Weil du/ihr einfach keine Meinung von den Ultras hören wollt und wenn dann bleibt es bei Vorurteilen wie Kinder und alle tragen schwarz.
Und das meine ich mit Scheuklappen. Ich glaube ihr vertauscht auch viele Ultras mit einfachen Prolls die wirklich nur schwarz tragen und cool sein wollen.
Und ja das habe ich auch geschrieben, es gibt auch Ultras die mit Scheuklappen rumlaufen z. B. die Parole A.C.A.B
das ist vollkommener Schwachsinn wie ich schon geschrieben habe.
Reicht das als Antwort?
1.) Magst Du mir Deine RL-Identität auch verraten? Das wäre nur fair, oder?
2.) Lies Dir diesen Thread durch. Du wirst mehrheitlich feststellen, dass es in sehr viel größerem Maße andersrum ist: Kritik an den Ultras wird
begründet, meistens sogar sachlich. Sie wird in aller Regel gekontert mit Zweizeilern, in denen es darum geht, dass Kritik an den Ultras eigentlich imemr mit Ahnungslosigkeit zu tun hat und/oder von Leuten kommt, die im Stadion nichts zu suchen haben.
Es hat sehr viel mit diesen Verhaltensmustern zu tun, dass man (zumindest in Foren) sehr häufig den Eindruck bekommt, es mit Kindern zu tun zu haben.
Vielleicht wird ja andersrum ein Schuh draus: Vielleicht ist es ein Problem, dass "seriöse Ultras", die ich absolut respektiere, sich in meinen Augen zuwenig von den "Kinder-Prolls in schwarz" distanzieren? Vielleicht ist es deswegen für Außenstehende geradezu unmöglich, da Unterschiede zu machen?
Ich verrate Dir jetzt mal was: Ich habe seit vielen Jahren den Wunsch und den Vorsatz, ein gutes Verhältnis zur Kurve zu haben. Das Problem dabei ist, dass man immer den ganzen Idiotenkram mitnehmen muss, wenn man sich näher mit der Thematik befassen muss. Ich habe zu ES97-Zeiten diverse Treffen mit Ultras gehabt, in denen es um gemeinsame Wünsche, Pläne, Vorhaben ging. Die Gespräche waren immer nett und schienen mir auch konstruktiv. Dieses Gefühl hielt aber immer nur ein paar Wochen an. Dann haben sich diese Leute nicht an Absprachen gehalten oder intern herumgeprahlt, sie hätten mich "um den Finger gewickelt". Darauf hatte ich nach mehreren solcher Erlebnisse aus nachvollziehbaren Gründen keine Lust mehr.
Das alles ist schon lange her, aber seitdem ist das Verhalten der handelnden Personen aus den Reihen der "aktiven Fans" in meinen Augen zu wenig verlässlich und verantwortungsbewusst gewesen, um sich noch einmal anzunähern, obwohl ich mir das wünschen würde. Versteh' es nicht als pauschalen Vorwurf sondern als eine immer wieder gemachte Erfahrung: Mit der alten Eastside konnte man wirklich auf einer erwachseneren Ebene miteinander kommunizieren, als es jetzt der Fall ist. Und auch wenn es bei den meisten Fällen immer zwei Seiten gibt, so liegt dieses konkrete Manko hier ausschließlich bei den Fans im Block.
Zum Thema "Scheuklappen" kann man geteilter Meinung sein.
Ich bin zum Beispiel grundsätzlich auch gegen übertriebene Kommerzialisierung, weiß aber gleichzeitig sehr gut, dass wir hier von Profifussball im Jahr 2009 reden und deshalb keine Ideale aus der Landesliga oder aus den sechziger Jahren anlegen können.
Ich bin froh, dass unser Stadion seinen Namen noch hat, dass wir keine Werbung auf dem Hosenboden tragen müssen, dass unsere Liga (noch) "Bundesliga" heißt und dass unser Verein trotz aller Veränderungen und trotz aller Begleiterscheinungen ein hanseatisch geführter Verein ist, auf den man als Bremer stolz sein kann. Ich kaufe mir trotzdem auch offizielle Fanartikel (inoffizielle übrigens auch). Ich finde es aber unehrlich und verlogen, Werder einerseits als Mannschaft unterstützen zu wollen und gleichzeitig so zu tun, als könne man ein wichtiges Zeichen gegen Kommerz setzen, indem man nichts von Nike kauft oder trägt. Zumal es sehr offensichtlich einen gar nicht mal so kleinen Teil Ultras gibt, der so argumentiert und merkwürdigerweise ohne jedes Problem teure Klamotten einer von Ultras häufig getragenen Marke zur Schau trägt. Ich bin gegen übersteigerten Kommerz, aber für eine Kritik mit Augenmaß und Realitätsbewusstsein. Und ich glaube, die brutal vereinfachte Weltsicht vieler Ultras hat sehr viel mehr mit Scheuklappen zu tun.
