Stimmung im Stadion

Brauchen wir ein neues speziell auf Werder zugeschnittenes Fankonzept?


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Also ich meine ganz im Ernst:Die Wahrscheinlichkeit, das das Weserstadion die Stimmungshochburg der Bundesliga wird, weil die Ultras aus dem Stadion verschwinden, ist quatsch. Und dessen ist sich auch jeder bewusst, der darüber n bisschen ernsthaft nachdenkt-egal ob Ultra oder nicht-Ultra.

Wenn jetzt im Umkehrschluß die Ultras meinen, sie würden damit, das sie mal bei einem Spiel gar nichts machen, beweisen, das ohne Sie nichts geht, oder gar die Tatsache, das sie für ein Spiel keine Karten bekommen für diesen Zweck ausschlachten, ist das nicht sonderlich clever...
 
Als erstes muss unsere Kurve viel mehr zusammen singen und nicht jeder sein Ding machen!

Aus der FZB kann man Texte sich holen und lernen wenn man sie nicht versteht in der Kurve.

Zb:


das video anmachen und dann den text nehemn; was würde das sich geil anhören wenn die Ostkurve das voll mitsingt
http://www.youtube.com/watch?v=KAZj4i03OcU

"Hier sind wir wieder,
singen uns're Lieder,
feuern alle Werder Bremen an,
oho!
Ein jeder weiß dann,
dass die Grün-Weißen,
heute einfach keiner stoppen kann!
Ohoho...
ohohohohohohohohohohohoho,
ohohohohohohohohohohohoho,
Werder!"

Warum setzen die eigentlich immer voraus, das man diese Lieder singen will...? Oder wollen sie es nicht kapieren...?
 
Warum setzen die eigentlich immer voraus, das man diese Lieder singen will...? Oder wollen sie es nicht kapieren...?

Also wenn du andere lieder singen willst dann schlag denen das doch vor.
Aber sie wollen das stimmung in die Kurve kommt aber neee die hälfte der kurve macht ein auf ach neee ich pöpel lieber und laber scheisse anstatt sich beim gesang anzuhängen um geile Stimmung zu machen!
 
Ich bin da ganz ehrlich: Ich habe keine Lust auf lange Lieder. Ein paar Zeilen kriege ich wohl noch hin, aber bei meinem Stadionbesuch beschränke ich mich, wie viele auch, auf die kurzen, "impulsiven" und einfachen Rufe.
 
Ich habe viele Fanszenen gesehn und war in vielen Stadien und darum kann ich sagen was den gesang angeht haben wir ne schwache Kurve. Das ärgert mich schon etwas denn Unsere Ultras sind Zugänglich und keinenfalls arrogant das man sich nicht zu ihnen trauen kann.
 
Also wenn du andere lieder singen willst dann schlag denen das doch vor.
Aber sie wollen das stimmung in die Kurve kommt aber neee die hälfte der kurve macht ein auf ach neee ich pöpel lieber und laber scheisse anstatt sich beim gesang anzuhängen um geile Stimmung zu machen!

Ich habe Hochachtung davor, das sie das wollen, ehrlich! Aber irgendwann müssten sie vielleicht einmal bemerken, das das auf deren Art und weise nicht klappt. Und wenn man dann noch n stück weiter geht und sich fragt WARUM das auf diese Art und weise nicht klappt, dann wären wir alle schon einen ganzen Schritt weiter.
Aber durch die Tatsache, das die Kollegen sich und ihre Art für total unfehlbar halten, und alle die nicht mitmachen als Deppen betrachten, drehen wir uns weiter im Kreis.
 
Zitat von [Sportfreund];669067:
Ich bin da ganz ehrlich: Ich habe keine Lust auf lange Lieder. Ein paar Zeilen kriege ich wohl noch hin, aber bei meinem Stadionbesuch beschränke ich mich, wie viele auch, auf die kurzen, "impulsiven" und einfachen Rufe.

Da spricht ja auch nichts gegen aber es gibt zuviele die mit absicht bei gesängen dazwischen schreien oder andere Lieder anstimmt um sich zu brüsten wie klassenclowns!

Das finde ich echt schlecht und ich würde solche am liebsten in die letzte ecke der ostkurve stecken:zweifeln:
 
Zitat von [Sportfreund];669067:
Ich bin da ganz ehrlich: Ich habe keine Lust auf lange Lieder. Ein paar Zeilen kriege ich wohl noch hin, aber bei meinem Stadionbesuch beschränke ich mich, wie viele auch, auf die kurzen, "impulsiven" und einfachen Rufe.

Das ist bei mir genau so. Und bei 95% des Stadions wahrscheinlich auch. Dieses Ideal der Südländischen extatisch ausrastenden Kurve gibt es nun mal in der Norddeutschen Tiefebene nicht...
 
Ich habe Hochachtung davor, das sie das wollen, ehrlich! Aber irgendwann müssten sie vielleicht einmal bemerken, das das auf deren Art und weise nicht klappt. Und wenn man dann noch n stück weiter geht und sich fragt WARUM das auf diese Art und weise nicht klappt, dann wären wir alle schon einen ganzen Schritt weiter.
Aber durch die Tatsache, das die Kollegen sich und ihre Art für total unfehlbar halten, und alle die nicht mitmachen als Deppen betrachten, drehen wir uns weiter im Kreis.

Nein sie sehen nicht alle als deppen die nicht mitmachen sondern die die als unruhestiffter zwischenrufer als deppen und wenn man sich denen wiedersetzt und trotdem mitsingt kann das ne richtig geile stimmung werden. Und dann werden auch die mitmachen denen das zu Doof ist und meinen och nöööö Ich bin cooler als die doofen Ultras.
 
Nein sie sehen nicht alle als deppen die nicht mitmachen sondern die die als unruhestiffter zwischenrufer als deppen und wenn man sich denen wiedersetzt und trotdem mitsingt kann das ne richtig geile stimmung werden. Und dann werden auch die mitmachen denen das zu Doof ist und meinen och nöööö Ich bin cooler als die doofen Ultras.

