Historisch gibt es sicher eine Vergleichbarkeit. Nur haben beide Sportarten seit ihren Anfängen gewisse Entwicklungen durchlaufen, die den Weg immer weiter auseinander geführt haben. Im Fußball, wie es auf der ganzen Welt außerhalb den USA bezeichnet wird, mit regionalen Unterschieden (fútbol, fotball, football u.a.), kommt es auf andere Muskelgruppen an als im American Football. Die Spieldauer, brutto wie netto, ist deutlich länger als beim American Football. Allerdings ist die Gesamtspielzeit in der Regel deutlich kürzer, selbst inklusive Verlängerung und Elfmeterschießen. Und man wird beim American Football selten einen Spieler finden, der während der gesamten Spielzeit mehr als zwei Kilometer läuft.
Beim Fußball ist die Dauerbelastung im Vordergrund. Die Spieler müssen idR über 90+x Minuten ständig ein gewisses Maß an Konzentration aufbringen, wenn der Ball oder ein gegnerischer Spieler in der Nähe ist auch ein höheres Maß an Konzentration. Wirklich abschalten kann man als Spieler auf dem Platz eigentlich nicht. Dafür haben die wenigsten Spieler beim Fußball mehr als fünfzehn Zweikampfsituationen pro Spiel. Verletzungen passieren hier oft bei Situationen, in denen der Körper von Spieler 1 durch Spieler 2 in eine ungewohnte Bewegung gezwungen wird, die Bänder, Sehnen und gelegentlich Knochen überstrapaziert. Vorzugsweise in Körperbereichen, die zum Fußballspielen essentiell sind. Beine, Füße, Kopf. Ungefähr auch in der Reihenfolge.
Beim American Football hingegen steht die Maximalbelastung im Vordergrund. Sowas wie eine Dauerbelastung gibt es eigentlich nicht. Viele Spieler werden selektiv eingesetzt, also entweder Offense, Defense oder im sogenannten Special Team (Anstoß, Field Goal u.a.). Dabei werden pro Spiel rund 160-190 Snaps gespielt, manchmal sogar recht gleichmäßig auf beide Teams verteilt, sprich jedes Team hat etwa 60-80 sogenannte Snaps in der Offense (respektive Defense) und dann noch einige Snaps in den Special Teams. Statistik dazu gibt es
hier. Dabei werden die Spieler auch geschont, von den sogenannten "Dicken Jungs", die in den Lines (OL bzw DL) spielen, werden die meisten alle paar Snaps rausgenommen, einfach um ihnen Zeit zu geben, sich ein wenig auszuruhen. Da sie wirklich bei jedem einzelnen Snap in eine Zweikampfsituation kommen. Mindestens. Oft auch mehrere Zweikampfsituationen pro Snap. Von daher ist die Gefahr, sich zu verletzen, weil wie oben gesagt der Körper der verschiedenen Spieler durch andere Spieler in unvorhergesehene Bewegungen gezwungen wird, deutlich größer als beim Fußball, Und während der Snaps gibt es gar keine Möglichkeit, sich auch nur ansatzweise auszuruhen. Dafür gibts in der Zeit zwischen den einzelnen Offense- bzw Defense-Phasen Zeit zum Ausruhen und Abschalten. Auch dürfte durch das andere Zweikampfverhalten im Amercian Football das typische Verletzungsschema deutlich anders sein als beim Fußball. Arme und der Körper sind ebenso von Verletzungen betroffen. Und der Kopf relativ betrachtet auch häufiger, da nicht wenige Spieler das "mit dem Kopf durch die Wand rennen" recht wörtlich nehmen.
Die Vergleichbarkeit dürfte dann wieder größer werden, wenn mehr Spielzeit verstrichen ist und Ermüdungserscheinungen auftreten. Weil dann auch normalerweise diese Ermüdung nicht nur physisch stattfindet, sondern auch mental. Und wenn Spieler, die nicht mehr "frisch" sind, in eine Zweikampfsituation geraten, erhöht sich das Verletzungsrisiko vermutlich (ich hab leider keine Statistik) ziemlich stark, vielleicht sogar exponentiell. American Football ist insgesamt verletzungsanfälliger. Das wissen die Spieler natürlich und bereiten sich auch speziell darauf vor. Am Ende einer sechsmonatigen Saison inkl Preseason gibt es in der Regel keinen Spieler in einem Team ohne mindestens einmal auf dem sogenannten Injury Report aufgeführt zu sein. Beim Fußball kann es schon mal sein, dass Spieler ein halbes Jahr verletzungsfrei davonkommt. Risse von Bändern oder Sehnen passieren immer mal wieder. Verhindert werden können sie denke ich nicht wirklich. Dafür sind Zweikämpfe einfach zu unvorhersehbar. Auch wenn jemand perfekt trainiert, den Muskelaufbau optimal gestaltet hat und sich auch kaum ein Gramm Fett an seinem Alabasterkörper befindet, wenn der Gegenspieler im falschen Winkel den Spieler trifft, hilft das alles nix.