In dem man die "schwächeren" Mannschaften noch kleiner redet als sie es schon sind versucht man sich sein eigenes Spiel schöner zu reden als es war.
Wir sollten erst vor unserer Tür kehren bevor wir andere als das Argument unseres mittelmässigen Spiels heranziehen. ....
Was die "Anderen" machen muss uns hier nur bedingt interessieren. Die Frage muss lauten, was können wir verbessern? Und das übrigens auch wenn wir dominant und erfolgreich spielen. Das ist auch immer die Devise von Schaaf und Allofs gewesen. Im Moment gibt es einfach sehr,sehr viel zu verbessern. Was im Umkehrschluss nicht heisst, das alles schlecht ist.
Ein Blick auf die anderen hat aber manchmal auch den Vorteil, nutzenbringende Vergleiche zu ziehen, um selbst mal wieder in der Realität anzukommen und um zu wissen, was und wieviel überhaupt nötig ist, um besser zu werden bzw. ob es Sinn macht ad hoc alles zu verändern. Gerade deswegen ist das sinnvoll. Nicht weil andere Teams ein Vorbild sein sollen, sondern um die Relation zu sehen. Nichts anderes wollte Sopho Dir sagen. Eher hast Du nicht verstanden, was er meinte. Denn genau darum geht es. Mir fallen auf Anhieb viele grosse Mannschaften ein, die schon ähnliche Probleme bei weitestgehend unbekannten Teams hatten wie Werder am Donnerstag in Funchal. Nur wird hier so getan, als wenn nun gerade Werder Bremen wieder einmal schlecht aussah. Dabei hat das Team gegen so einen unbequemen Kontrahenten vor einer Geisterkulisse sehr lange kompakt gestanden, sich bis zur 68. Minute nicht einlullen lassen und ist erst durch Konzentrationsmängel einzelner bei den Standards in diese Schwierigkeiten geschlittert. Insgesamt war das aber weniger ein Problem verkorkster Taktik, fehlendem Willen oder schlechter Einstellung des Trainers, also kein kollektives Problem des Teams. Und individuelle Patzer haben schon einige Mannschaften aus dem Konzept gebracht.
Daher bin ich nicht dieser Ansicht:
Der Gegner lag am Boden und man reichte ihm überflüssigerweise die Hand.
Ähnliches in Berlin.
Ich habe oftmals das Gefühl, daß der ein oder andere zu schnell einen Gang runterschaltet, was die Konzentration angeht.
weil diese Art und Weise des ,,Herschenkens" eines Vorsprungs nicht automatisch auf das ganze Team zurückzuführen ist. Entscheidend ist für mich, dass es das Team schaffte, auch ohne Özil und angesichts einer miserablen Tagesform von Frings/Borowski diese offensichtlichen Ausfälle letztlich abzufangen und trotzdem noch zu gewinnen. Da brauch mir dann auch keiner mit der leidigen Ausrede der mangelnden Qualität des Gegners zu kommen.
Es greift eben nach den Jahren mit Spielmachern wie Herzog, Micoud und Diego noch nicht jedes Rad in das andere und solche Umstellungen können eben ihre Zeit dauern. Ich könnte mir zum Beispiel schon vorstellen, dass es eben nicht geplant war Hunt und Marin in den Sturm zu beordern und das durch den Ausfall unserer Stürmer und die scheinbar nicht ausreichende Leistung Morenos dieses ein Notgriff war, der eben auch dazu führt, dass unser Spiel nicht immer effektiv ist, da anderes an gedacht war.
Systemwechsel und grundlegende Personalveränderungen sorgen fast immer dafür, dass anfangs die Rädchen nicht in sich greifen. Nur hat das nichts mit Spielmachern zu tun. Überhaupt bin ich der Meinung, dass dies stets der grösste Fehler ist und die Bedeutung von einzelnen Spielern zu hoch gehangen wird. Insbesondere, weil dadurch das Zusammenwirken der gesamten Mannschaft und damit das eigentlich wichtige unterschätzt wird.
Der genannte Herzog zum Beispiel dachte auch, er sei ein Spielmacher. War er aber nicht. Otto erkannte das, daher spielte Andi hängenden Linksaußen. Auf diese Weise gelang uns in Herzog`s erstem Jahr die Meisterschaft 1993. Unter anderem, weil gerade Rehagel es regelmäßig verstand, Akteure nach ihren Fähigkeiten gewinnbringend für das Team einzusetzen. Unterstützung erfuhr Herzog damals besonders durch Strategen wie Votava, Hermann, Eilts, Bockenfeld etc.. Es passte allgemein.
