Ole Werner (Cheftrainer RB Leipzig)

Was denn nun? Wir oder man? Der Verein gibt es vor, seinem offensiven Markenkern zu folgen. Schauen wir doch mal auf die letzten 12 Jahre und was Werder tabellarisch abgeliefert hat. Zwei Mal 8. Plätze, nur Abstiegskampf und Abstieg mit Wiederaufstieg. Werder hat diesen Werderweg vorgegeben und die Trainer scheitern regelhaft an diesen Vorgaben. OW wird und hat bereits massive Probleme diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber Werder lernt nicht dazu, lehnt es stattdessen kategorisch ab, seine Strategie zu überdenken, und meint seinen Weg als alternativlos fortsetzen zu müssen.
Ich habe das bewusst ohne Wertung geschrieben, da ich in der Hinsicht selbst zwiegespalten bin. Auf der einen Seite will ich selbst Offensivfußball sehen und keinen Antifußball wie Union. Auf der anderen Seite fehlen uns einfach die Mittel, um diesen Fußball dauerhaft zu zeigen und verheizen dabei Trainer um Trainer. Man muss aber auch klar sagen, dass ein Verein ein Image und ein Alleinstellungsmerkmal braucht, sonst ist man irgendwann nicht nur sportlich eine graue Maus. Oder könnte irgendwer hier sagen, wofür z.B. Hannover, Nürnberg, Augsburg, Mainz, etc. stehen? Richtig. Für furchtbare Bedeutungslosigkeit, nicht nur sportlich. Werder steht für Toleranz, ja. Und ich würde mir wünschen, wir würden auch noch "grüner" werden. In beiden Sachen haben uns andere Vereine aber auch längst den Rang abgelaufen und es hat nur am Rande mit Fußball zu tun.
Kann hier also schon verstehen, warum man daran festhält. Mitunter spielen wir auch ganz ansehnlichen Fußball. Nur seit Ende letzten Jahres nicht mehr erfolgreich.

Richtig. Das hab ich ja gerade erklärt. Hätten wir vor Jahren beschlossen, dass wir nur noch auf Ergebnisfußball setzen, würden wir vermutlich im sicheren Mittelfeld der Liga rumdümpeln oder wir hätten irgendwann aus der sicheren Mittelfeldposition auf Offensivfußball umgestellt, aber das funktioniert normalerweise so nicht. So etwas im Verein zu etablieren, dauert viele Jahre. Immerhin braucht es dafür nicht nur den passenden Trainer, sondern auch einen völlig anderen Kader.
 
Tatsächlich auch der letzte Trainer, der das halbwegs geschafft hat. Mal von 2-3 guten Ligaspielen und einigen Betrugsfällen im Pokal gab
Ich! Ich würde hier gerne ein paar Jahre ergebnisfußball sehen. Wenn das bedeutet das wir weiter oben landen, mehr geld generieren und hier was anständiges aufbauen. Warum nicht?
Schönen Fußball spielen wir in Summe schon lange nicht mehr und der offensive Markenkern macht aus uns seit Jahren die Schießbude der Liga...
Ich weiß in deiner Imagination sieht das anders aus. Aber ich bezweifle das das gros der Fans einen 5. Platz mit Ergebnisfußball ablehnen würde.
Bzw. mit Antifußball a la Union die CL erreichen würden
 
Darum sagte ich, dass ich da zwiegespalten bin. ;)

In meinem tiefsten Innern will ich allerdings definitiv keinen Ergebnisfussball sehen. Mit Werder verbinde ich was anderes, erfolgreich hin oder her. Da müssen wir ja nicht einer Meinung sein.
 
Auf der einen Seite will ich selbst Offensivfußball sehen und keinen Antifußball wie Union (...) Oder könnte irgendwer hier sagen, wofür z.B. Hannover, Nürnberg, Augsburg, Mainz, etc. stehen?