Ich kann endlos weiterschreiben: Ich bin auch extrem gegen Polzeiwillkür. Ich halte es aber für falsch, Polizisten und Ordner grundsätzlich wie ein Feindbild zu behandeln und nach außen hin so zu tun, als sei jeder Polizeieinsatz pauschal immer Willkür, dumm, unnötig und grundlos. Auf dieser Ebene brauche ich mit niemandem zu diskutieren. Auch in diesem Fall sehe ich die Scheuklappen eher auf Seiten der Verbohrten, die ihr Schwarz-Weiß-Denken für die Aufrechterhaltung ihrer Stadion-Philosophie brauchen und deshalb längst nicht mehr genauer hingucken, weshalb die Polizei sich genau so verhält, wie sie es tut. Ich bilde mir eine Meinung, indem ich beide Seiten beobachte und bewerte.
Das gleiche gilt für Stadionverbote. Ich verurteile grundlose oder leichtfertig ausgesprochene Stadionverbote genau wie Du. Ich finde es aber unehrlich und in der Außenwirkung verheerend, wenn aus Fankreisen so getan wird, als seien Stadionverbote in praktisch allen Fällen unsinnig und überzogen. Ich kann hier gerne zahlreiche Fälle offenlegen, in denen Stadionverbote aus völlig nachvollziehbaren Gründen ausgesprochen wurden, und ich kann mich an ziemlich viele Fälle bundesweit erinnern, in denen manche Leute förmlich drum gebettelt haben, indem sie die ewig selbe Spielregel demonstrativ weiter missachtet haben. Auch hier: Die Scheuklappen trage nicht ich. Ich sehe beide Seiten und differenziere.
Ich sehe auch gerne Kurvenshows. Aber im Gegensatz zu scheinbar nach wie vor der Mehrheit der Ultras (leider!) habe ich komischerweise vollstes Verständnis, dass innerhalb einer Kurve einvernehmlich entschieden wird, was man tun kann, ohne jemanden zu stören. Die Fans in der Ost wollen nicht, dass ihre Sicht durch Dinge eingeschränkt wird, mit denen sie nichts zu tun haben. Das gleiche Recht haben aber Fans in den Logen auch, und deshalb ist die Einschränkung bei der Genehmigung von Kurvenshows für mich kein verwerfliches "Choreo-Verbot", wie es ja lange Zeit demagogisch genannt wurde, sondern ein selbstverschuldetes Ärgernis, unter dem man jetzt zu leiden hat.
Als es damals den Riesenärger mit der Choreo und den Logen gab, hat es keinen noch so kleinen Versuch von Fanseite gegeben, z.B. durch Handzettel in den Logen anzukündigen, dass man eine Kurvenshow plant, die für einen begrenzten Zeitraum die Sicht in den Logen nehmen wird. Stattdessen wird einfach ratzfatz alles zugehängt und hinterher so getan, als hätten die in der Loge kein Recht, sich darüber zu beschweren. Doch, haben sie. Genauso wie ihr das Recht habt, dass die Logenbesucher nichts tun, was eure Sicht einschränkt (wenn sie könnten).
Und das war im Grunde ein Musterbeispiel für alles, was seither schief lief und läuft: Statt sich an die eigene Nase zu fassen und erwachsen damit umzugehen, dass man selbst durch ein Versäumnis zu dieser Situation geführt hat, wurde sofort brachial auf "Fronten verhärten" umgeschaltet, es wurde ein Klassenkampf-Szenario gezeichnet und um Solidarität gebettelt, weil Werder angeblich den Logenzuschauern mehr Rechte einräumt als den Ultras und vor ein paar Champagnerfuzzies eingeknickt sei. Naheliegend wäre eigentlich gewesen, wenn man sich anschließend konstruktiv mit der Situation befasst und Werder gegenüber einsichtig aufgetreten wäre, nach dem Motto:
"Wir sehen unsere Choreos als wichtigen Teil der Fankultur und Gewinn für die Atmosphäre im Weserstadion und möchten sie weiterhin ohne größere Einschränkungen durchziehen können. Wir sind dafür bereit, etwaige Sichtbehinderungen vorher anzukündigen und um Verständnis zu werben." Nichts wäre dann passiert. Alles hätte weitergehen können wie zuvor, und niemand hätte unter Einschränkungen zu leiden gehabt. Das wäre eine Verhaltensweise gewesen, mit der ich mich hätte identifizieren können. Und eine Gesprächsvorlage, an der ich dann gerne teilgenommen hätte.
