Psychische / psychosomatische Erkrankungen (z.B. Burnout)

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas holgerwehlage
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Also ich überfliege die online, gut, mehr als überfliegen kann man selbst die Artikel kaum, selbst wenn man die komplett liest.
Kann man aber mMn nicht ernsthaft als alleiniges Informationsinstrument nutzen, weil viel zu tendenziös und journalistisch schwach.
 
Das ist ja auch nur der jüngste Vorfall dieser Art. Die BILD gibt ständig Menschen zum Abschuss frei, sogar Bundespräsidenten wenn der Chefredakteur meint dies nötig zu haben. Deswegen kann ich auch nicht verstehen, wieso Menschen dieses Hetzblatt nicht nur lesen sondern sogar noch unterstützen, sei es durch Plus-Accounts oder einfaches Verlinken zb in diesem Forum.

Neulich habe ich einen Podcast mit Martin Sonneborn gehört als thematisiert wurde wie die TITANIC die WM 2006 nach Deutschland geholt hat. Und wie die BILD die Redaktionsnummer veröffentlicht hat, samt Aufforderung es denen mal so richtig zu zeigen. Ging natürlich nach hinten los weil die TITANIC eine CD daraus gemacht und kostenlos dem Heft beigelegt hat aber da ist BILD: Hetze und Erniedrigung. Und wer zu dieser Zeitung als Redakteur oder Leser beiträgt, trägt zu Hetze und Erniedrigung von Menschen bei.

Über die Hetze der Blöd und deren Folgen ließen sich Bücher schreiben. So erinnere ich mich zB an den Fall Frank Förster der um ca. 1987 wegen dem Verdacht des Drogenbesitzes in einem malaysischen Gefängnis inhaftiert war, wo ihm die Todesstrafe drohte. Während Förster um sein Leben bangte, verfasste die Blöd - perfiderweise als Anspielung auf den deutschen Titel der US-Western-Komödie "Cat Ballou Hängen sollst du in Wyoming" - die Schlagzeile "Hängen sollst du unter Palmen".

Wie schrieb schon die Musikerin Judith Holofernes in ihrer Absage an eine Werbeagentur, die im Auftrag der Blöd ihre damalige Band Wir sind Helden für eine Werbekampagne gewinnen wollte:
Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht.
Quelle

Mit den entsprechenden Folgen für die davon betroffenen Menschen.
 
Dem ist kaum etwas hinzuzufügen aber wie willst du dem beikommen?
Es wird doch immer sensationsgierige Menschen geben oder eben Leute, denen es mies geht, die aber vermutlich auch um sich selbst besser zu fühlen und mit dem Finger auf Andere zeigen zu können, sonst gäbe es den Sender RTL2 zum Beispiel gar nicht oder auch das Vormittagsprogramm von RTL bzw. Sat.1.
"Asi-TV" ist einfach offenbar ein Riesenmarkt.
Ebenso wird es immer Menschen geben, die eben damit Profit machen.
Wer soll da eingreifen?

Ähnliches Thema Enke, erst ein Riesenaufschrei, das man so nicht weitermachen können bla bla bla.
Ergebnis, es wird genauso weitergemacht, wie man an den "Hetzjagden" gegen Hopp z.B. sieht.
Hier muß man schon differenzieren, denn vieles vom dem, was unter dem Begriff "Asi-TV" läuft, sind mit Schauspielern gestellte Szenen, die so produziert sind, dass es wie die Realität aussieht. Wo es jedoch darum geht, dass reale Personen an den Pranger gestellt und somit dem Shit-Storm und den daraus resultierenden psychischen Problemen ausgesetzt sind, kann nach meinem Empfinden nur der Gesetzgeber eingreifen. Wobei das u.U. auch ziemlich dünnes Eis wäre, weil das könnte durchaus als (Beginn einer Salamitaktik zur) Einschnitt in die Pressefreiheit gewertet werden.
 
Hier muß man schon differenzieren, denn vieles vom dem, was unter dem Begriff "Asi-TV" läuft, sind mit Schauspielern gestellte Szenen, die so produziert sind, dass es wie die Realität aussieht. Wo es jedoch darum geht, dass reale Personen an den Pranger gestellt und somit dem Shit-Storm und den daraus resultierenden psychischen Problemen ausgesetzt sind, kann nach meinem Empfinden nur der Gesetzgeber eingreifen. Wobei das u.U. auch ziemlich dünnes Eis wäre, weil das könnte durchaus als (Beginn einer Salamitaktik zur) Einschnitt in die Pressefreiheit gewertet werden.

Darum geht es mir nicht.
Natürlich sind 99% davon nicht die "Realität" mit "echten Menschen", der Begriff ist von mir verwendet worden als Oberbegriff für Alles was sich "Reality TV nennt" von "Hartz aber hertzlich" über "Mitten im Leben" bis "Berlin Tag und Nacht".
Alles Formate für den komplett anspruchslosen Konsumenten.
Ich muss gestehen, ich hab früher auch ne zeitlang "GZSZ" geschaut, weiß gar nicht genau warum, so ein bisschen heile Welt vielleicht dann manchmal auch aber warum ich mir noch schlechtere Schauspieler mit noch uninteressanten Geschichten in fürchterlichen Settings im Fernsehen ansehen soll erschließt sich mir nicht.
Da brauch ich nur mal in die Straßenbahn zu steigen Richtung Duisburger Norden, da hab ich das live.
 