Natürlich...Bin gespannt ob jemals einer von den Knaben bemerkt, das die Ultras nur ein kleiner Teil des Stadions sind und nicht der Mittelpunkt um den sich alles dreht...
 
Also ich meine ganz im Ernst:Die Wahrscheinlichkeit, das das Weserstadion die Stimmungshochburg der Bundesliga wird, weil die Ultras aus dem Stadion verschwinden, ist quatsch. Und dessen ist sich auch jeder bewusst, der darüber n bisschen ernsthaft nachdenkt-egal ob Ultra oder nicht-Ultra.

Wenn jetzt im Umkehrschluß die Ultras meinen, sie würden damit, das sie mal bei einem Spiel gar nichts machen, beweisen, das ohne Sie nichts geht, oder gar die Tatsache, das sie für ein Spiel keine Karten bekommen für diesen Zweck ausschlachten, ist das nicht sonderlich clever...

Angst davor, dass die Stimmung noch schlechter wird?
 
Weil du/ihr einfach keine Meinung von den Ultras hören wollt und wenn dann bleibt es bei Vorurteilen wie Kinder und alle tragen schwarz.
Und das meine ich mit Scheuklappen. Ich glaube ihr vertauscht auch viele Ultras mit einfachen Prolls die wirklich nur schwarz tragen und cool sein wollen.
Und ja das habe ich auch geschrieben, es gibt auch Ultras die mit Scheuklappen rumlaufen z. B. die Parole A.C.A.B
das ist vollkommener Schwachsinn wie ich schon geschrieben habe.

Reicht das als Antwort?

1.) Magst Du mir Deine RL-Identität auch verraten? Das wäre nur fair, oder?

2.) Lies Dir diesen Thread durch. Du wirst mehrheitlich feststellen, dass es in sehr viel größerem Maße andersrum ist: Kritik an den Ultras wird begründet, meistens sogar sachlich. Sie wird in aller Regel gekontert mit Zweizeilern, in denen es darum geht, dass Kritik an den Ultras eigentlich imemr mit Ahnungslosigkeit zu tun hat und/oder von Leuten kommt, die im Stadion nichts zu suchen haben.

Es hat sehr viel mit diesen Verhaltensmustern zu tun, dass man (zumindest in Foren) sehr häufig den Eindruck bekommt, es mit Kindern zu tun zu haben.

Vielleicht wird ja andersrum ein Schuh draus: Vielleicht ist es ein Problem, dass "seriöse Ultras", die ich absolut respektiere, sich in meinen Augen zuwenig von den "Kinder-Prolls in schwarz" distanzieren? Vielleicht ist es deswegen für Außenstehende geradezu unmöglich, da Unterschiede zu machen?

Ich verrate Dir jetzt mal was: Ich habe seit vielen Jahren den Wunsch und den Vorsatz, ein gutes Verhältnis zur Kurve zu haben. Das Problem dabei ist, dass man immer den ganzen Idiotenkram mitnehmen muss, wenn man sich näher mit der Thematik befassen muss. Ich habe zu ES97-Zeiten diverse Treffen mit Ultras gehabt, in denen es um gemeinsame Wünsche, Pläne, Vorhaben ging. Die Gespräche waren immer nett und schienen mir auch konstruktiv. Dieses Gefühl hielt aber immer nur ein paar Wochen an. Dann haben sich diese Leute nicht an Absprachen gehalten oder intern herumgeprahlt, sie hätten mich "um den Finger gewickelt". Darauf hatte ich nach mehreren solcher Erlebnisse aus nachvollziehbaren Gründen keine Lust mehr.

Das alles ist schon lange her, aber seitdem ist das Verhalten der handelnden Personen aus den Reihen der "aktiven Fans" in meinen Augen zu wenig verlässlich und verantwortungsbewusst gewesen, um sich noch einmal anzunähern, obwohl ich mir das wünschen würde. Versteh' es nicht als pauschalen Vorwurf sondern als eine immer wieder gemachte Erfahrung: Mit der alten Eastside konnte man wirklich auf einer erwachseneren Ebene miteinander kommunizieren, als es jetzt der Fall ist. Und auch wenn es bei den meisten Fällen immer zwei Seiten gibt, so liegt dieses konkrete Manko hier ausschließlich bei den Fans im Block.

Zum Thema "Scheuklappen" kann man geteilter Meinung sein.

Ich bin zum Beispiel grundsätzlich auch gegen übertriebene Kommerzialisierung, weiß aber gleichzeitig sehr gut, dass wir hier von Profifussball im Jahr 2009 reden und deshalb keine Ideale aus der Landesliga oder aus den sechziger Jahren anlegen können.

Ich bin froh, dass unser Stadion seinen Namen noch hat, dass wir keine Werbung auf dem Hosenboden tragen müssen, dass unsere Liga (noch) "Bundesliga" heißt und dass unser Verein trotz aller Veränderungen und trotz aller Begleiterscheinungen ein hanseatisch geführter Verein ist, auf den man als Bremer stolz sein kann. Ich kaufe mir trotzdem auch offizielle Fanartikel (inoffizielle übrigens auch). Ich finde es aber unehrlich und verlogen, Werder einerseits als Mannschaft unterstützen zu wollen und gleichzeitig so zu tun, als könne man ein wichtiges Zeichen gegen Kommerz setzen, indem man nichts von Nike kauft oder trägt. Zumal es sehr offensichtlich einen gar nicht mal so kleinen Teil Ultras gibt, der so argumentiert und merkwürdigerweise ohne jedes Problem teure Klamotten einer von Ultras häufig getragenen Marke zur Schau trägt. Ich bin gegen übersteigerten Kommerz, aber für eine Kritik mit Augenmaß und Realitätsbewusstsein. Und ich glaube, die brutal vereinfachte Weltsicht vieler Ultras hat sehr viel mehr mit Scheuklappen zu tun.

