Tja, was soll man sagen?
Eine Überraschung ist diese Verlängerung irgendwie nicht. Wir sprechen schließlich über Werder. Es gäbe wohl nur wenige andere Vereine, bei denen ein Geschäftsführer Sport, der einen Abstieg zu verantworten hat, trotzdem bleiben dürfte. Eigentlich hätte Baumann nach dem Abstieg im Mai 2021 zurücktreten, oder freigestellt werden müssen. Offiziell hat ihm eine Kombination aus schwieriger finanzieller Lage, dem Druck Transferlöse zu erzielen und einer coronabedingten, ungeklärten Situation im Aufsichtsrat vorerst den Posten gerettet. Inoffiziell war es wohl doch eher Werders immerwährender Wunsch nach Kontinuität.
Kontinuität im Abschwung, wie er seit 2019 in dramatischer Weise zu verzeichnen war? Das kann sich kein Werderaner vorstellen und wünschen.
Warum jetzt also gar eine Verlängerung, ausgesprochen von einem neu zusammengesetzten Aufsichtsrats? Was sieht die Werder-Familie in Frank Baumann, wie interpretiert er selbst seine Rolle bei Werder?
Für mich spricht Baumann auffällig oft davon, er habe das alles irgendwie gar nicht nötig, würde auch ohne seine Funktion gut leben können, möglicherweise sogar besser, freier und unbeschwerter als mit. Er erweckt damit nicht selten den Eindruck, als würde er sich für die Belange Werders mehr oder weniger "opfern".
Wer verlangt/e das "Opfer", sollte es eines sein, eigentlich von ihm? Bode? Das kann ich mir vorstellen. Bode aber ist jetzt weg. Benutzt er Baumann trotzdem noch für seine Ziele im Verein?
Oder sind es die alten Granden Lemke und Fischer? Ist Baumann für sie der perfekte Repräsentant des Werder-Weges? Gäbe es da, gerade nach der Bilanz eines Abstiegs, nicht auch andere Ehemalige, die mit neuen Ideen den Verein wieder nach oben bringen könnten?
Die Vertragsverlängerung ist sehr riskant. Ich denke, man kann es nur als "zweite Chance " interpretieren. Diese Chance muss sitzen. Sonst wäre Werder das Opfer. Ein zu großes.