Versuch mal den Unionern blaue Trikots unterzujubeln, dann setzen die sich sofort an die Nähmaschine und machen ne eigene Kollektion, die sich auch verkaufen lässt.
Ja, es wird auf hohem Niveau gemeckert. In Afrika verhungern Kinder und ich reg mich über einen 100 Taschenrechner auf, den meine Tochter in der 6. Klasse unbedingt braucht? Was bin ich doch für ein schlechter Mensch!
Wenn der Preis für einen finanziell gesunden Verein eben so aussieht, daß man nicht mal gegen orange Rückennummern sein darf (von dem hirnvernrannten Spruch auf den Trikots will ich nicht mal reden, das erledigen 75jährige Rentner für mich) ohne daß einem gleich das Elend der Welt unter die Nase gerieben wird, dann läuft was verdammt falsch.
Ach Mensch, zum tausendsten Mal: Natürlich darf jeder für sich privat gegen orangene Rückennummern sein, bis er kotzt. Die Frage ist, ob man bestimmte Rückennummern doof findet (um nichts anderes geht es hier), oder ob man im Sinne hehrer, ideologischer Ziele, im Sinne von Vereinstradition und weil unser Verein sonst jegliche Identität einbüßt hier eine ideologische Kiste aufzieht, von der man so tut als sei sie von übergeordneter Bedeutung für den Fortbestand von Werders Identität. Sowas stinkt einfach.
Den Vergleich mit Afrika hast Du gebracht, nicht ich. Ich vergleiche Probleme, die man als Fan haben kann, und mit einem Protest gegen Rückennummerfarben sind wir bei anderen Vereinen vermutlich eher eine Kuriosität, um es nett auszudrücken.
Auch Du ziehst hier (obwohl Du es besser wissen müsstest!) das gute alte Klassenkampf-Klischee (schon sehr müffelig und abgegrabbelt inzwischen, das gute Ding) aus der Hüfte: Deiner Ansicht nach sind orangene Rückennummer nun also der Preis für einen finanziell gesunden Verein. Also evil, Kommerz, fanfeindlich, pfuibuh.
Dass es aber schlicht und einfach Argumente dafür gibt, so eine Entscheidung einfach mal zu tolerieren, sowas ist euch Protestlern scheinbar fremd. Im letzten Jahr war praktisch kein wahrnehmbares Orange in den Trikotsätzen, jetzt ist es einmal wieder anders, und schon wird so getan, als sei es ein kontinuierlich verfolgbarer Prozess hin zu einer dritten Vereinsfarbe. Und weil man schlecht gegen Event- oder Auswärtstrikot demonstrieren kann, müssen halt die Rückennummern das Böse sein.
Und alle machen sich immer sooo große Sorgen darum, wie wir anderswo wahrgenommen werden. Macht euch doch dann mal die Mühe und stellt euch unsere Double-Mannschaft vor, mit Micoud und Ailton, mit dem gebotenen Fußball und fußballerischen Sternstunden gegen Juve, nur statt des Papageientrikots mit dem abgrundtief hässlichen hellgrün-dunkelgrün-O-Tel-O-Trikot von 1996. Das Papageientrikot war damals im wahrsten Sinne des Wortes ein Farbtupfer, der (wie geplant) dafür gesorgt hat, dass Werder wahrgenommen und beachtet wird. Das muss man als Argument nicht für sich selbst wichtig finden, aber man kann es wenigstens als einen der Gründe für ein solches Trikot respektieren und tolerieren, statt sich dauernd nur darüber zu definieren, gegen etwas zu sein und sich nur dann als Fan zu fühlen, wenn es was zum Rumjammern gibt.