Mal wieder ein Beitrag, auf den sich die üblichen Verdächtigen stürzen werden: Union macht einiges richtig, hat aber auch einiges an Glück gehabt. Union ist nicht der einzige Verein, der Anti-Fußball spielt. Insbesondere die hier genannten Augsburger sind Weltmeister im Antifußball. Und dennoch schaffen sie es nicht, Schritt für Schritt nach oben zu gehen, so wie Union zuletzt. Du hast völlig recht mit der Analyse, dass die beinharte "hinten sicher"-Methode, wie Union sie spielt, einen in der Bundesliga ins Mittelfeld bringt. Wenn die Kann-Spiele nicht gegen einen kippen (dann heißt es Abstiegskampf, siehe Augsburg seit Jahren). Union hatte aber nicht nur viele Kann-Spiele sondern auch einige, wo sie meist eine Halbzeit lang deutlich unterlegen waren, der Gegner aber aus einer Vielzahl an Möglichkeiten keine Tore machte. Und Union dann aus seiner ersten Chance in Führung geht. Auch das ist eine Qualität, ohne Frage. Die einem aber wenig bringt, wenn man zur Halbzeit 0:3 hinten liegt. Nun haben sie sich aber eine Position erarbeitet und man wird sehen, ob und wie sie diese halten werden. Die Höhe ihrer Transfers finde ich ehrlich gesagt ein wenig gewagt (Werder-Vibes ab 2007), und nimmt ihnen auch den Nimbus des kleinen Arbeitervereins aus der Hauptstadt. Es gibt noch einen Verein, der mit Grauer-Maus-Fußball das Pendel in die richtige Richtung gestoßen hat: Freiburg. Die gehen aber weiter ihr "Schritt für Schritt" Konzept, was sie Freiburger Erfolge der vergangenen Jahre mMn. nachhaltig macht und nicht riskiert. Union geht hier klar mehr Risiko, könnte aber halt auch the next Big City Club werden. Stay tuned.
 
In meinem tiefsten Innern will ich allerdings definitiv keinen Ergebnisfussball sehen. Mit Werder verbinde ich was anderes, erfolgreich hin oder her. Da müssen wir ja nicht einer Meinung sein.

Wer will das schon? Ich mag schon fast keine WM-Spiele in der Vorrunde mehr schauen, weil es mindestens in den ersten Spielen nur darauf hinausläuft. Bloss kein schlechtes Ergebnis.
Auch wenn mich bei Werder ein gruseliges 1:0 am Ende wegen der Punkte doch irgendwie "erfreut", will ich das eigentlich bei Werder auch nicht dauerhaft sehen. Allerdings haben wir aktuell nicht die "richtigen" Spieler für ein Offensivspektakel, wie es scheint. Auch wenn ich lange Fußball gespielt habe, aber trotzdem kein Experte wie andere hier bin, würde ich trotzdem aus Erfahrung einfach behaupten, dass für schönen Offensivfußball neben den guten Offensivkräften inclusive eines brillanten Spielmachers auch eine zumindest in Ansätzen sattelfeste Defensive notwendig ist. Und da sind wir in beiden Bereichen, also Abwehr und Mittelfeld, weit von entfernt, meine Einschätzung! Wir haben ein sehr guten Sturm, im Mittelfeld sind wir höchsten Durchschnitt und in der Abwehr ... nun ja. Und damit muss der Trainer vernünftig arbeiten und kann im Prinzip erst wieder schön offensiv spielen lassen, wenn die Baustellen behoben sind. Wie gesagt, meine Meinung! :)
 
