Genau, gerade weil es die Probleme, wie Du sagst, schon gab mit den unterschiedlichsten Spielertypen auf diesen Positionen, ist es wohl eher auf andere Probleme zurückzuführen. Als ersten Aspekt sehe ich da generell immer wiederkehrende Muster. Schon wenn ich bei Schaaf oder Allofs immer mal wieder Aussagen höre wie: ,,unheimlich naiv", ,,wir haben nicht schlau gespielt", ,,individuelle Fehler", dann fragt sich doch der gemeine Betrachter, ob sich vor allem TS nicht mal selbst hinterfragen sollte, warum er diese (richtigen) Feststellungen ständig auf`s Neue macht. Könnte es nicht sein, dass seine Spieler diese offensichtlich vorgegebenen Maßstäbe nicht umzusetzen in der Lage, weil schlicht und einfach nicht dafür geeignet sind? Ich komme immer wieder dahin: Der Eindruck verfestigt sich von Jahr zu Jahr, dass TS zwar Schwächen erkennt, aber trotzdem nicht davon abrückt seinen Spielern zu viel aufzuerlegen, indem zu viele offensiv orientierte Leute auf dem Spielfeld stehen, die ganz einfach defensiv nicht alles leisten können. Er mag keine Zerstörer und darüber hinaus wohl auch keine besonders hohe Flexibilität.
Und da bleibt die Frage, inwieweit sich ein solches Konzept nicht überlebt. Selbst wenn die Wirtschaftlichkeit das bei uns so vorgibt - es reicht ein Blick auf die Erfolgreichen, um festzustellen, dass z. Bsp. kaum eine Mannschaft Meister wurde, bei der die Ausgewogenheit zwischen Erfahrung und Talenten nicht stimmte. Auch Werder hatte bis 2005 einige routinierte Spieler im Kader, weswegen das Team letztlich in sich gefestigter, obwohl fussballerisch mMn nicht mal so stark war wie etwa die Mannschaft von 06 bis heute. Punktuell und gezielte Zukäufe von ein paar taktisch geschulten Akteuren war einmal ein Markenzeichen bei Werder, wobei diese Spieler wie Ernst, Lisztes, Micoud nicht einmal das grosse Geld kosteten. Aber es half Thomas Schaaf seinerzeit, seine Vorstellungen vom Fussball mehr und mehr zu verwirklichen. Ausserdem hatte Jablonski letztens richtigerweise angemerkt, dass uns einer fehlt und fehlte, der ,,dazwischenfegt", und einer dieser Sorte ,,Drecksack" fehlt uns wirklich. Verständlich, dass einzig ein youtube-Video dafür sorgt, dass die User hier umgehend den Spieler Cana einfordern. Warum wohl?
Derzeit haben wir eine Schar von Talenten, denen die Führungsköpfe fehlen, um sich daran aufzurichten an schwächeren Tagen. Vielleicht auch mit ein Grund für mangelnde Konstanz und spieltaktische Schwächen.
Denn nur Talente werden uns dauerhaft - trotz allen Wertsteigerungspotentials - nicht weiterbringen. Wobei es mir ohnehin widerstrebt, die Fussballer nur als ,,Anlagemasse" zu betrachten. Zu Beginn der Ära Allofs/Schaaf waren noch Eilts, Bode oder Herzog da, später wurden Strategen wie Trares, Skripnik, Krstajic, Lisztes, und nebenher trotzdem verkannte Talente wie Ernst gezielt verpflichtet. Ob Werder mit der Abkehr von dieser Vorgehensweise demnächst wieder so erfolgreich sein wird, dürfte interessant zu beobachten sein.
Und deswegen ist es besonders wichtig, innovativ zu sein und dennoch nicht zu vergessen, was uns von 2000 bis 2004 nach vorne gebracht hat. Aber den jetzigen Status Quo, den Werder so mühevoll wieder erarbeiten musste, können wir kaum zementieren, indem wir uns z. Bsp. kontinuierlich gegen Variabilität wehren, trotz eines auf dem Papier veränderten Spielsystems mit alten Fehlern aufwarten, immer noch anrennen wie eine talentierte Truppe, der zunehmend die Mittel ausgehen. Tempo variieren, passives Agieren zum Schein, um den Gegner zum Mitspielen zu zwingen - alles wieder Fehlanzeige, nachdem solche Dinge Ende letzter Spielzeit durchaus möglich schienen. Wo das Ganze eine augenscheinliche Lächerlichkeit annimmt, wenn bspw. seit ca. 2 Jahren Stürmer in Interviews kokettieren, wie viel Spass es ihnen macht, gegen Werder zu spielen. Und ein hohes Plus an Spielanteilen, Torschüssen und Chancen manchmal keine Erfolge zeitigt. Wo nebenbei Reife und Professionalität vermisst werden, wie oben gesagt, evtl. auch ein Problem des Durchschnittsalters, aber auch des temporär zu ruhigen Umfeldes und fehlenden Drucks. Doch daraus muss Werder lernen, denn es genügt zum einen nicht, immer nur Top-Talente zu holen und zum anderen ist es unverständlich, warum dann Erfahrene wie Vranjes außen vor bleiben.
Auch das beharrliche ,,sich dagegen wehren", den gesprochenen Anspruch wie Sanktionsandrohungen an Spieler und Kader oder anderes auch mal in die Tat umzusetzen, hilft uns in dieser Hinsicht nicht mehr weiter.