Ich kann endlos weiterschreiben: Ich bin auch extrem gegen Polzeiwillkür. Ich halte es aber für falsch, Polizisten und Ordner grundsätzlich wie ein Feindbild zu behandeln und nach außen hin so zu tun, als sei jeder Polizeieinsatz pauschal immer Willkür, dumm, unnötig und grundlos. Auf dieser Ebene brauche ich mit niemandem zu diskutieren. Auch in diesem Fall sehe ich die Scheuklappen eher auf Seiten der Verbohrten, die ihr Schwarz-Weiß-Denken für die Aufrechterhaltung ihrer Stadion-Philosophie brauchen und deshalb längst nicht mehr genauer hingucken, weshalb die Polizei sich genau so verhält, wie sie es tut. Ich bilde mir eine Meinung, indem ich beide Seiten beobachte und bewerte.

Das gleiche gilt für Stadionverbote. Ich verurteile grundlose oder leichtfertig ausgesprochene Stadionverbote genau wie Du. Ich finde es aber unehrlich und in der Außenwirkung verheerend, wenn aus Fankreisen so getan wird, als seien Stadionverbote in praktisch allen Fällen unsinnig und überzogen. Ich kann hier gerne zahlreiche Fälle offenlegen, in denen Stadionverbote aus völlig nachvollziehbaren Gründen ausgesprochen wurden, und ich kann mich an ziemlich viele Fälle bundesweit erinnern, in denen manche Leute förmlich drum gebettelt haben, indem sie die ewig selbe Spielregel demonstrativ weiter missachtet haben. Auch hier: Die Scheuklappen trage nicht ich. Ich sehe beide Seiten und differenziere.

Ich sehe auch gerne Kurvenshows. Aber im Gegensatz zu scheinbar nach wie vor der Mehrheit der Ultras (leider!) habe ich komischerweise vollstes Verständnis, dass innerhalb einer Kurve einvernehmlich entschieden wird, was man tun kann, ohne jemanden zu stören. Die Fans in der Ost wollen nicht, dass ihre Sicht durch Dinge eingeschränkt wird, mit denen sie nichts zu tun haben. Das gleiche Recht haben aber Fans in den Logen auch, und deshalb ist die Einschränkung bei der Genehmigung von Kurvenshows für mich kein verwerfliches "Choreo-Verbot", wie es ja lange Zeit demagogisch genannt wurde, sondern ein selbstverschuldetes Ärgernis, unter dem man jetzt zu leiden hat.

Als es damals den Riesenärger mit der Choreo und den Logen gab, hat es keinen noch so kleinen Versuch von Fanseite gegeben, z.B. durch Handzettel in den Logen anzukündigen, dass man eine Kurvenshow plant, die für einen begrenzten Zeitraum die Sicht in den Logen nehmen wird. Stattdessen wird einfach ratzfatz alles zugehängt und hinterher so getan, als hätten die in der Loge kein Recht, sich darüber zu beschweren. Doch, haben sie. Genauso wie ihr das Recht habt, dass die Logenbesucher nichts tun, was eure Sicht einschränkt (wenn sie könnten).

Und das war im Grunde ein Musterbeispiel für alles, was seither schief lief und läuft: Statt sich an die eigene Nase zu fassen und erwachsen damit umzugehen, dass man selbst durch ein Versäumnis zu dieser Situation geführt hat, wurde sofort brachial auf "Fronten verhärten" umgeschaltet, es wurde ein Klassenkampf-Szenario gezeichnet und um Solidarität gebettelt, weil Werder angeblich den Logenzuschauern mehr Rechte einräumt als den Ultras und vor ein paar Champagnerfuzzies eingeknickt sei. Naheliegend wäre eigentlich gewesen, wenn man sich anschließend konstruktiv mit der Situation befasst und Werder gegenüber einsichtig aufgetreten wäre, nach dem Motto: "Wir sehen unsere Choreos als wichtigen Teil der Fankultur und Gewinn für die Atmosphäre im Weserstadion und möchten sie weiterhin ohne größere Einschränkungen durchziehen können. Wir sind dafür bereit, etwaige Sichtbehinderungen vorher anzukündigen und um Verständnis zu werben." Nichts wäre dann passiert. Alles hätte weitergehen können wie zuvor, und niemand hätte unter Einschränkungen zu leiden gehabt. Das wäre eine Verhaltensweise gewesen, mit der ich mich hätte identifizieren können. Und eine Gesprächsvorlage, an der ich dann gerne teilgenommen hätte.

Und um bei Deinem schönen Wort zu bleiben: Wo liegen denn nun die Scheuklappen? Bei meinem Versuch, alle Beteiligten zu sehen, oder bei dem eingefahrenen Unterfangen, eine verfahrene Wir-gegen-die-Nummer draus zu machen, die zu nichts führt?

Ach, und weil auch das wieder mal ein Thema hier war: Es ist mir im Grunde nicht wichtig, wer "LGW" mitsingt, wer es aus welchen Gründen nicht mitsingt und wer es warum nicht mag. Ich finde es höchst respektabel, wenn jemand sagt, der Song gefällt mir einfach nicht. Hätten wir ihn damals nicht mit Restalkohol nach dem Sieg in München getextet, wäre er sicher textlich auch besser geworden.

Was ich aber nicht ernst nehmen kann, sind irgendwelche ideologischen Begründungen, nach dem Motto: "LGW" steht für Kommerz und "Wo die Weser..." nicht!