Wer will das schon? Ich mag schon fast keine WM-Spiele in der Vorrunde mehr schauen, weil es mindestens in den ersten Spielen nur darauf hinausläuft. Bloss kein schlechtes Ergebnis.
Auch wenn mich bei Werder ein gruseliges 1:0 am Ende wegen der Punkte doch irgendwie "erfreut", will ich das eigentlich bei Werder auch nicht dauerhaft sehen. Allerdings haben wir aktuell nicht die "richtigen" Spieler für ein Offensivspektakel, wie es scheint. Auch wenn ich lange Fußball gespielt habe, aber trotzdem kein Experte wie andere hier bin, würde ich trotzdem aus Erfahrung einfach behaupten, dass für schönen Offensivfußball neben den guten Offensivkräften inclusive eines brillanten Spielmachers auch eine zumindest in Ansätzen sattelfeste Defensive notwendig ist. Und da sind wir in beiden Bereichen, also Abwehr und Mittelfeld, weit von entfernt, meine Einschätzung! Wir haben ein sehr guten Sturm, im Mittelfeld sind wir höchsten Durchschnitt und in der Abwehr ... nun ja. Und damit muss der Trainer vernünftig arbeiten und kann im Prinzip erst wieder schön offensiv spielen lassen, wenn die Baustellen behoben sind. Wie gesagt, meine Meinung! :)

Niemand erwartet ein Spektakel. Nur gibt es einen Unterschied darin, ob man Tore selber erzielen/erzwingen will, oder ob man im Kohfeldt-Panik oder Augsburg/Union-Standard-Modus spielt. Und Werder nimmt für sich in Anspruch, Fussball zu spielen. Pep Guardiolas Tiki-Taka hatte häufig wenig mit Spektakel zu tun als mehr damit sich bis zur Sedierung die Bälle zuzuspielen bis sich beim Gegner eine Lücke zeigt. Das kann spektakulär sein, wenn man ein perfektes Team wie damals bei Barca hat. Das ist spektakulär, wenn ein einzelner Spieler mehr wert ist als der gesamte gegnerische Kader. Das muss aber nicht spektakulär sein, wenn die Gegner das Spiel durchschauen und das Team nicht nahe der Perfektion ist. Aber in jedem Fall wird Fussball gespielt und nicht zerstört. Und Fussball spielen ist, was man sich in Bremen auf die Fahnen geschrieben hat. Genau richtig so, in meinen Augen. Fussball ist für mich Unterhaltung und Vereine wie Augsburg oder Union unterhalten mich nicht.
 
Es gibt noch einen Verein, der mit Grauer-Maus-Fußball das Pendel in die richtige Richtung gestoßen hat: Freiburg. Die gehen aber weiter ihr "Schritt für Schritt" Konzept, was sie Freiburger Erfolge der vergangenen Jahre mMn. nachhaltig macht und nicht riskiert. Union geht hier klar mehr Risiko, könnte aber halt auch the next Big City Club werden. Stay tuned.
Auch für die Freiburger geht es irgendwann mal wieder abwärts. Das haben sie schon in der Vergangenheit bewiesen, als sie 2012/13 Platz5 belegten, und in 2014/2015 abgestiegen sind.
Union müsste unter Urs Fischer erst noch den Negativbeweis erbringen, dass sie ebenfalls wie Christian Streich und Freiburg mit einer unkonstanten Leistung 12 Tabellenplätze binnen 2 Saisons abrutschen.
 
Niemand erwartet ein Spektakel. Nur gibt es einen Unterschied darin, ob man Tore selber erzielen/erzwingen will, oder ob man im Kohfeldt-Panik oder Augsburg/Union-Standard-Modus spielt. Und Werder nimmt für sich in Anspruch, Fussball zu spielen. Pep Guardiolas Tiki-Taka hatte häufig wenig mit Spektakel zu tun als mehr damit sich bis zur Sedierung die Bälle zuzuspielen bis sich beim Gegner eine Lücke zeigt. Das kann spektakulär sein, wenn man ein perfektes Team wie damals bei Barca hat. Das ist spektakulär, wenn ein einzelner Spieler mehr wert ist als der gesamte gegnerische Kader. Das muss aber nicht spektakulär sein, wenn die Gegner das Spiel durchschauen und das Team nicht nahe der Perfektion ist. Aber in jedem Fall wird Fussball gespielt und nicht zerstört. Und Fussball spielen ist, was man sich in Bremen auf die Fahnen geschrieben hat. Genau richtig so, in meinen Augen. Fussball ist für mich Unterhaltung und Vereine wie Augsburg oder Union unterhalten mich nicht.
Moin,
ich finde die Aussage, man möchte in Bremen Fussball "spielen" zwar lobenswert, aber unter den bisherigen personellen Voraussetzungen im Mittelfeld und dem, was man bei uns qualitativ häufig gesehen hat echt schwierig, von Fehlpassstafetten über ständige lange Haferbälle mit Kopfballverlängerung war da häufig sehr wenig fußballerische Raffinesse zu sehen.
Weiser hat da häufig viel geboten, aber das war es dann auch.
Hoffen wir, dass der Kader und vor allem das "Mittelfeld" sich durch Jahns weiter entwickelt, vielleicht kommen wir dann mal wieder dahin über gepflegtes Aufbau- und Umschaltspiel, mit entsprechendem Personal.
Da ist halt noch ganz viel Luft nach oben.
 
