Ich halte es weiter aus mehreren Gründen für einen gefährlichen Irrglauben, hier von "einem Preis für eine bessere Zukunft" zu sprechen.
Erstens basiert das auf irgendeiner Fußballromatik, die es de facto nicht mehr gibt. Was passiert denn, wenn Werder heute ausscheidet und anschließend 5 Spiele in Folge verliert? Die Unruhe wird sehr groß werden. Die Spieler bekommen immer mehr Druck und es beginnt eine Abwärtsspirale (ein Zitat aus solchen Phasen "wenn Du unten drin stehst, gewinnst Du halt solche Spiele nicht" o.ä.), aus die uns dann ausgerechnet ein - ja was eigentlich? - verjüngter Kader mit vielen Nachwuchsspielern führen soll? Was passiert denn, wenn dieser "Preis" eines anhaltenden Abstiegskampfes eintritt? Als erstes werden die hoffnungsvollen jungen Talente abgeworben, die auch lieber in einer erfolgreichen Mannschaft spielen und lernen wollen, um ihren Marktwert zu steigern. Dafür werden dann auch deren Berater sorgen, die wissen, dass vor allem die jungen Spieler einen Markt haben. Und der "Preis" eines Abstiegs wäre sehr wahrscheinlich der finanzielle Ruin dieses Vereins.
Und hier ist der zweite Grund. Was ist denn bisher überhaupt passiert, dass man davon sprechen könnte, dass "dieser Weg" Werder wieder "sportlich und wirtschaftlich nachhaltig besser" aufstellt? Werder hat etliche Spieler abgegeben, die in der letzten Saison auf sehr viele Spielminuten und Scorerpunkte kamen (plus Verletzung Stage und Weiser). Und schon der Kader der Vorsaison war viel zu dünn in der Spitze und Breite (fehlende ZOM und RAV Alternative). Also hätte man zunächst mal diese Altlasten bearbeiten müssen. Aber jetzt spricht man von Nachwuchsspielern, die Werders Zukunft sein sollen, um dann einen Opitz zu verleihen, obwohl Werder derzeit nicht EINE Einwechseloption mit offensivem Tempo hat? Dann sind da ein Covic und Coulibaly, die aber auch nicht auf besonders viele Spielminuten kommen werden. Steffen kam bzgl. des Nachwuchses offensichtlich zu den gleichen Schlüssen wie OW. Diese Vision, die da von F&N propagiert wurde, ist für mich nichts anderes als eine billige Nebelkerze, die vom eigenen Versagen auf dem Transfermarkt seit 2 Jahren ablenken soll und der leider auch sehr viele Fans auf den Leim gehen.
Fritz und Niemeyer sollen endlich ihren teuer bezahlten Job eines Bundesligisten professionell ausüben, statt die Verantwortung für das Überleben des Vereins auf den Trainer zu schieben, der aus jungen Talenten Gold machen soll. Das ist zum Scheitern verurteilt. Aus jungen Talenten wurde und wird immer nur was, wenn ein stabiles Grundgerüst vorhanden ist, in das sich die jungen Spieler nach und nach kämpfen können. Erst dann kann man die etablierten Spieler verkaufen und die logischen Nachfolger, die dann bestenfalls die eigenen Jugendspieler sind, in die Verantwortung stellen. Aber so wie es F&N angehen, wirkt es übers Knie gebrochen, ohne einen Plan für notwendige und sinnvolle Verstärkungen zu haben, die sich auch Werder leisten kann, um eben dieses Grundgerüst und die Erstklassigkeit stabil zu halten.
Meine Prognose ist, dass bereits im 1. Quartal 2026 die Geschäftsführung bei Werder nicht mehr Fritz und Niemeyer heißen wird. Dem wohlwollendsten AR wird hoffentlich auch bei Werder irgendwann die Geduld ausgehen.