Wir haben den Song damals für's Radio aufgenommen und nicht, um ihn zu verkaufen. Er ist von drei Werderfans gemacht (für eine sehr überschaubare Aufwandsentschädigung im lächerlichen Bereich), es gab ihn anfangs kostenlos zum Download bei Radio Bremen, und aus diesem Grund kannte ihn ganz Bremen, bevor auch nur eine CD davon verkauft wurde. Es war anfangs gar nicht geplant, ihn zu verkaufen. Weniger Kommerz geht nicht. Auf CD gab es ihn dann, weil es eine große Nachfrage danach gab. Werder hat gewünscht, dass er erscheint, und danach haben ihn so viele Leute gekauft, dass er neun Wochen in den Charts war. Damit ist er bis heute der erfolgreichste deutsche Vereinssong aller Zeiten, vor allen Bayern-Songs. Das war er aber nicht, weil wir das vorhatten, sondern weil er vielen Werder-Fans gefallen hat und bis heute gefällt. Es hat weitaus mehr mit Scheuklappen zu tun, diese Tatsache zu ignorieren oder mieszumachen. Aber vielleicht wird "Kommerz" ja manchmal auch missverstanden und gleichgesetzt mit Dingen, die der breiten Masse etwas bedeuten.

"Lebenslang grün-weiß" war davon mal ganz abgesehen in unserem ersten grün-weiß-orangenen Jahr ein demonstrativer Beitrag pro grün-weiß, und ich bin mir sicher, dass er für unsere Vereinsfarben mehr getan hat als alle "No!Orange"-Aufkleber auf irgendwelchen Ampeln zusammengenommen.

Als Kontrast dazu wird "Wo die Weser..." hochgehalten als "der wahre Werder-Song": Weshalb ein 1982 entstandener Song die Tradition es 1899 gegründeten Vereins darstellt, ist dabei nicht so ganz klar. Noch wirrer wird es aber, wenn man weiß, dass der Song 1982 von Willi Lemke angeregt wurde, um eine schnelle Mark zu machen, nachdem Werder als Aufsteiger gerade in der Bundesliga für Furore sorgte. Produziert wurde er, um damit Geld zu verdienen, von Leuten, die mit Werder nichts zu tun hatten und das ausschließlich für Geld getan haben. Das wiederum ist Kommerz, kommerzieller geht es nicht.

Das ebenfalls bei euch geachtete "In Bremen, da lässt sich's gut leben" ist übrigens für eine Werbeschallplatte der "Hamburger Morgenpost" aufgenommen worden. Auch dieser Song hat somit einen rein kommerziellen Hintergrund. Auch hier also die Gegenfrage: Wer beurteilt die Situation mit Scheuklappen? Ich?

Glaube ich nicht. Ich setze mich mit allem gerne auseinander, was mir wichtig ist. Die Stimmung im Weserstadion ist mir wichtig. Mein Verhältnis zu unseren Ultras ist viel undramatischer, als Du es darstellst. Ich habe keinerlei Vorbehalte gegen jeden Werder-Fan, der sich für unseren Lieblingsverein einsetzt, und mir ist klar, dass es dafür viele verschiedene Wege gibt. Kritik übe ich nicht an einer Bewegung oder einem Block oder an schwarzen Klamotten. Kritik übe ich begründet an verschiedenen Verhaltensweisen, die ich nicht mag und die uns alle nicht weiterbringen. Wenn es irgendwann mal möglich ist, sich auf vernünftige Weise miteinander zu verständigen, würde ich mich darüber sehr freuen.
 
Überhaupt nicht... Eher Hoffnung auf Selbstreinigung...

Hohoho...alter, "Selbstreinigung". Und WOMLSascha sucht noch nach Zitaten. :lol:

Warum setzen die eigentlich immer voraus, das man diese Lieder singen will...? Oder wollen sie es nicht kapieren...?

Warum soll man sowas denn nicht wollen? Die Ultras sollten solche Lieder nicht singen, weil es nichts bringt, ganz klar, finde ich auch. Ich finde man sollte aber auch mal bei den Nicht-Wollern ansetzen und sich mit denen auch mal kritisch auseinandersetzen.

Ich bin da ganz ehrlich: Ich habe keine Lust auf lange Lieder. Ein paar Zeilen kriege ich wohl noch hin, aber bei meinem Stadionbesuch beschränke ich mich, wie viele auch, auf die kurzen, "impulsiven" und einfachen Rufe.

Völlig in Ordnung. Wirklich. Ich hoffe aber das du dir dann deine Plätze im Stadion außerhalb der Kurve suchst. Man kann keinen annehmbaren Support machen, der nur aus Rufen besteht.


menschlich?

Vielleicht subjektiv so empfunden, aber als Fan glaubte man daran, und die aktive Teilnahme an diesem Prozess nahm einen ein und gab einem Sinn.

Ist für mich heute genauso.

Heute kann schon mal passieren, dass bei 0:0 die Fankurven in einen 30-minütigen Dauergesang verfallen, der mit dem Spiel nichts mehr zu tun hat, davon berichten nicht nur Fans des Clubs, das berichten auch Fans aus Frankfurt.

Das ist Humbug. WOMLSascha hat mal erzählt wie toll die Stimmung ´99 gegen Schalke war und das dort eine Halbzeit lang das gleiche Lied sehr laut gesungen wurde. Man kann Dauergesang nicht pauschal verteufeln.
Ich kann mich noch an die 25 Min. "Deutscher Meister SVW" zum Beginn der letzten Saison in Bielefeld erinnern. Total geil! Mal sang man das Lied leiser, weil der Gegner am Strafraum war und man Nervös war, dann wurde man wieder lauter, weil man eine Ecke rausgeholt hat, dann hörte man für 10 Sekunden auf, weil Werder vom Schiri Ups, ich muss meine Wortwahl ändern ;) wurde und ließ erstmal seinen Frust raus, dann freute man sich 40 Sekunden über das Tor. Warum soll das alles mit dem Spiel nichts mehr zu tun haben, verstehe ich nicht.