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Aber das würde ich auch gar nicht am Trainer festmachen, sondern der Art Fußball, die die Vereinsführung vorgibt und die wir alle sehen wollen. Würde man Ergebnisfußball vorgeben, wären wir erfolgreicher und würden auch gegen Bayern mal wieder gewinnen.
Aber wer will Ergebnisfußball sehen? Hab mich schon lange damit abgefunden, dass Bayern uns wegbombt. Dafür hauen wir den BVB regelmäßig weg. Das ist ja auch was.
Ging dem HSV in der Bundesliga btw. genauso. Die wollten auch schönen Fußball zeigen und sind von den Bayern regelmäßig auseinander genommen worden. Und nun schaffen sie es nicht, mit Offensivfußball aufzusteigen. Ist immer ein zweischneidiges Schwert.

Das ist Casus Knackus, um den sich die Diskussionen hier seit ca. anderthalb Jahrzehnten drehen.

Einerseits hat die Führung sich den offensiven Markenkern mit dem hehren Ziel, um Europa mitspielen zu wollen, auf die grün-weiße Fahnen geschrieben und klagt gleichzeitig über die finanzielle Unterlegenheit (welche zweifellos vorhanden ist). Andererseits gibt sie mit dem offensiven Markenkern einen Fußball vor, mit dem sich das hehre Ziel um Europa mitzuspielen nicht erreichen lässt wodurch
  • Erfolgsabhänge Einnahmen (im 1. Schritt TV-, Sponsoren-Prämien, im 2. Schritt u.a. Merch-Erlöse) geringer werden, womit
  • selbstverschuldet der finanzielle Nachteil sich noch weiter und auch deshalb vergrößert, weil
  • Clubs im Vergleich zu uns mit noch größeren Standortnachteilen (kleinere Stadien, geringere Fan-Base) wie Freiburg, Union und Abstrichen auch Mainz (zuletzt mit 3 Heimsiegen gegen die Bayern in Folge...) mit dem hier verpönten Ergebnisfußball in den letzten Jahren sportlich und somit auch hinsichtlich der finanziellen Handlungsspielräume an uns vorbeigezogen sind
  • wie von @syker1983 bereits erwähnt, ein hohe Zahl Trainer verschlissen wurde (ohne das Eigenverschulden der jeweiligen Trainer damit relativieren zu wollen) - mit entsprechenden Abfindungszahlungen
  • sowohl die Vorgabe des offensiven Markenkerns als auch der daraus resultierenden Trainerverschließ einen Anteil daran haben, dass zum Teil teure Transfers (oft mit dem Fokus auf die Offensive) getätigt werden, die dem sportlichen und damit auch dem wirtschaftlichen Erfolg diametral entgegenstehen.
Es bleibt jeden Werder-Fan überlassen, ob Erlebnisfußball oder Ergebnisfußall der persönliche Favorit ist. Nur sollte den Anhängern des Erlebnisfußballs bewusst sein, dass damit nachhaltige ambitionierte Ziele, = mehr als nur der Klassenerhalt, wesentlich schwieriger oder gar nicht zu erreichen sind. Bzw. besteht sogar die große Gefahr, dass mit einem Festhalten am Erlebnisfußball die Spirale, in der sich Werder seit ca. anderthalb Jahrzehnten befindet, noch weiter nach unten dreht. Mit der möglichen Folge, dass noch weitere "kleinere" Clubs als Werder mit ihrer guten Arbeit, z.B. Heidenheim, an uns vorbeiziehen können. Und uns somit ggf. ein ähnliches selbstverschuldetes Schicksal wie dem HSV droht, mehrere Jahre am Stück in der 2. Liga spielen zu müssen.

