Bremen
Moderator
Das würde ich so nicht stehen lassen wollen. Als er anfing, war er auch Hansdampf in allen Gassen, sprang im Regionalfernsehen von Kamera zu Kamera, gab Interviews und ließ sich bei der Arbeit fotografieren. Zu der Zeit war auch er ein wenig "Uli Hoeness".

Korrekt, zusammen mit OR war er der Hauptakteur, der die graue Maus Werder zu einem nationalen Spitzenclub formte, der auch international für Furore sorgte. Und er war ein Stehauf-Männchen, trotz mancher schwerer Niederlage - nicht nur gegen die Bayern bzw. seinem Intim-Feind Uli Hoeneß, sondern auch als er sich in der TV-Debatte mit dem Spielerberater Holger Klemme sich eine "blutige Nase" holte.
Gemessen an den finanziellen Möglichkeiten war Werder in dieser Zeit äußert erfolgreich, so daß sein Standing schon sehr hoch war bzw. es heute wäre, wenn nicht durch mehrere Vorkommnisse dieser Stern zu sinken anfing. Ein paar Beispiele:Hätte Werder in dieser Zeit die Erfolge eingefahren wie die Bayern, hätte er hier mit Sicherheit ein anderes Standing
- Die im Spätsommer 1994 kursierenden Gerüchte, daß er die Verpflichtung von Effenberg blockiert hätte und somit das ohnehin das nicht mehr
so feste Tischtuch zwischen ihm und OR zerschnitten wurde.
- Bei Suche nach dem Nachfolger von OR war WL an Arsene Wenger dran, der jedoch seinen bis Dezember 1995 in Japan erfüllen wollte, so daß der Deal platzte, weil der Vorstand Böhmert/Fischer/Lemke/ nicht die Traute hatten, das halbe Jahr mit Kalli Kamp zu überbrücken, der in der Doppelfunktion Co-Trainer und Coach der Werder-Amateure sehr erfolgreich gewesen ist. Stattdessen folgten die Fehlgriffe, de Mos, Dörner, Sidka und Magath, was darin gipfelte, daß im Mai 1999 (einen Tag nach der Entlassung von Magath) der komplette Vorstand seinen Rücktritt ankündigte.
- Als einziger Werder-Offizieller sträubte er sich gegen den Kauf von Klose und wie von @JSFiVE bereits erwähnt, scheiterte an ihm beinahe die Sokratis-Verpflichtung.
- Sein wiederholtes verbales Nachtreten gegen Hoeneß, obwohl Werder sich schon längst aus der Spitzengruppe der Liga verabschiedet hatte bzw. er und Wurst-Uli keine direkten Rivalen mehr waren.
- WL personifiziert wie kaum ein Zweiter das Festhalten an veralteten Zöpfen, obwohl die Entwicklungen des Fußballgeschäfts diese längst überholt hat, sowie die Wagenburg-Mentalität, die a) für Selbstzufriendenheit und Betriebsbilndheit sorgt, wodurch b) daß nötige Maß an Selbstrefektion und Selbstkritik nicht stattfindet, so daß c) interne Baustellen nicht ausreichend behoben sowie d) ideelle Werte über unternehmerisch verantwortungsvollem Denken und Handeln gestellt werden, e) ein sachlicher Umgang mit öffentlicher Kritik größtenteils ebenso abgeblockt wird wie f) einen gesunde, leistungsfördernde Mischung aus internen und externen Kräften an den kaufmännischen und sportlichen Schaltstellen.
Diese Dinge hängen auch noch heute im November 2019 wie ein Damoklesschwert über Werder und tragen somit auch einen erheblichen Teil zu der aktuellen Misere bei, so mMn nicht ein paar Titel mehr, sondern v.g. die Gründe für sein nicht ganz so hohes Standing in der Gegenwart sind, wie es in Anbracht seiner überwiegend herausragenden Leistungen als Werder-Manager hätte sein können, wenn nicht sogar sein sollen.