Dass heute die Fangesänge, wenn sie mal in den Pausen der Lautsprecher-Dauerbeschallung Gehör finden, durch einen Megaphon-Animateur vorgegeben werden, gibt jeder Art von Eigendynamik den Todesstoß. Die Stimmung wird vom Ultra-Block aus gemacht, der einfache Fan gefällt sich nur noch als Konsument und fühlt sich auch gar nicht mehr bemüßigt, sich zu beteiligen. Eine Konditionierung zur Passivität setzt ein.

Fehlende Eigendynamik? Kapier jetzt nicht wo das Problem ist.
Der Ultra Block singt, der Normalo fühlt sich nicht bemüßigt sich zu beteiligen. Aha, versteh ich nicht. Bei den genannten Beispielen erst recht nicht. (Nürnberg, Frankfurt)
http://www.youtube.com/watch?v=9iS97D0Rkko
http://www.youtube.com/watch?v=wAF9dVLwDPE

Wo ist denn jetzt das Problem?

Ich kaufe mir trotzdem auch offizielle Fanartikel (inoffizielle übrigens auch). Ich finde es aber unehrlich und verlogen, Werder einerseits als Mannschaft unterstützen zu wollen und gleichzeitig so zu tun, als könne man ein wichtiges Zeichen gegen Kommerz setzen, indem man nichts von Nike kauft oder trägt. Zumal es sehr offensichtlich einen gar nicht mal so kleinen Teil Ultras gibt, der so argumentiert und merkwürdigerweise ohne jedes Problem teure Klamotten einer von Ultras häufig getragenen Marke zur Schau trägt. Ich bin gegen übersteigerten Kommerz, aber für eine Kritik mit Augenmaß und Realitätsbewusstsein. Und ich glaube, die brutal vereinfachte Weltsicht vieler Ultras hat sehr viel mehr mit Scheuklappen zu tun.

Ich kann endlos weiterschreiben: Ich bin auch extrem gegen Polzeiwillkür. Ich halte es aber für falsch, Polizisten und Ordner grundsätzlich wie ein Feindbild zu behandeln und nach außen hin so zu tun, als sei jeder Polizeieinsatz pauschal immer Willkür, dumm, unnötig und grundlos. Auf dieser Ebene brauche ich mit niemandem zu diskutieren. Auch in diesem Fall sehe ich die Scheuklappen eher auf Seiten der Verbohrten, die ihr Schwarz-Weiß-Denken für die Aufrechterhaltung ihrer Stadion-Philosophie brauchen und deshalb längst nicht mehr genauer hingucken, weshalb die Polizei sich genau so verhält, wie sie es tut. Ich bilde mir eine Meinung, indem ich beide Seiten beobachte und bewerte.
.

Du betreibst ein wenig zu viel Schwarz-Weiß Denken.
Ultras=ACAB
Ultras=Anti-Alles was vom Verein ist

Das ist zu pauschaul.

Als es damals den Riesenärger mit der Choreo und den Logen gab, hat es keinen noch so kleinen Versuch von Fanseite gegeben, z.B. durch Handzettel in den Logen anzukündigen, dass man eine Kurvenshow plant, die für einen begrenzten Zeitraum die Sicht in den Logen nehmen wird. Stattdessen wird einfach ratzfatz alles zugehängt und hinterher so getan, als hätten die in der Loge kein Recht, sich darüber zu beschweren. Doch, haben sie. Genauso wie ihr das Recht habt, dass die Logenbesucher nichts tun, was eure Sicht einschränkt (wenn sie könnten).

Während damals 80 Logenbesucher den Einlauf nicht verfolgen konnten, konnten es 3.000 in der Kurve auch nicht, weil sie unter einer Blockfahne waren. Letzte Saison konnte ein gewisse Anzahl von Leuten nie den Einlauf verfolgen weil sie eine Haake-Beck Blockfahne hochheben mussten. Fußball ist doch keine Show und der Einlauf der Mannschaften ist doch jetzt auch nicht das Highlight.

weil Werder angeblich den Logenzuschauern mehr Rechte einräumt als den Ultras und vor ein paar Champagnerfuzzies eingeknickt sei.

Wie gerade erwähnt. Es ist einfach so.

"Lebenslang grün-weiß" war davon mal ganz abgesehen in unserem ersten grün-weiß-orangenen Jahr ein demonstrativer Beitrag pro grün-weiß, und ich bin mir sicher, dass er für unsere Vereinsfarben mehr getan hat als alle "No!Orange"-Aufkleber auf irgendwelchen Ampeln zusammengenommen.

Deswegen war doch wohl die Aktion "No!-Orange" besser als keine Aktion.
 
Da spricht ja auch nichts gegen aber es gibt zuviele die mit absicht bei gesängen dazwischen schreien oder andere Lieder anstimmt um sich zu brüsten wie klassenclowns!

Machen die Ultras doch teilweise(!) genauso. Es kommt vor (nein es ist nicht immer so) das wenn irgendwo anders was angestimmt wird, das die noch wieder was anderes anstimmen.

Diese Vorwürfe, vor allem gegen einzelne machen keinen Sinn.
 
Du betreibst ein wenig zu viel Schwarz-Weiß Denken.
Ultras=ACAB
Ultras=Anti-Alles was vom Verein ist

Das ist zu pauschaul.

Habe ich mit keiner Silbe geschrieben. Ich habe mich auf ganz konkret hier genannte Beispiele bezogen.

Während damals 80 Logenbesucher den Einlauf nicht verfolgen konnten, konnten es 3.000 in der Kurve auch nicht, weil sie unter einer Blockfahne waren. Letzte Saison konnte ein gewisse Anzahl von Leuten nie den Einlauf verfolgen weil sie eine Haake-Beck Blockfahne hochheben mussten. Fußball ist doch keine Show und der Einlauf der Mannschaften ist doch jetzt auch nicht das Highlight.