Abgesehen davon ist das, was als Erlebnis betrachtet wird, stets eine individuelle Sichtweise. Ich persönlich sehe kein großes Erlebnis darin, wenn durch Harakiri-Fußball das Werder-Tor wiederholt zum offenes Scheunentor wird. Und ebenso sehe ich kein großes Erlebnis darin, wenn Werder am Samstag- oder Sonntagmittag in der 2. Liga gegen Elversberg, Fürth, Paderborn oder Wehen-Wiesbaden spielen müsste. Denn Werder verfügt über wesentlich mehr Potential als im/am unteren Drittel der 1. Liga oder gar noch tiefer herumzukrebsen. Mit einem entsprechendem Strategiewechsel und den daraus basierenden, überwiegend richtigen Entscheidungen wie u.a. mit einer ausgewogenen Balance zwischen Offensive und Defensive zu agieren, ist eine Etablierung im gesicherten Mittelfeld mit leichter Tendenz an oben nicht unrealistisch. Damit wird es auch wahrscheinlicher, den Bayern endlich mal wieder ein Bein stellen zu können - und wenn es ganz gut läuft, ist dann vielleicht auch der eine oder andere Europapokalabend im Weserstadion drin. Denn dass der Erlebnisfußball offensiver Markenkern mehr Probleme schafft als löst, haben die letzten knapp anderthalb Jahrzehnte im negativen Sinne eindrucksvoll gezeigt.
 
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Das ist Casus Knackus, um den sich die Diskussionen hier seit ca. anderthalb Jahrzehnten drehen.

Einerseits hat die Führung sich den offensiven Markenkern auf die grün-weiße Fahnen mit dem hehren Ziel um Europa mitspielen zu wollen und klagt gleichzeitig über die finanzielle Unterlegenheit (welche zweifellos vorhanden ist). Andererseits gibt sie mit dem offensiven Markenkern einen Fußball vor, mit dem sich das hehre Ziel um Europa nicht erreichen lässt wodurch
  • Erfolgsprämien (im 1. Schritt TV, Sponsoren, im 2. Schritt u.a. weniger Image und Merch-Erlöse) geringer werden, womit
  • selbstverschuldet der finanzielle Nachteil sich noch weiter und auch deshalb vergrößert, weil
  • Clubs im Vergleich zu uns mit noch größeren Standortnachteilen (kleinere Stadien, geringere Fan-Base) wie Freiburg, Union und Abstrichen auch Mainz (zuletzt mit 3 Heimsiegen gegen die Bayern in Folge...) mit dem hier verpönten Ergebnisfußball in den letzten Jahren sportlich und somit auch hinsichtlich der finanziellen Handlungsspielräume an uns vorbeigezogen sind
  • wie von @syker1983 bereits erwähnt, ein hohe Zahl Trainer verschlissen wurde (ohne das Eigenverschulden der jeweiligen Trainer damit relativieren zu wollen) - mit entsprechenden Abfindungszahlungen
  • sowohl die Vorgabe des offensiven Markenkerns als auch der daraus resultierenden Trainerverschließ einen Anteil daran haben, dass zum Teil teure Transfers, oft mit dem Fokus auf die Offensive, die dem sportlichen und damit auch dem wirtschaftlichen Erfolg diametral entgegenstehen.
Es bleibt jeden Werder-Fan überlassen, ob Erlebnisfußball oder Ergebnisfußall der persönliche Favorit ist. Nur sollte den Anhängern der Ergebnisfußballs bewusst sein, dass damit nachhaltige ambitionierte Ziele als nur der Klassenerhalt wesentlich schwieriger oder gar nicht zu erreichen sind. Bzw. besteht sogar die große Gefahr, dass mit einem Festhalten am Erlebnisfußball die Spirale, in der sich Werder seit ca. anderthalb Jahrzehnten befindet, noch weiter nach unten dreht. Mit der möglichen Folge, dass noch weitere "kleinere" Clubs als Werder mit ihrer guten Arbeit, z.B. Heidenheim, an uns vorbeiziehen können. Und uns somit ggf. ein ähnliches selbstverschuldetes Schicksal wie dem HSV droht, mehrere Jahre am Stück in der 2. Liga spielen zu müssen.

