Guten Morgen zusammen,
soooo.....mit ein paar Tagen Abstand mit einhergehender Frustbewältigung versuche ich mich mal an einer möglichst sachlichen Analyse der aktuellen Situation. Wobei man da eigentlich gar nicht so richtig weiss, wo genau man anfangen soll. Ich versuchs mal so:
Vereinsführung:
Die Riege um MB, FB, KF und HHG ist aus meiner Sicht ganz klar voll verantwortlich für den jetzt erfolgten Supergau. Wobei für mich der
Abstieg nur das I-Tüpfelchen auf eine seit Jahren nicht mehr auf Nachhaltigkeit ausgelegte Vereinsphilosophie ist.
Im finanziellen Bereich hat es KF seit Jahren nicht geschafft, den Club signifikant weiter zu entwickeln. Weder konnten bahnbrechend neue Sponsorendeals abgeschlossen werden, noch wurde das Thema "Investor" aus meiner Sicht ernsthaft vorangetrieben. Ich glaube, dass sich
Werder in diesem Bereich total unter Wert verkauft und kleiner gemacht hat, als wir sind (äh... waren!). Wie gesagt - das ist nur eine Vermutung
und meinerseits nicht mit Zahlen belegbar.
Die jetzt lancierte Mittelstands- bzw. Fan-Anleihe kann meiner Meinung nach nur ein Mittel sein, um kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Da die Anleihe bei Ende der Laufzeit samt Zinsen zurückgezahlt werden muss, sollte es schon eine vergleichsweise hohe Wahrscheinlichkeit auf sportlichen - und somit dann auch wirtschaftlichen- Erfolg geben. Dieser ist nach dem Abstieg und den damit verbundenen Mindereinnahmen, sowie den jetzt schon horrenden Schulden, die teilweise nur mit Hilfe von Landesbürgschaften abgesichert werden konnten, allerdings mehr als fraglich. Werder ist also zu kurzfristigem Erfolg - sprich direktem Wiederaufstieg - verdammt, wenn man nicht in eine Spirale geraten will, in der man Schulden begleicht, indem man neue Schulden macht. Das Festhalten an unserem Führungspersonal sehe ich daher
auch aus finanzieller Sicht zumindest mal kritisch. Als potenzieller Geldgeber hätte ich aufgrund der Talfahrt der letzten Jahre schlichtweg nicht mehr genug Vertrauen in die aktuell handelnden Personen.
Zu unserem Geschäftsführer Sport muss man eigentlich nicht mehr viel sagen. Wie quasi jeder hier bin auch ich der Meinung, dass FB
eigentlich vom Hof gejagt gehört. Dennoch -und nach diesen Zeilen gehe ich mich direkt selbst geisseln- sehe ich im Moment keinen anderen
Weg, als ihn bis auf weiteres in seinem Amt zu bestätigen. Die 2. Liga legt am 23.07. los, d.h. wir brauchen schnell einen Trainer und wir brauchen
schnell einen Kader, der uns zumindest mal in der 2. Liga stabilisiert. Der fehlende Plan B wurde ja schon zig mal zitiert und genau hieran zeigt sich ja das ganze Dilemma, in dem wir gerade stecken: Wir können nicht mehr mit FB, momentan aber leider auch nicht ohne hin. Dazu fehlt es im Verein schlichtweg an sportlicher Kompetenz!
So komisch sich das anhört, aber ich persönlich empfinde den Abstieg als solches als gar nicht mal so schlimm. Viel gravierender ist die seit Jahren anhaltende Konzeptlosigkeit, mit der die Verantwortlichen agiert haben und die ja in letzter Konsequenz überhaupt erst zum Supergau geführt hat.
Da holt man in einem Jahr jede Menge junge Spieler, weil der Verein ja sparen muss. Und weil das nicht funktioniert, holt man im nächsten Jahr gestandene, aber verletzungsanfällige Kicker. In einem Jahr will man sich in der Liga stabilisieren, um dann im nächsten Jahr das europäische Geschäft anzupeilen. Einerseits will man seinem "Markenkern" treu bleiben und attraktiven Offensivfußball spielen - andererseits spielt man den unansehnlichsten Fußball der Liga, damit man überhaupt ein paar Punkte sammelt. Diese seit Jahren offen praktizierte Planlosigkeit ist das was mich nervt - nicht der Abstieg selbst.
Klar ist unsere Führungstruppe maßgeblich verantwortlich für den schleichenden Niedergang. Man muss aber leider auch sagen, dass es in den letzten Jahren keine wirklich nachhaltige Opposition gab. Das liegt zum einen daran, dass es z.B. im Aufsichtsrat viel zu wenig sportlichen Sachverstand gibt. Zudem hat MB als AR-Vorsitzender meiner Meinung nach eine viel zu große persönliche Nähe vor allem zur sportlichen Führung, sodass er seiner Kontrollfunktion aus meiner Sicht nur bedingt nachkommen kann.