Grundsätzlich teile ich eure Einstellung zu Boulevard und Trash-TV. Jetzt kommt das große Aber. Das Problem ist nämlich, dass diese gesamte B- bis Z-Prominenz ohne Boulevard und Trash-TV nicht existieren würden. Die stehen halt in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis. Der Boulevard brauch was zu schreiben, das Dschungelcamp, Big Brother und Co brauchen teilnehmer und viele dieser absoluten Z-Promis brauchen halt Honrare und die Ausfmerksamkeit. So lange das auch alles positiv für beide Seiten läuft, ist das kein Problem.
Und die BILD ist so mächtig, dass sie auch die Führung dieses Landes stürzen kann. Ich erinnere an Christian Wulf, der mit Vorwürfen in der BLÖD überzogen wurde, von denen am Ende ein BobbyCar übrig blieb. Hier hätte seriösere Medien eigentlich die Aufgabe gegenzuhalten. Aber auch diese brauchen Quote und Auflage und spielen dann auch mit. Das ist eine ganz schwierige Kiste.
 
@Felissilvestris

Grundsätzlich richtig. Wir leben erfreulicherweise in einem freien Land, so dass im Rahmen der geltenden Gesetze grundsätzlich produziert bzw. konsumiert werden kann, was gefällt. Es ist jedoch ein Problem, wenn solche Medien Shitsorms gegen Menschen produzieren bzw. forcieren, unter dessen Folgen die Betroffenen leiden müssen.
 
Nochmal zu dem Selbstmord.
Das Perfide an dieser ganzen Sache ist doch, dass die Bild tagelang schmutzige Wäsche wäscht und den Pöbel dieser Dame quasi auf den Hals hetzt.
Als sie dann letztlich keinen anderen Ausweg mehr sah, findet man zu dem Selbstmord erst nach längerem Suchen bei der Bild was.
 
Klar ist das mutig von mir sowas offen zu äußern. Aufgrund meiner, wie bereits erwähnten Krebserkrankung, plus dem Umstand, dass mein älterer Bruder seit vielen Jahren eine psychische Erkrankung hat kann ich von mir behaupten mich sehr gute in der Thematik auszukennen.

Natürlich verhält sich jede erkrankte Person anders, natürlich gibt es darunter auch viele die sich solche Sprüche persönlich zu Herzen nehmen und Zweifel bekommen ob sie sich Jemandem anvertrauen um über ihre eigene Erkrankung zu sprechen.

Es geht mir um das Pauschale ! Dies wird von mir als übertrieben kritisiert.

Am Ende soll jede erkrankte Person selbst entscheiden wie er oder sie damit umgeht. Schlimm genug, dass es so viele Leute mit psychischer Erkrankungen gibt. Gerade deswegen sollten nicht alles auf die berühmte Goldwaage gelegt werden.

Es gibt leider weitaus schlimmeres auf der Welt als sich über, um @opalo zu zitieren "genau die Sprüche" aufzuregen.

Lg EFO

Ich antworte hier, weil es mit Bochum nichts (mehr) zu tun hat ;) Vielleicht könnt Ihr die anderen Posts vorher auch hierher verschieben. Merci :)

Natürlich gibt es Schlimmeres auf der Welt als so einen Spruch. Es gibt immer zu einer Sache eine andere, die noch schlimmer ist, so dass man sich theoretisch, wenn man es so betrachtet, über gar nichts aufregen sollte...

So ein Spruch reflektiert für mich eine nach wie vor sehr verbreitete unterschwellige Grundhaltung zu psychischen Erkrankungen - eine Verbindung mit Schwäche, Weichei, nicht belastbar etc.. Solange diese Sprüche unkommentiert hingenommen werden ändert sich an dieser Grundhaltung gar nichts. Dementsprechend lasse ich so einen Spruch nicht einfach so stehen.

Es geht hier nicht um die erkrankte Person und wie sie mit ihrer Krankheit umgeht. Es geht darum, was sich eine erkrankte Person ggf. noch zusätzlich zu ihrem eigenen Umgang mit der Krankheit an belastenden Kommentaren/Sprüchen von ihrer Außenwelt anhören "darf", wenn sie ihre Krankheit öffentlich macht. Und das ist - leider - oft sehr viel weniger empathisch als im Fall einer körperlichen Krankheit.
 
Und das ist - leider - oft sehr viel weniger empathisch als im Fall einer körperlichen Krankheit.
Ja, da wären - als Einstimmung für einige 'Empathiereduzierte' - z.B. einerseits das Bekenntnis dazu, das jemand an Depressionen leidet und andererseits die 'gut gemeinten' Aufmunterungen, 'lass dich nicht so hängen', 'reiß dich am Riemen'; sehr beliebt auch: 'du musst öfter mal rausgehen an die frische Luft' oder 'mach mehr Sport!'.
Durchweg kontraproduktive Kommentare, die aber für die 'Empathiereduzierten' einen Vorteil haben können:
Der depressive Mensch wird zukünftig weniger mit ihnen reden. Ziel erreicht?!
 