Abgesehen davon ist das, was als Erlebnis betrachtet wird, stets eine individuelle Sichtweise. Ich persönlich sehe kein großes Erlebnis darin, wenn durch Harakiri-Fußball das Werder-Tor wiederholt zum offenes Scheunentor wird. Und ebenso sehe ich kein großes Erlebnis darin, wenn Werder am Samstag- oder Sonntagmittag in der 2. Liga gegen Elversberg, Fürth, Paderborn oder Wehen-Wiesbaden spielen müsste. Denn Werder verfügt über wesentlich mehr Potential als im/am unteren Drittel der 1. Liga oder gar noch tiefer herumzukrebsen. Mit einem entsprechendem Strategiewechsel und den daraus basierenden, überwiegend richtigen Entscheidungen wie u.a. mit einer ausgewogenen Balance zwischen Offensive und Defensive zu agieren, ist eine Etablierung im gesicherten Mittelfeld mit leichter Tendenz an oben nicht unrealistisch. Damit wird es auch wahrscheinlicher, den Bayern endlich mal wieder ein Bein stellen zu können - und wenn es ganz gut läuft, ist dann vielleicht auch der eine oder andere Europapokalabend im Weserstadion drin. Denn dass der Erlebnisfußball offensiver Markenkern mehr Probleme schafft als löst, haben die letzten knapp anderthalb Jahrzehnte im negativen Sinne eindrucksvoll gezeigt.
Top geschrieben!:tnx::top:
 
Hoffentlich ist die TP bald vorbie
Mit einem entsprechendem Strategiewechsel und den daraus basierenden, überwiegend richtigen Entscheidungen wie u.a. mit einer ausgewogenen Balance zwischen Offensive und Defensive zu agieren, ist eine Etablierung im gesicherten Mittelfeld mit leichter Tendenz an oben nicht unrealistisch. Damit wird es auch wahrscheinlicher, den Bayern endlich mal wieder ein Bein stellen zu können - und wenn es ganz gut läuft, ist dann vielleicht auch der eine oder andere Europapokalabend im Weserstadion drin. Denn dass der Erlebnisfußball offensiver Markenkern mehr Probleme schafft als löst, haben die letzten knapp anderthalb Jahrzehnte im negativen Sinne eindrucksvoll gezeigt.
Das ist bester Politikersprech, auf Schlagworte aufbauende Tendenzen, welche mittelfristige Erfolge suggerieren sollen. ;)
 
Und Werder nimmt für sich in Anspruch, Fussball zu spielen.
Es sollte eigentlich hinlänglich bekannt sein, dass der Anspruch Fußball zu spielen nur dann erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn zahlreiche Zahnräder ineinander greifen müssen*. Wozu auch eine geordnete Defensive gehört*. Das ist bei Werder nicht der Fall und dementsprechend fielen mehrheitlich auch die Ergebnisse in den letzten Jahren aus.