Was aber leider auch fehlt ist ein gewisser Druck von aussen - sei es durch die Medien, oder uns Fans. Machen wir uns doch nichts vor - auch wir sind doch verwöhnt von den fetten Jahren unter OR und TS und auch wir haben uns doch erhofft, dass es unter FB, MB und FK wieder aufwärts geht. Wir haben unseren Baumi doch alle gefeiert, als er z.B. Kruse geholt hat. Was war er da doch für ein Manager-Fuchs.
Die bedingungslose Unterstützung der Mannschaft gerade in schlechten Zeiten ist sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal, auf das man als Bremer mit Recht stolz sein kann - de facto trägt es aber auch bei zu der Wagenburgmentalität, die hier immer wieder angeprangert wird. Unterstützung ist gut und wichtig - die kann aber durchaus auch darin liegen, dass die Fans ihrem Unmut auch mal energischer Luft machen.
Zur sportlichen Ausgangslage:
Vor dem Hintergrund der aktuellen finanziellen Situation scheint das Saisonziel direkter Wiederaufstieg vermutlich unausweichlich.
Ich persönlich halte diese Zielsetzung aber für falsch, und zwar aus folgenden Gründen:
1. Wir haben aktuell weder einen Trainer, noch eine zweitligareife Mannschaft. Leider hat die Erfahrung gezeigt, das wir auf dem Transfermarkt
eher träge agieren, sodass unser Kader vermutlich nicht sehr zeitnahe stehen wird.
2. Konkurrenz: die 2. Liga wird in der nächsten Saison bockstark und mit dem HSV, Schalke, D-dorf, Werder, mit Abstrichen Hannover und
Nürnberg streiten sich gleich 6 Vereine um 2 direkte Aufstiegsplätze. Hinzu könnte im Zweifel noch Köln kommen, und irgendeine
Überraschungsmannschaft taucht garantiert auch noch vorne auf.
Die Tatsache, dass sich quasi noch nie so viele große Namen gleichzeitig in der 2. Liga getummelt haben, dürfte zudem unsere Transfer-
Aktivitäten stark erschweren.
3. Finanzielles Risiko: Einen aufstiegsreifen Kader für einen direkten Wiederaufstieg auf die Beine zu stellen, bedarf entsprechender Investitionen
in den Kader. Geld, das Werder eigentlich nicht hat, und das uns in noch größere Schwierigkeiten stürzen könnte, wenn es am Ende schief geht
4. Nachhaltigkeit: Spätestens mit dem Abstieg muss allen Verantwortlichen bei Werder klar sein, dass der Verein ein langfristige Strategie braucht,
um wieder auf die Beine zu kommen. Es müssen dringend wieder Werte geschaffen werden, damit Bremen als Bundesligastandort wieder eine
Zukunft hat. Dazu muss dringend und schnellstmöglich in ein zeitgemäßes NLZ investiert werden. Die Streitigkeiten um den Standort müssen
schnellstens beigelegt werden. Nur durch die Ausbildung und den möglichst teuren Weiterverkauf von Talenten können wir unsere finanzielle
Zukunft sichern (sofern nicht doch noch ein Investor aus reiner Uneigennützigkeit seine Schatulle öffnet).
Damit einher muss eine massive Stärkung unserer Scouting-Abteilung gehen. Nichts gegen CF persönlich, aber dieser Posten muss von
jemandem mit absolutem Sachverstand besetzt werden und elementarer Bestandteil sowohl des NLZ, als auch der Kaderplanung werden.
5. Neuaufstellung der Führungsmannschaft: Wie o.g. geschildert scheint mir zumindest ein kurzfristiges Festhalten an FB alternativlos.
Weder darf aber sein Vertrag verlängert werden, noch darf MB noch einmal in den AR gewählt werden. Mag sein, dass die Jungs einen
Plan für die 2. Liga haben. Trotzdem stehen sie sinnbildlich für den Niedergang und nicht für den Neuaufbau des Vereins. Eine wirkliche
Aufbruchstimmung kann nur erzeugt werden, wenn auch die verantwortlichen Personen ausgetauscht werden!
Ingesamt würde ich für die Rückkehr in die 1. Liga einen 3-Jahreszeitraum einplanen. Wir müssen uns intern so verändern, dass wir überhaupt
erst einmal wieder ein tragfähiges Gerüst für ein Bestehen in der 1. Liga haben. Wir brauchen ein Fundament, auf dem wir aufbauen können, wenn wir nicht mittelfristig in der Bedeutungslosigkeit verschwinden wollen...