Der Bauunternehmer Peter Weber steht in seinem Büro vor einer Kamera und redet sich in Rage. „Wenn es keine Oppositionspartei wie die AfD geben würde, […] wie sähe es denn dann in dem Land aus?“, fragt er. „Ich spreche nicht von ‘nem Höcke, ich spreche nicht von ‘ner Identitären Bewegung oder vom völkischen Flügel. Nein, die Normalen.“ Würde es diese AfD nicht geben, poltert er, „dann hätten wir ‘ne Merkel, die uns dem Sozialismus preisgibt.“
Der 65-Jährige gestikuliert wild mit seiner linken Hand. In der rechten hält er ein Papier, von dem er zwischendurch abliest. Weber spricht von einer „Meinungsdiktatur dieser linken Politik“ und von „Medienzensur“. Und er ruft zum Kampf auf: „Das gewinnen wir nicht mit Abwarten, Skepsis und mit den Nörglern. Ich bitte euch, macht mit!“
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Neben Videoansprachen von Weber persönlich werden dort eingesandte Texte und Videos von seinen Fans und Unterstützern veröffentlicht. Es geht darin um Geflüchtete und Migranten (kriminell!), die Antifa (SA der Linksgrünen!) oder die Meinungsfreiheit (bedroht!).
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Seit September 2018 nimmt Peter Weber regelmäßig Videos auf. An seinem Schreibtisch sitzend oder beim Spaziergang durch den Wald beklagt er sich über die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, über die öffentlich-rechtlichen Medien, denen er Manipulation und Zensur vorwirft, über angeblich kriminelle Migranten in Deutschland. Und immer wieder darüber, in die rechte Ecke gestellt, gar als Rechtsextremist oder Nazi beschimpft zu werden. Er veröffentlicht außerdem Interviews, mit Alexander Mitsch etwa, dem Vorsitzenden der Werteunion, oder mit dem Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Der sagt im Gespräch mit Weber: „In Deutschland steht man heute fast schon unter Rassismusverdacht, wenn man einen festen Wohnsitz hat und einen Anzug trägt und einer geregelten Arbeit nachgeht.“
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„Hallo Meinung“ bietet jedoch auch rechtsextremen Personen und Einstellungen eine Bühne. Ein Beispiel dafür ist Brigitta Gerecke aus dem niedersächsischen Hameln. Gerecke tritt im Februar bei der „Runden Ecke“ in Berlin auf, regelmäßig veröffentlichen Peter Weber und „Hallo Meinung“ ihre Videos. Im jüngsten Video vom 4. März zieht sie über Geflüchtete und Migranten an der türkisch-griechischen Grenze her und erklärt, dass sie „den ganzen Corona-Kram für ein Ablenkungsmanöver“ halte. „Mag sein, dass dieser Virus sehr gefährlich ist“, sagt sie. Jedoch würden täglich Menschen „an dem Virus, der in Berlin sitzt, im Bundestag“ sterben. Um keinen Zweifel daran zu lassen, was sie damit meint, ergänzt sie: „Frau Merkel hat gewusst, dass diese Flüchtlingswelle auf uns zukommt.“ Gerecke verbreitet
die lange widerlegte Falschmeldung, täglich würde in Deutschland ein Mensch durch Asylbewerber getötet.