Ja, da wären - als Einstimmung für einige 'Empathiereduzierte' - z.B. einerseits das Bekenntnis dazu, das jemand an Depressionen leidet und andererseits die 'gut gemeinten' Aufmunterungen, 'lass dich nicht so hängen', 'reiß dich am Riemen'; sehr beliebt auch: 'du musst öfter mal rausgehen an die frische Luft' oder 'mach mehr Sport!'.
Durchweg kontraproduktive Kommentare, die aber für die 'Empathiereduzierten' einen Vorteil haben können:
Der depressive Mensch wird zukünftig weniger mit ihnen reden. Ziel erreicht?!
Ja eben. Das führt zu weiterer Abschottung, bzw. Ablehnung. Das ist paradox, denn eigentlich haben die Empathiereduzierten mit ihren gut gemeinten Ratschlägen durchaus Recht.
 
Ja eben. Das führt zu weiterer Abschottung, bzw. Ablehnung. Das ist paradox, denn eigentlich haben die Empathiereduzierten mit ihren gut gemeinten Ratschlägen durchaus Recht.
Ne haben sie nicht. Ich kenne jemanden, der richtig schwere Depressionen hat. Da ist nichts mit einfach mal mit an die frische Luft gehen.
Da wird Tage vorher ein Plan gemacht, wie die 2 Minuten Gehweg zum Bäcker und wieder zurück auf die Reihe zu bringen sind.
Und das ist nur EIN Beispiel.
 
Ich antworte hier, weil es mit Bochum nichts (mehr) zu tun hat ;) Vielleicht könnt Ihr die anderen Posts vorher auch hierher verschieben. Merci :)
Natürlich gibt es Schlimmeres auf der Welt als so einen Spruch. Es gibt immer zu einer Sache eine andere, die noch schlimmer ist, so dass man sich theoretisch, wenn man es so betrachtet, über gar nichts aufregen sollte...
Ich musste erstmal im unverlinkten Bochum-Thread nachschlagen, um zu verstehen welcher Spruch gemeint ist =>
Ist der Abstiegskampf zu hart, bist du zu weich.
 
Ne haben sie nicht. Ich kenne jemanden, der richtig schwere Depressionen hat. Da ist nichts mit einfach mal mit an die frische Luft gehen.
Da wird Tage vorher ein Plan gemacht, wie die 2 Minuten Gehweg zum Bäcker und wieder zurück auf die Reihe zu bringen sind.
Und das ist nur EIN Beispiel.
Ihr redet hier aber über Extremfälle und es kommt auch darauf an, von wem solche Sprüche zu welchem Zeitpunkt kommen. Dass es solche Leute gibt, bestreite ich absolut nicht, aber es gibt auch viele, die mit Depressionen und "burn- out" kokettieren und dann wochen- oder monatelang auf der Arbeut ausfallen. Ich habe eine Kollegin, der nehme ich es absolut ab, die war sehr engagiert und ist von 100 auf Null abgestürzt, aber zahlreiche andere schlagen auch gern ein paar freie Tage heraus. Es gab btw durchaus Phasen in meinen Leben, wo der Spruch: "Reiß dich mal zusammen, du steigerst dich da in was hinein!" von der richtigen Person durchaus geholfen hat, die Dinge in einem anderen Licht zu sehen. Im Allgemeinen ist unsere Generation mE sehr viel wehleidiger als die vorigen und die Diagnose :"burn-out" wird sehr schnell gestellt.
 
und die Diagnose :"burn-out" wird sehr schnell gestellt.
"Bourn out" ist keine medizinische Diagnose, sondern ein zu einem Schlagwort 'verkommener' Sammelbegriff für verschiedene psychische/psychosomatische Beschwerden mit Bezug zu Belastungsituationen. Was du als 'wehleidig' bezeichnest '(was übrigens einer der 'klassischen' Züge ist, um sich nicht näher mit der Thematik beschäftigen zu müssen, Psycholog:innen sprechen von 'Abwehr'), kann aus einem anderen Blickwinkel ebenso gut eine bessere Wahrnehmung derartiger Problematiken sein.
Deine Unterstellung an eine nicht näher eingegrenzte Gruppe von Leuten, sie würden sich der Thematik 'bedienen', um freie Zeit ('chinesischen Urlaub') für sich herausschlagen zu können, beinhaltet zweierlei:
Zum einen liegt nahe, dass es eine Projektionsleistung ist:, du traust es dir selbst zu und deswegen auch anderen; zum anderen - und schlimmer - ist diese Unterstellung eine Abwertung (ein Schlag in die Fresse) für die Menschen, die an einer derartigen Erkrankung leiden.

Wenn du selbst nicht betroffen sein solltest, ist meine Bitte, dich in diesem Thema jeder Bewertung zu enthalten.
 
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