Du bestätigst leider alles, was ich gerade schrieb. Es steht Dir nicht zu, "80 Logenbesuchern" vorzuschreiben, was sie gerne sehen möchten und was nicht. Erstens sehe ich auch gerne den Einlauf, zweitens wussten sie mangels Kommunikation gar nicht, wie lange die Aktion dauert und drittens waren an manchen Stellen die Fenster auch während des Spiels noch nicht wieder frei. Fußball ist keine Show. Fußball ist aber auch keine Kurvenshow.

Deine Sichtweise hilft niemandem und ist nicht besonders reif. Ich habe ganz klar etwas geschrieben, was man durchaus auch selbstkritisch sehen könnte. Stattdessen kommt das gewohnte "...aber die anderen haben doch auch...!".

Egal. Wem's gefällt.


Weil Du das der Einfachheit halber so sehen möchtest? Es ist so, dass Werder darauf reagieren muss, wenn Zuschauer im Stadion durch andere Zuschauer im Stadion willkürlich am Gucken gehindert werden. Werder hätte auch reagiert, wenn andersrum die Logenleute Dir was vor die Augen gehängt hätten. Haben sie aber nicht. Ich verstehe allerdings, dass das nicht so recht in Dein Weltbild passen mag.

Deswegen war doch wohl die Aktion "No!-Orange" besser als keine Aktion.

Kommt drauf an, was Du unter "besser" verstehst. Irgendwas in mir weigert sich hartnäckig, inflationär auf Ampeln aufgepappte Aufkleber als wichtige Fan-Basisarbeit zu begreifen.

Davon mal abgesehen habe ich keine Lust mehr auf genau solche Diskussionen. Ich führe die seit zehn Jahren, und irgendwann ist es mal gut. Alles Nähere habe ich oben ausführlicher erklärt.
 
Völlig in Ordnung. Wirklich. Ich hoffe aber das du dir dann deine Plätze im Stadion außerhalb der Kurve suchst. Man kann keinen annehmbaren Support machen, der nur aus Rufen besteht.

Das ist ja wirklich das letzte was du hier schreibst!
Ich würde mich freuen, wenn die alte Stimmung wieder da wäre, wo nicht dauernd gesungen wird, sondern mehr geklatscht und "Werder, Werder" gebrüllt wird. Das war mal ein Grund in die Ostkurve zu gehen.
Ich lass mir auch nicht vorschreiben, ob und wo ich eine Karte im Stadion habe und ob ich singe oder nicht.
 
1.) Magst Du mir Deine RL-Identität auch verraten? Das wäre nur fair, oder?

2.) Lies Dir diesen Thread durch. Du wirst mehrheitlich feststellen, dass es in sehr viel größerem Maße andersrum ist: Kritik an den Ultras wird begründet, meistens sogar sachlich. Sie wird in aller Regel gekontert mit Zweizeilern, in denen es darum geht, dass Kritik an den Ultras eigentlich imemr mit Ahnungslosigkeit zu tun hat und/oder von Leuten kommt, die im Stadion nichts zu suchen haben.

Es hat sehr viel mit diesen Verhaltensmustern zu tun, dass man (zumindest in Foren) sehr häufig den Eindruck bekommt, es mit Kindern zu tun zu haben.

Vielleicht wird ja andersrum ein Schuh draus: Vielleicht ist es ein Problem, dass "seriöse Ultras", die ich absolut respektiere, sich in meinen Augen zuwenig von den "Kinder-Prolls in schwarz" distanzieren? Vielleicht ist es deswegen für Außenstehende geradezu unmöglich, da Unterschiede zu machen?

Ich verrate Dir jetzt mal was: Ich habe seit vielen Jahren den Wunsch und den Vorsatz, ein gutes Verhältnis zur Kurve zu haben. Das Problem dabei ist, dass man immer den ganzen Idiotenkram mitnehmen muss, wenn man sich näher mit der Thematik befassen muss. Ich habe zu ES97-Zeiten diverse Treffen mit Ultras gehabt, in denen es um gemeinsame Wünsche, Pläne, Vorhaben ging. Die Gespräche waren immer nett und schienen mir auch konstruktiv. Dieses Gefühl hielt aber immer nur ein paar Wochen an. Dann haben sich diese Leute nicht an Absprachen gehalten oder intern herumgeprahlt, sie hätten mich "um den Finger gewickelt". Darauf hatte ich nach mehreren solcher Erlebnisse aus nachvollziehbaren Gründen keine Lust mehr.

Das alles ist schon lange her, aber seitdem ist das Verhalten der handelnden Personen aus den Reihen der "aktiven Fans" in meinen Augen zu wenig verlässlich und verantwortungsbewusst gewesen, um sich noch einmal anzunähern, obwohl ich mir das wünschen würde. Versteh' es nicht als pauschalen Vorwurf sondern als eine immer wieder gemachte Erfahrung: Mit der alten Eastside konnte man wirklich auf einer erwachseneren Ebene miteinander kommunizieren, als es jetzt der Fall ist. Und auch wenn es bei den meisten Fällen immer zwei Seiten gibt, so liegt dieses konkrete Manko hier ausschließlich bei den Fans im Block.

Zum Thema "Scheuklappen" kann man geteilter Meinung sein.

Ich bin zum Beispiel grundsätzlich auch gegen übertriebene Kommerzialisierung, weiß aber gleichzeitig sehr gut, dass wir hier von Profifussball im Jahr 2009 reden und deshalb keine Ideale aus der Landesliga oder aus den sechziger Jahren anlegen können.