* Das ist übrigens nicht auf den Mist der Skeptiker des offensiven Markenkern gewachsen, sondern stammte von niemand geringerem als Johan Cryuff. Hier nachzulesen :)
 
Fakt ist, wir haben in den letzten drei Bundesligasaisons (das Jahr 2 Buli nicht mitgerechnet) zuhause 17 Punkte, 14 Punkte und 9 Punkte geholt (von 51 möglichen Punkten :D). Wir waren jeweils 18er oder 17er der Heimtabelle. Das Weserstadion ist das einfachste Auswärtsstadion für die anderen Teams. Wir sind zuhause so schlecht, da gibt es gar keinen Begriff dafür. Wenn wir Ansprüche stellen wollen, müssen wir zuhause viel souveräner werden. Das Weserstadion ist die Schießbude der Liga. Nach meinen Beobachtungen in den Heimspielen, sind wir nicht in der Lage souverän Spiele zu gewinnen. Wir sind weder offensiv in der Lage so eine Art Powerplay abzuliefern, was m. E. klar an unserem viel zu phlegmatischen und langsamen Mittelfeld liegt. Der Gegner hat im besten Fall für uns genauso eine Mittelfeldpräsenz wie wir, zumeist hat er aber sogar die Mittelfeldhoheit. Offensiver Markenkern interessiert mich da gar nicht, denn unterm Strich ist es egal was da werderseitig erzählt wird, unsere Heimspiele sind durchweg ganz großer Mist. Uns fehlt komplett die Idee wie wir die Gegner intelligent zuhause bespielen. Eher werden wir jedesmal intelligent vom Gegner bespielt. Weder Kohfeldt noch Werner hatten/haben einen Heimspielplan. Tja und defensiv sind wir ebenso wenig in der Lage, selbst im eigenen Stadion mit den Fans im Rücken, den Kasten sauber zu halten. Wenn die Stimmung im Weserstadion nicht so gut wäre und die Lage so exponiert, wären wir wohl die traurigste und langweiligste Heimmannschaft aller Zeiten (ich bin nur da weil das Bier so gut schmeckt;)). Wenn Werder es als Verein endlich mal auf die Kette bekommen würde, nur halbwegs so viel Begeisterung und Willen zu investieren in Heimspielen, wie die treuen Fans, dann wären wir ganz woanders in der Liga.
Heimspielperformance Bremen ist top :top:
Heimspielperformance der Fans ist top:top:
Heimspielperformance Werder ist ein absoluter flop:dagegen::dagegen::dagegen:

... ich bin ernsthaft am überlegen, ob ich mir den Mist alle zwei Wochen noch antun muß ...

Ich glaub ich hol mir ne Auswärtsdauerkarte .... zuhause macht das keinen Sinn :kotz:
 
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Das ist Casus Knackus, um den sich die Diskussionen hier seit ca. anderthalb Jahrzehnten drehen.

Einerseits hat die Führung sich den offensiven Markenkern auf die grün-weiße Fahnen mit dem hehren Ziel um Europa mitspielen zu wollen und klagt gleichzeitig über die finanzielle Unterlegenheit (welche zweifellos vorhanden ist). Andererseits gibt sie mit dem offensiven Markenkern einen Fußball vor, mit dem sich das hehre Ziel um Europa nicht erreichen lässt wodurch
  • Erfolgsprämien (im 1. Schritt TV, Sponsoren, im 2. Schritt u.a. weniger Image und Merch-Erlöse) geringer werden, womit
  • selbstverschuldet der finanzielle Nachteil sich noch weiter und auch deshalb vergrößert, weil
  • Clubs im Vergleich zu uns mit noch größeren Standortnachteilen (kleinere Stadien, geringere Fan-Base) wie Freiburg, Union und Abstrichen auch Mainz (zuletzt mit 3 Heimsiegen gegen die Bayern in Folge...) mit dem hier verpönten Ergebnisfußball in den letzten Jahren sportlich und somit auch hinsichtlich der finanziellen Handlungsspielräume an uns vorbeigezogen sind
  • wie von @syker1983 bereits erwähnt, ein hohe Zahl Trainer verschlissen wurde (ohne das Eigenverschulden der jeweiligen Trainer damit relativieren zu wollen) - mit entsprechenden Abfindungszahlungen
  • sowohl die Vorgabe des offensiven Markenkerns als auch der daraus resultierenden Trainerverschließ einen Anteil daran haben, dass zum Teil teure Transfers, oft mit dem Fokus auf die Offensive, die dem sportlichen und damit auch dem wirtschaftlichen Erfolg diametral entgegenstehen.
Es bleibt jeden Werder-Fan überlassen, ob Erlebnisfußball oder Ergebnisfußall der persönliche Favorit ist. Nur sollte den Anhängern der Erlebnisfußballs bewusst sein, dass damit nachhaltige ambitionierte Ziele als nur der Klassenerhalt wesentlich schwieriger oder gar nicht zu erreichen sind. Bzw. besteht sogar die große Gefahr, dass mit einem Festhalten am Erlebnisfußball die Spirale, in der sich Werder seit ca. anderthalb Jahrzehnten befindet, noch weiter nach unten dreht. Mit der möglichen Folge, dass noch weitere "kleinere" Clubs als Werder mit ihrer guten Arbeit, z.B. Heidenheim, an uns vorbeiziehen können. Und uns somit ggf. ein ähnliches selbstverschuldetes Schicksal wie dem HSV droht, mehrere Jahre am Stück in der 2. Liga spielen zu müssen.

