Ich habe mein Problem mit dem Begriff Whataboutism. Es geht ja um Prinzipien oder Regeln. Die werden verteidigt. Da geht es auch Glaubwürdigkeit.
Im Prinzip basiert unser Recht auf Whataboutism. Ich halte mich (auch!) an Regeln, weil ich bei anderen sehe, dass sie gelten.
Ich finde - Beispiel aus einem anderen Bereich - z.B. okay, wenn jmd. sagt, warum verurteilen wir den Einmarsch im Irak nicht genauso wie den Einmarsch in der Ukraine. Denn da geht es um Völkerrecht. Man hat natürlich ein Problem, wenn man jmd. sagt "Das ist aber völkerrechtswidrig", wenn man es sonst auch nicht durchsetzt.
Und was das Beispiel Bayern München betrifft, natürlich hasse ich die Bayern und man könnte es als übertrieben empfinden, aber ganz nüchtern betrachtet, ist dort ein beträchtlicher Teil der Verantwortlichen, wie auch der Satelliten, die sich um diesen Club tummeln (Boris Becker, Schuhbeck, Winterkorn) kriminell, teilweise schwer. Ist das eine "chic", weil es Vermögenssachen sind und Wiese mit seinem Gesindel ist aber "unchic".
Nenn mich gerne Whataboutist
Ich bin nur einer, der Doppelmoral disst
Das sehe ich etwas anders:
Dein Beispiel „Einmarsch Irak / Einmarsch Ukraine zeigt zwei Einmärsche, zwischen denen rund 20 Jahre liegen und deren Grundlage eine ganz andere ist. Einmarsch ist ja nicht gleich Einmarsch, was keine Rechtfertigung darstellen soll.
Wenn Russland-Ideologen den völkerrechtswidrigen Angriffs- und Vernichtungskrieg mit den Worten „aber die USA hat damals…“ legitimieren, ist das falsch. Ich denke auch nicht, dass das in Deinem Sinne ist.
Zu Bayern: der FC Bayern München zeigt in allen Belangen das Negativ-Beispiel auf, wie man es nicht macht. Allein was Hoeneß kürzlich von sich gegeben hat, ist schwach und beschämend. Dazu habe ich aber auch schon einen Whataboutism gelesen, der beschämend war. „Aber Habeck macht dort auch Geschäfte, und das ist ok?“ Dazu fällt mir nichts mehr ein.
Aber zurück zu Wiese. Da Wiese keine Straftat begangen hat, sehe ich keinen Zusammenhang zu den „chicen“ Straftaten der Bayern.
Geht es aber um Moral, muss Hoeneß verbal gerade verdientermaßen einstecken, wie es bei Wiese auch der Fall ist. Beide haben sich unglaubwürdig gemacht.
Tim Wiese kann machen was er will. Wenn er meint, er muss sich mit Rechten, Rechtsradikalen, Straftätern und sonst wem treffen - sein Problem. Er ist aber Person des öffentlichen Lebens und muss mit der Konsequenz leben, dass Leute sowas nicht stillschweigend hinnehmen…
P.S.: Unter Doppelmoral verstehe ich, das etwas bei der einen Person ok ist, bei der anderen Person nicht. Sowas hasse ich auch. Nur sollten Äpfel auch Äpfel und Birnen sollten Birnen bleiben.