Ich bin froh, dass unser Stadion seinen Namen noch hat, dass wir keine Werbung auf dem Hosenboden tragen müssen, dass unsere Liga (noch) "Bundesliga" heißt und dass unser Verein trotz aller Veränderungen und trotz aller Begleiterscheinungen ein hanseatisch geführter Verein ist, auf den man als Bremer stolz sein kann. Ich kaufe mir trotzdem auch offizielle Fanartikel (inoffizielle übrigens auch). Ich finde es aber unehrlich und verlogen, Werder einerseits als Mannschaft unterstützen zu wollen und gleichzeitig so zu tun, als könne man ein wichtiges Zeichen gegen Kommerz setzen, indem man nichts von Nike kauft oder trägt. Zumal es sehr offensichtlich einen gar nicht mal so kleinen Teil Ultras gibt, der so argumentiert und merkwürdigerweise ohne jedes Problem teure Klamotten einer von Ultras häufig getragenen Marke zur Schau trägt. Ich bin gegen übersteigerten Kommerz, aber für eine Kritik mit Augenmaß und Realitätsbewusstsein. Und ich glaube, die brutal vereinfachte Weltsicht vieler Ultras hat sehr viel mehr mit Scheuklappen zu tun.

Ich kann endlos weiterschreiben: Ich bin auch extrem gegen Polzeiwillkür. Ich halte es aber für falsch, Polizisten und Ordner grundsätzlich wie ein Feindbild zu behandeln und nach außen hin so zu tun, als sei jeder Polizeieinsatz pauschal immer Willkür, dumm, unnötig und grundlos. Auf dieser Ebene brauche ich mit niemandem zu diskutieren. Auch in diesem Fall sehe ich die Scheuklappen eher auf Seiten der Verbohrten, die ihr Schwarz-Weiß-Denken für die Aufrechterhaltung ihrer Stadion-Philosophie brauchen und deshalb längst nicht mehr genauer hingucken, weshalb die Polizei sich genau so verhält, wie sie es tut. Ich bilde mir eine Meinung, indem ich beide Seiten beobachte und bewerte.

Das gleiche gilt für Stadionverbote. Ich verurteile grundlose oder leichtfertig ausgesprochene Stadionverbote genau wie Du. Ich finde es aber unehrlich und in der Außenwirkung verheerend, wenn aus Fankreisen so getan wird, als seien Stadionverbote in praktisch allen Fällen unsinnig und überzogen. Ich kann hier gerne zahlreiche Fälle offenlegen, in denen Stadionverbote aus völlig nachvollziehbaren Gründen ausgesprochen wurden, und ich kann mich an ziemlich viele Fälle bundesweit erinnern, in denen manche Leute förmlich drum gebettelt haben, indem sie die ewig selbe Spielregel demonstrativ weiter missachtet haben. Auch hier: Die Scheuklappen trage nicht ich. Ich sehe beide Seiten und differenziere.

Ich sehe auch gerne Kurvenshows. Aber im Gegensatz zu scheinbar nach wie vor der Mehrheit der Ultras (leider!) habe ich komischerweise vollstes Verständnis, dass innerhalb einer Kurve einvernehmlich entschieden wird, was man tun kann, ohne jemanden zu stören. Die Fans in der Ost wollen nicht, dass ihre Sicht durch Dinge eingeschränkt wird, mit denen sie nichts zu tun haben. Das gleiche Recht haben aber Fans in den Logen auch, und deshalb ist die Einschränkung bei der Genehmigung von Kurvenshows für mich kein verwerfliches "Choreo-Verbot", wie es ja lange Zeit demagogisch genannt wurde, sondern ein selbstverschuldetes Ärgernis, unter dem man jetzt zu leiden hat.

Als es damals den Riesenärger mit der Choreo und den Logen gab, hat es keinen noch so kleinen Versuch von Fanseite gegeben, z.B. durch Handzettel in den Logen anzukündigen, dass man eine Kurvenshow plant, die für einen begrenzten Zeitraum die Sicht in den Logen nehmen wird. Stattdessen wird einfach ratzfatz alles zugehängt und hinterher so getan, als hätten die in der Loge kein Recht, sich darüber zu beschweren. Doch, haben sie. Genauso wie ihr das Recht habt, dass die Logenbesucher nichts tun, was eure Sicht einschränkt (wenn sie könnten).

Und das war im Grunde ein Musterbeispiel für alles, was seither schief lief und läuft: Statt sich an die eigene Nase zu fassen und erwachsen damit umzugehen, dass man selbst durch ein Versäumnis zu dieser Situation geführt hat, wurde sofort brachial auf "Fronten verhärten" umgeschaltet, es wurde ein Klassenkampf-Szenario gezeichnet und um Solidarität gebettelt, weil Werder angeblich den Logenzuschauern mehr Rechte einräumt als den Ultras und vor ein paar Champagnerfuzzies eingeknickt sei. Naheliegend wäre eigentlich gewesen, wenn man sich anschließend konstruktiv mit der Situation befasst und Werder gegenüber einsichtig aufgetreten wäre, nach dem Motto: "Wir sehen unsere Choreos als wichtigen Teil der Fankultur und Gewinn für die Atmosphäre im Weserstadion und möchten sie weiterhin ohne größere Einschränkungen durchziehen können. Wir sind dafür bereit, etwaige Sichtbehinderungen vorher anzukündigen und um Verständnis zu werben." Nichts wäre dann passiert. Alles hätte weitergehen können wie zuvor, und niemand hätte unter Einschränkungen zu leiden gehabt. Das wäre eine Verhaltensweise gewesen, mit der ich mich hätte identifizieren können. Und eine Gesprächsvorlage, an der ich dann gerne teilgenommen hätte.

Und um bei Deinem schönen Wort zu bleiben: Wo liegen denn nun die Scheuklappen? Bei meinem Versuch, alle Beteiligten zu sehen, oder bei dem eingefahrenen Unterfangen, eine verfahrene Wir-gegen-die-Nummer draus zu machen, die zu nichts führt?

Ach, und weil auch das wieder mal ein Thema hier war: Es ist mir im Grunde nicht wichtig, wer "LGW" mitsingt, wer es aus welchen Gründen nicht mitsingt und wer es warum nicht mag. Ich finde es höchst respektabel, wenn jemand sagt, der Song gefällt mir einfach nicht. Hätten wir ihn damals nicht mit Restalkohol nach dem Sieg in München getextet, wäre er sicher textlich auch besser geworden.

