Vorweg zur (rhetorischen?) Frage nach 'vorbestraft' ein Überblick:
https://www.rudolph-recht.de/wann-bin-ich-vorbestraft/
"Hättest nicht rausgehen müssen" springt mMn nicht weit genug. Es geht ja auch bei der befristeten Ausgangssperre in AT - die ich wegen nicht durchführbarer flächendeckender Kontrollen für eine 'symbolische Geste' halte - eher darum, (impfbare) Impfzögerer und Impfablehner zum Umdenken zu bewegen. Also wäre 'du könntest dich impfen lassen, dann würde dich das nicht betreffen' mMn eher zutreffend.
FT hat ja an anderer Stelle eine - wie ich finde, sehr treffende - Beschreibung von Freiheit geliefert: Das mit den Konsequenzen als 'letzte Freiheit'.
Die jetzt beschlossenen und in DE wahrscheinlich kommenden Einschränkungen werden sicherlich durch Gerichte überprüft.
Da die Mühlen der Justiz bekanntlich nicht ultraschnell mahlen, mal von einstweiligen Anordnungsverfahren abgesehen, heißt es jetzt, abzuwarten, was tatsächlich passiert.
Ja, ich könnte mich stunden-, tage- oder wochenlang hochemotional dagegen auflehnen, mir in den verschiedenen, mehr oder weniger sozialen Medien Verbündete suchen, Spontandemos organisieren und vieles mehr - doch die Frage ist doch: Was würde das konkret ändern?
Was haben die unzähligen Quatschdenker-Demos tatsächlich gebracht, außer Auflage/Klickzahlen/Einschaltquote für diverse - nach meiner Auffassung teilweise 'übelste' Medien? Außer vielen verletzten Polizist:innen und Demonstrant:innen und vermutlich viele unnötige Ansteckungen?
Zumindest eine Parteigründung von Leuten für Leute, die dubiosen Rechtsanwälten Geld in den Rachen geworfen haben für herbeiphantasierte Klagen vor US-Gerichten (die dann von Übersee in die - teilweise verleugnete - Souveränität unseres Staates eingreifen sollen)?
Für mich steckt - neben dem von mir schon mal kurz angesprochenen 'Info-War' (Desinformation/Destabilisierung auf breiter Front) - in diesem 'Aufbegehren' von Quarkdenkenden - die übrigens überwiegend mit widerlegten Falsch-Informationen, aber VOR ALLEM mit 'Emotionalisierung' arbeiten (Empörungskultur, 'Erregungsbewirtschaftung') - eine Unfähigkeit, mit der konkreten Ohnmacht des Einzelnen vor 'dem Staat' bzw. den Geschehnissen konstruktiv umzugehen.
Dabei könnte es mMn viel einfacher sein:
Sich dieser Ohnmacht bewusst zu werden und einen indiviuell passenden Umgang mit der als 'besch'*ssen' erlebten Situation zu finden; einen sowohl persönlich wie gesellschaftlich 'gesünderen' Umgang mit den eigenen Gefühlen zu entwickeln. Und du kannst mir glauben, dass ich weiß, wovon ich rede: Sowohl im Umgang mit anderen (beruflich) wie mit mir selbst habe ich das immer wieder erlebt.
Ein durchaus anspruchsvoller, schwieriger Lernprozess, der aber zu einer Art 'gesünderer Haltung' führen kann; eine kleine Prise von der buddhistischen Schicksalsergebenheit stünde vielen von uns gut zu Gesicht. Aber nur eine kleine Prise.
So wie in dem AA-Spruch mit der Gelassenheit, Kraft und Unterscheidungsfähigkeit beispielsweise.
Nach wie vor teile ich deine Befürchtungen hinsichtlich fortdauernder, verfestigter Einschränkung von Grundrechten - die dann im Sinne von Südsterns Anmerkung zu Grundrechtsverletzungen werden würden - nicht. Vielmehr haben wir doch alle erlebt, wie im 'Sommerhoch', im Glauben an ein baldiges Ende der Pandemie Einschränkungen fast wie Domino-Steine purzelten, oder? Und wie sich jetzt zeigt, offenbar zu früh, bedauerlichweise. M.E. haben wir eine Pandemie der Arglosigkeit, Achtlosigkeit, Rücksichtslosigkeit (AHA+L), die von den freiwillig Impfablehnenden gefördert wird - ebenso wie von nachlassender Wirkung neuer Impfstoffe.