Und war die Qualität nicht hoch genug, richtete Otto Philosophie und Taktik nach dem vorhandenen Material aus und setzte eben nicht, wie es im weitverbeiteten Irrtum immer heisst, ständig seinen Kopf durch. Aufgrund dieser Fähigkeiten wurde Otto mit Aufsteiger Kaiserslautern Meister und mit Griechenland Europameister. Das ist seine Qualität - aus wenig viel zu machen. Schließlich lag auch Werder völlig am Boden, bevor seine 14-jährige Ära hier begann.
Als Herzog in seiner zweiten Zeit hier war, spielte Werder zwei, drei Jahre streckenweise ziemlichen Rumpelfussball. Es wirkte plötzlich ideenloser als in seiner ersten Zeit. Auch und vor allem weil die Strategen fehlten (Ausnahme: Eilts), die die entscheidenden Konturen verliehen.
Zur angeblich erst neuerdings fehlenden Effektivität: Trotz individuell hohem fussballerischen Potential im Kader agierte Werder in den letzten Jahren so ineffektiv wie nie zuvor (obwohl einmal ein zweiter und einmal ein dritter Platz dabei rauskamen). Das kannst Du in allen Torschuß-, Chancen-, Ballbesitzstatistiken sowie in den Beurteilungen der Spielanteile herauslesen, aus denen eindeutig hervorgeht, dass Werder speziell in den letzten Jahren viel zu viele Punkte trotz überlegener Spielweise liegenließ. Warum war das so? In meiner Wahrnehmung, weil uns vor allem sehr viel an Struktur abging, was verhinderte, dass die individuelle Klasse auch gewinnbringender ausgenutzt werden konnte.
@Klasnic#17 hat da im Schaaf - Thread einen höchst interessanten Ansatz gebracht: ,,Es wurde stets zu viel Konzentration in der Offensive verbraucht, so dass in der Defensive diese dann fehlte." Das ist sogar absolut richtig. Denn wir verloren über zu viele Stationen aufgrund sowohl mangelnder Ideen, was dann in zu viel Ballbesitz mündete, als auch damit verbunden taktisch-strategischen Maßnahmen wie Tempowechsel etc. entscheidende Energie und zwar für alle Beteiligten, nämlich auch die, die sich sinnfrei aufrieben und nicht ins Spiel eingebunden wurden (oder zu schlecht waren, um in dieses eingebunden zu werden). Werder spielte letztlich oft erschreckend naiv, weil zu wenig Spielintelligenz eines Strategen vorhanden und dadurch zu viel auf Einzelaktionen angewiesen war.
Und deshalb ist genau das:
etwas mehr Abrufen der eigenen Fähigkeiten sollte auch gegen Gegner, die das Spiel ihres Lebens machen, dafür ausreichen sie zu schlagen, und dabei nicht in grössere Kalamitäten zu geraten, auch bei uns.
so oft nicht möglich gewesen und lässt sich an besten Beispielen letzte Saison wie Karlsruhe, Gladbach, Athen, Famagusta, Bielefeld verdeutlichen. Dazu kamen dann noch fehlender Leistungsdruck aus Umfeld und Verein. Und deshalb muss DAS nun zwingend besser werden, denn es ist nun nur noch selten einer da, der solche Dinger allein noch rausreissen kann, wie eben einmal Pizarro am Donnerstag. Was ausserdem Zeit braucht, wie Du richtig erkannt hast. Warum dann hektisch werden?
Davon abgesehen sehe ich im Vergleich zu den Vorjahren schon jetzt mehr Effektivität. Bei weniger Glanz.
Da gäbe es sicherlich noch einige Punkte, man darf nicht vergessen, dass unser offensives Mittelfeld von sehr jungen Spielern besetzt wird. Die haben noch Lernpotenzial. Ein etwas erfahrener Bargfrede macht gestern vielleicht die Buden und wir schiessen Nacional dann eben ab. Nur ein paar Beispiele.
Aber wichtige Beispiele. An dieser Stelle muss dann eingeräumt werden, dass kein strategisch denkender Spieler verpflichtet wurde, der den Jungen so helfen könnte. Der wäre mE aber neben Pizarro als wichtigster Einkauf nötig gewesen. War wohl nicht finanzierbar. Schade. Borowski jedenfalls ist dazu weniger in der Lage, Frings auch nicht und Özil kann es zwar, aber das ganze noch nicht alleine meistern.