Was ich aber nicht ernst nehmen kann, sind irgendwelche ideologischen Begründungen, nach dem Motto: "LGW" steht für Kommerz und "Wo die Weser..." nicht!

Wir haben den Song damals für's Radio aufgenommen und nicht, um ihn zu verkaufen. Er ist von drei Werderfans gemacht (für eine sehr überschaubare Aufwandsentschädigung im lächerlichen Bereich), es gab ihn anfangs kostenlos zum Download bei Radio Bremen, und aus diesem Grund kannte ihn ganz Bremen, bevor auch nur eine CD davon verkauft wurde. Es war anfangs gar nicht geplant, ihn zu verkaufen. Weniger Kommerz geht nicht. Auf CD gab es ihn dann, weil es eine große Nachfrage danach gab. Werder hat gewünscht, dass er erscheint, und danach haben ihn so viele Leute gekauft, dass er neun Wochen in den Charts war. Damit ist er bis heute der erfolgreichste deutsche Vereinssong aller Zeiten, vor allen Bayern-Songs. Das war er aber nicht, weil wir das vorhatten, sondern weil er vielen Werder-Fans gefallen hat und bis heute gefällt. Es hat weitaus mehr mit Scheuklappen zu tun, diese Tatsache zu ignorieren oder mieszumachen. Aber vielleicht wird "Kommerz" ja manchmal auch missverstanden und gleichgesetzt mit Dingen, die der breiten Masse etwas bedeuten.

"Lebenslang grün-weiß" war davon mal ganz abgesehen in unserem ersten grün-weiß-orangenen Jahr ein demonstrativer Beitrag pro grün-weiß, und ich bin mir sicher, dass er für unsere Vereinsfarben mehr getan hat als alle "No!Orange"-Aufkleber auf irgendwelchen Ampeln zusammengenommen.

Als Kontrast dazu wird "Wo die Weser..." hochgehalten als "der wahre Werder-Song": Weshalb ein 1982 entstandener Song die Tradition es 1899 gegründeten Vereins darstellt, ist dabei nicht so ganz klar. Noch wirrer wird es aber, wenn man weiß, dass der Song 1982 von Willi Lemke angeregt wurde, um eine schnelle Mark zu machen, nachdem Werder als Aufsteiger gerade in der Bundesliga für Furore sorgte. Produziert wurde er, um damit Geld zu verdienen, von Leuten, die mit Werder nichts zu tun hatten und das ausschließlich für Geld getan haben. Das wiederum ist Kommerz, kommerzieller geht es nicht.

Das ebenfalls bei euch geachtete "In Bremen, da lässt sich's gut leben" ist übrigens für eine Werbeschallplatte der "Hamburger Morgenpost" aufgenommen worden. Auch dieser Song hat somit einen rein kommerziellen Hintergrund. Auch hier also die Gegenfrage: Wer beurteilt die Situation mit Scheuklappen? Ich?

Glaube ich nicht. Ich setze mich mit allem gerne auseinander, was mir wichtig ist. Die Stimmung im Weserstadion ist mir wichtig. Mein Verhältnis zu unseren Ultras ist viel undramatischer, als Du es darstellst. Ich habe keinerlei Vorbehalte gegen jeden Werder-Fan, der sich für unseren Lieblingsverein einsetzt, und mir ist klar, dass es dafür viele verschiedene Wege gibt. Kritik übe ich nicht an einer Bewegung oder einem Block oder an schwarzen Klamotten. Kritik übe ich begründet an verschiedenen Verhaltensweisen, die ich nicht mag und die uns alle nicht weiterbringen. Wenn es irgendwann mal möglich ist, sich auf vernünftige Weise miteinander zu verständigen, würde ich mich darüber sehr freuen.

Eigentlich ein ziemlich guter Beitrag. Ich stimme dir zwar längst nicht in allem zu, was du so sagst (z.B. NO!range und LLGW oder die Choreosache), aber dein Beitrag ist schonmal eine ganze Ecke differenzierter als vieles was hier sonst so abgelassen wird (scheinbar sind du und Linienrichter Jablonski doch nicht ein und diesselbe Person...). Dafür :tnx:

Was mich jetzt mal interessiert ist, ob du daran glaubst, dass Werder bei einer Beschwerde über die Haake-Beck-Blockfahne (sagen wir mal es wären ähnlich viele Leute, die sich beschwert hätten, wie damals in den Logen) genauso reagiert hätte, wie bei der Choreo in der Ost?
Ich persönlich glaube es nicht....
 
Das ist ja wirklich das letzte was du hier schreibst!
Ich würde mich freuen, wenn die alte Stimmung wieder da wäre, wo nicht dauernd gesungen wird, sondern mehr geklatscht und "Werder, Werder" gebrüllt wird. Das war mal ein Grund in die Ostkurve zu gehen.
Ich lass mir auch nicht vorschreiben, ob und wo ich eine Karte im Stadion habe und ob ich singe oder nicht.

Er schreibt dir nirgendwo vor was du zu tun hast, er schreibt lediglich, dass er hofft, dass du dir Plätze außerhalb der Fankurve suchst, wenn du kein Bock auf supporten hast. Vorschreiben kann man im Stadion eigentlich niemandem irgendwas, auch nicht, dass du nicht das ganze Spiel "Scheiß Werder Bremen" zu schreien hast, aber ein bisschen Rücksicht aufeinander nehmen z.B. indem man ungeschriebene Gesetze (wie die Tatsache, dass im Ost-Unterrang auch bei Europapokalspielen gestanden wird, oder eben, dass die die Ostkurve nunmal die Fankurve ist und dass dort Stimmung gemacht wird (dies sollte zumindest eigentlich so sein...)) respektiert...
 
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