Und um bei Deinem schönen Wort zu bleiben: Wo liegen denn nun die Scheuklappen? Bei meinem Versuch, alle Beteiligten zu sehen, oder bei dem eingefahrenen Unterfangen, eine verfahrene Wir-gegen-die-Nummer draus zu machen, die zu nichts führt?
Ach, und weil auch das wieder mal ein Thema hier war: Es ist mir im Grunde nicht wichtig, wer "LGW" mitsingt, wer es aus welchen Gründen nicht mitsingt und wer es warum nicht mag. Ich finde es höchst respektabel, wenn jemand sagt, der Song gefällt mir einfach nicht. Hätten wir ihn damals nicht mit Restalkohol nach dem Sieg in München getextet, wäre er sicher textlich auch besser geworden.
Was ich aber nicht ernst nehmen kann, sind irgendwelche ideologischen Begründungen, nach dem Motto: "LGW" steht für Kommerz und "Wo die Weser..." nicht!
Wir haben den Song damals für's Radio aufgenommen und nicht, um ihn zu verkaufen. Er ist von drei Werderfans gemacht (für eine sehr überschaubare Aufwandsentschädigung im lächerlichen Bereich), es gab ihn anfangs kostenlos zum Download bei Radio Bremen, und aus diesem Grund kannte ihn ganz Bremen, bevor auch nur eine CD davon verkauft wurde. Es war anfangs gar nicht geplant, ihn zu verkaufen. Weniger Kommerz geht nicht. Auf CD gab es ihn dann, weil es eine große Nachfrage danach gab. Werder hat gewünscht, dass er erscheint, und danach haben ihn so viele Leute gekauft, dass er neun Wochen in den Charts war. Damit ist er bis heute der erfolgreichste deutsche Vereinssong aller Zeiten, vor allen Bayern-Songs. Das war er aber nicht, weil wir das vorhatten, sondern weil er vielen Werder-Fans gefallen hat und bis heute gefällt. Es hat weitaus mehr mit Scheuklappen zu tun, diese Tatsache zu ignorieren oder mieszumachen. Aber vielleicht wird "Kommerz" ja manchmal auch missverstanden und gleichgesetzt mit Dingen, die der breiten Masse etwas bedeuten.
"Lebenslang grün-weiß" war davon mal ganz abgesehen in unserem ersten grün-weiß-orangenen Jahr ein demonstrativer Beitrag pro grün-weiß, und ich bin mir sicher, dass er für unsere Vereinsfarben mehr getan hat als alle "No!Orange"-Aufkleber auf irgendwelchen Ampeln zusammengenommen.
Als Kontrast dazu wird "Wo die Weser..." hochgehalten als "der wahre Werder-Song": Weshalb ein 1982 entstandener Song die Tradition es 1899 gegründeten Vereins darstellt, ist dabei nicht so ganz klar. Noch wirrer wird es aber, wenn man weiß, dass der Song 1982 von Willi Lemke angeregt wurde, um eine schnelle Mark zu machen, nachdem Werder als Aufsteiger gerade in der Bundesliga für Furore sorgte. Produziert wurde er, um damit Geld zu verdienen, von Leuten, die mit Werder nichts zu tun hatten und das ausschließlich für Geld getan haben. Das wiederum ist Kommerz, kommerzieller geht es nicht.
Das ebenfalls bei euch geachtete "In Bremen, da lässt sich's gut leben" ist übrigens für eine Werbeschallplatte der "Hamburger Morgenpost" aufgenommen worden. Auch dieser Song hat somit einen rein kommerziellen Hintergrund. Auch hier also die Gegenfrage: Wer beurteilt die Situation mit Scheuklappen? Ich?
Glaube ich nicht. Ich setze mich mit allem gerne auseinander, was mir wichtig ist. Die Stimmung im Weserstadion ist mir wichtig. Mein Verhältnis zu unseren Ultras ist viel undramatischer, als Du es darstellst. Ich habe keinerlei Vorbehalte gegen jeden Werder-Fan, der sich für unseren Lieblingsverein einsetzt, und mir ist klar, dass es dafür viele verschiedene Wege gibt. Kritik übe ich nicht an einer Bewegung oder einem Block oder an schwarzen Klamotten. Kritik übe ich begründet an verschiedenen Verhaltensweisen, die ich nicht mag und die uns alle nicht weiterbringen. Wenn es irgendwann mal möglich ist, sich auf vernünftige Weise miteinander zu verständigen, würde ich mich darüber sehr freuen.