Situationen selten gibt, müssen sie eben häufiger erkannt werden und gelingt das nicht, eben wie oben genannt, häufiger provoziert werden.
Beides machen wir aber nicht, der Gegner lacht sich ins Fäustchen und hält uns mit biedersten Mitteln in Schach. Werder zieht ein Spiel auf, welches wirkt wie die Griechen vor Troja, wo von vornherein klar ist, dass die Mauer unüberwindbar ist. Das trojanische Pferd erfinden wir nicht und scheitern mit ziemlicher Vorhersehbarkeit.
Dazu kommt dann das mittlerweile zurückgekehrte, üblich dilettantische Verhalten Werder` s im Raum, welches sich allein zeigte bei der Novakovic-Chance kurz nach der Halbzeit. Unbedrängter Fehlpass Boro (was waren das denn für einstudierte Laufwege? ), dann zwar noch genügend Leute hinter dem Ball, aber fast alle im halblinken Raum, ein einziger Steilpass, das komplette grün-weisse Team steht falsch zum Ball. Raumaufteilung furchtbar und schülerhaft! Oft hatte ich den Eindruck, dass Köln jederzeit in der Lage gewesen wäre, Tore zu schießen, wenn sie denn nur Willens dazu gewesen wären. Und das nicht wegen der tagesform Einzelner, sondern wegen gravierender taktischer Schwächen.
Ich kann einfach nicht verstehen, wie eine Mannschaft innerhalb von 5-6 Wochen einen derartigen Wandel vollziehen konnte vom taktisch clever agierenden Kollektiv hin zu altbekannter, stümperhafter Manier. Individuell ist Werder zweifelsohne Bundesligaspitze schließlich laufen wir oft mit 11 National- oder U21 Nationalspielern auf, taktisch sind wir allerdings zur Zeit wieder weit davon entfernt.
Sorry, aber so ein Spiel mit Schalke und Stellingen vor Augen muss man gewinnen, gerade wenn der Rest der Liga mal wieder für die Bazn spielt. Wie man so wie heute in Köln auftreten kann - sorry, das ist für mich die pure Arroganz. Nicht vom Trainer, aber von der Mannschaft.
Naja, ganz ausgrenzen würde ich den Trainer nicht, aber vor allem würde ich das Umfeld einbeziehen. Erinnerst Du dich noch an die extrinsische-Druck-Debatten? Da ist was dran
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