Quelle:
http://derstandard.at/
derStandard.at-Interview
"Bremen groß, Austria klein wäre zu einfach"
05. November 2009, 07:01
Clemens Fritz: "Wir werden die Austria sehr ernst nehmen"
In Wien gaben Fritz und seine Bremer eine 2:0-Führung aus der Hand. Austrias Schumacher jubelt, Fritz nicht.
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Werder-Verteidiger Clemens Fritz attestiert der Austria deutsche Bundesliga-Tauglichkeit und will die Wiener "sehr ernst nehmen"
derStandard.at: Herr Fritz, die Wiener Austria spielt in Bremen um ihre letzte Chance die Europa League-Gruppenphase zu überstehen, was erwartet sie an der Weser?
Fritz: Die Austria wird nicht auf Teufel kommt raus stürmen, dass sie gefährlich sind, haben sie in Wien bewiesen. Wir sind gewarnt.
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derStandard.at: Wie werdet Ihr in das Heimspiel gegen einen vermeintlichen Außenseiter gehen?
Fritz: Wir werden versuchen dem Spiel unseren Stempel aufzudrücken, offensiv und attraktiv zu spielen. Aber wir Denken nicht nur offensiv, stehen hinten besser als noch in der letzten Saison und schalten schneller um.
derStandard.at: Wie nimmt man einen österreichischen Gegner im Fußball ernst?
Fritz: Wir müssen die Austria sehr ernst nehmen. In Wien haben wir nach der Führung nachgelassen, waren im Kopf schon beim nächsten Spiel und haben unsere Souveränität verloren. Man hat gesehen, wie schnell eine Partie kippen kann, wenn die Konzentration nicht mehr zu 100 Prozent da ist.
derStandard.at: Was wäre in Bremen los, wenn die "Ösis" euch vom Platz schießen?
Fritz: Darüber mach ich mir keine Gedanken. Wir wollen drei Punkte und den Aufstieg klar machen. Schlagzeilen in Zeitungen interessieren mich nicht.
derStandard.at: Was unterscheidet die Austria von Werder?
Fritz: Zu sagen, wir sind die Großen und Austria die Kleinen wäre zu einfach. Die Austria zählt neben Rapid und Salzburg zu den besten österreichischen Mannschaften. Dass sie guten Fußball spielen können, haben sie in Wien bewiesen.
derStandard.at: Könnte die Austria in der deutschen Bundesliga mitspielen?
Fritz: Die Austria ist sicher Bundesliga-tauglich. Sie würden zwar nicht um die Meisterschaft mitspielen, aber durchaus bestehen können.
derStandard.at: Haben deutsch-österreichische Duelle für Sie einen besonderen Reiz?
Fritz: Nein, für mich ist das kein besonderes Spiel.
derStandard.at: Sie waren von der Atmosphäre im Nou Camp-Stadion (Barcelona) enttäuscht und haben gemeint, "90. 000 Fans, die wie ein Theaterpublikum unterhalten werden wollen". Wie hat ihnen die Stimmung in Wien gefallen?
Fritz: Die Stimmung in Wien war toll. Die Austria-Fans waren sicher auch ein Mitgrund, dass den Wienern noch der Ausgleich gelungen ist. In Bremen erwartet sie eine super Atmosphäre.
derStandard.at: Warum ist Werder Bremen in Deutschland bloß so beliebt?
Fritz: Wir stehen für gute Arbeit. Werder Bremen ist ein bodenständiger Verein, der keine großen Töne spuckt.
derStandard.at: Sebastian Prödl ist seit 2008 bei Werder Bremen. Was ist ihnen an dem Österreicher aufgefallen?
Fritz: Sebastian hat sich gut in die Mannschaft integriert. Er ist kein scheuer Typ. Ein harter Innenverteidiger, der für jeden Stürmer unangenehm sein kann. Die Konkurrenz bei Werder ist mit Naldo und Mertesacker extrem groß, aber wenn Sebastian wieder fit ist, kann er sich durchaus zurück in die Mannschaft kämpfen.
derStandard.at: Sie sind in der DDR aufgewachsen, haben dort Fußballspielen gelernt. Unterscheidet sie das von ihren Kollegen?
Fritz: Nein. Ich war acht Jahre als die Mauer fiel, da hab ich nicht so viel mitbekommen. Im Grunde ist es immer eine Frage der Erziehung. Es kommt auf das Elternhaus an, egal in welchem Land das steht.
derStandard.at: Waren Fußballprofis im Arbeiter- und Bauern-Staat "gleicher" als andere DDR-Bürger?
Fritz: Fußballer hatten in der DDR schon Vorteile. Wenn man zum Beispiel eine Wohnung gesucht hat, musste man verheiratet sein, da hatten es Fußballprofis leichter.
derStandard.at: Sie haben gesagt: "Ich bin keiner der sich zutätowieren lässt", geht das unter Werder-Kapitän Frings überhaupt?
Fritz: Ich habe nichts gegen Tattoos. Zu schnell treffe ich aber keine Entscheidungen, die lebenslang bestehen bleiben. (Simon Hirt aus Bremen, derStandard.at, 5. 11. 2009)