Abgesehen davon ist das, was als Erlebnis betrachtet wird, stets eine individuelle Sichtweise. Ich persönlich sehe kein großes Erlebnis darin, wenn durch Harakiri-Fußball das Werder-Tor wiederholt zum offenes Scheunentor wird. Und ebenso sehe ich kein großes Erlebnis darin, wenn Werder am Samstag- oder Sonntagmittag in der 2. Liga gegen Elversberg, Fürth, Paderborn oder Wehen-Wiesbaden spielen müsste. Denn Werder verfügt über wesentlich mehr Potential als im/am unteren Drittel der 1. Liga oder gar noch tiefer herumzukrebsen. Mit einem entsprechendem Strategiewechsel und den daraus basierenden, überwiegend richtigen Entscheidungen wie u.a. mit einer ausgewogenen Balance zwischen Offensive und Defensive zu agieren, ist eine Etablierung im gesicherten Mittelfeld mit leichter Tendenz an oben nicht unrealistisch. Damit wird es auch wahrscheinlicher, den Bayern endlich mal wieder ein Bein stellen zu können - und wenn es ganz gut läuft, ist dann vielleicht auch der eine oder andere Europapokalabend im Weserstadion drin. Denn dass der Erlebnisfußball offensiver Markenkern mehr Probleme schafft als löst, haben die letzten knapp anderthalb Jahrzehnte im negativen Sinne eindrucksvoll gezeigt.

Sehr guter Beitrag! :tnx::tnx:
Einen Zusatz hätte ich jedoch noch. Hat sich mal irgendjemand in die Fußballseele der Spieler hinein versetzt? Ich kann mir nicht vorstellen,
dass es jedem Spieler gefällt unter Vorgabe des offensiven Markenkerns sich fast jeden Samstag die Bude vollknallen zu lassen.
Wenn der Verein von einem offensiven Markenkern spricht, hat er auch für die nötige Balance zu sorgen und diese ist seit 15 Jahren nicht
mehr gegeben. Nicht jeder Spieler spielt ausschließlich für die Kohle. Es soll durchaus Spieler geben die sich entwickeln wollen.
Freiburg und Union schaffen sich jedenfalls die Möglichkeit um eines Tages, wenn sie es richtig leveln, besser da zu stehen.
Freiburg ist auf einem guten Weg. Union bleibt abzuwarten.
 
Nochmal zu Union, zu deren Erfolg gehört sicher viel mehr als kompakter Fußball. Da denke ich an die Kritik an Griechenland Fußball beim EM-Sieg. Wenn es so einfach wäre, könnte jeder Dorftrainer durch Mauern den DFB-Pokal gewinnen und jedes Land einen Titel. Am Ende das doch nur einer und das ist Otto f. Rehhagel.
Trotzdem sollte Werder an seiner Fußballidee festhalten, sonst könnte man auch keine Leute wie Kruse oder Keita kriegen.
Von Union kann man sich aber das Hochkonzentrierte abschauen, das geht bestimmt auch offensiv...
 
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