Also, ich persönlich finde diese Umfrageergebnisse gar nicht so an den Haaren herbeigezogen. Was ich in meinem Umfeld so höre............
Zum Beispiel habe ich Bekannte in Gelsenkirchen, die immer betonen, dass Werder zu den Sympathieträgern der Liga gehört. Ähnlicher Meinung sind auch Verwandte, die überwiegend Schalke, HSV oder Dortmund-Fans sind. Und die zahlreichen Bayern-Anhänger in meinem Landkreis, die sonst alles andere niedermachen, haben in der Regel den meisten Respekt vor Werder. Irgendwie sind wir nirgendwo so richtig verhasst. Auch diesen angeblich krassen Konflikt mit den Hamburgern spüre ich meist nur am Rande und ich arbeite sehr viel in Hamburg und Umgebung.
Andererseits wird Werder Bremen höchst selbst nicht müde, diese Sympathie-Rolle zu pflegen und ob das immer fördernd ist, lasse ich mal offen. Egal, was passiert, das Umfeld bleibt meist ruhig, Spieler laufen scheinbar an der langen Leine, haben kaum Konsequenzen zu befürchten. Es wird zwar ab und zu angekündigt, hier und da dazwischenzuhauen, den Kader auszumisten usw., letztlich bleibt es aber beim Reden. Bestimmte Probleme wie Hinrunden- und besonders Rückrundenstarts sowie schwache Spiele in der Vorbereitung wiederholen sich ein Jahrzehnt lang in schöner Regelmäßigkeit und der gemeine Fan fragt sich demzufolge allen Ernstes, ob sich damit tatsächlich auseinandergesetzt und dies analysiert wird. Für Außenstehende freilich bleibt dann der Eindruck der Kontinuität.
Und Werder bleibt sympathisch. Seit zwei Jahren werden wir auffällig oft von Schiedsrichtern benachteiligt, allein in der abgelaufenen Rückrunde führten 7 nicht gegebene berechtigte Elfmeter und falsche Abseits- oder Freistoßentscheidungen zum Verlust von 12 Punkten, während dem gegenüber 1 einziger Punkt, der in Hoffenheim, mit einer falschen Schieri-Entscheidung gerettet wurde, steht. Wehrt sich Werder dagegen? Nein, lieber wird das hingenommen, somit passiert es immer wieder. Nicht auszudenken, was z.Bsp. Wurst-Uli bei den Bayern in solchen Fällen für eine Theatralik hingelegt hätte.
Und Werder bleibt sympathisch. Die letzten drei Monate einmal (teilweise) ausgeklammert, schenken wir seit Jahren Spiele her, die deutlich dominiert, aber wegen offensiver Naivität und taktisch unkluger Spielweise nicht gewonnen werden. Und das in einer Anzahl, wie sie mE keinem europäischen Erstliga-Klub passiert, der sich im oberen Tabellendrittel festgesetzt hat. Mir wird oft richtig schlecht, wenn ich nach gewissen Partien die Ballbesitz, Torschuss, Chancen und Spielanteil-Statistiken lese und unter dem Strich die Ergebnisse betrachte. So bekamen die Gegner regelmäßig ihr Spektakel, schönen Fußball und ganz nebenbei durften sie ab und zu (unverdiente) Punkte einfahren. Mit einem Sieg, zwei Unentschieden und fünf Niederlagen in den acht Spielen gegen die letzten Vier haben wir diese Saison sogar eine echte (Sympathie-) Rolle im Abstiegskampf gespielt. Bloß nach den Hamburger Wochen dürften nun diese Werte bei den HSVern etwas mehr im Keller liegen.
Und Werder bleibt sympathisch. Die ausserordentliche Harmoniebedürftigkeit in unserem Verein steht über allem. So werden eventuelle Störfaktoren schnell im Keim erstickt, von Dannen gejagt wie Klasnic oder Wome, treten rasch zurück (Born), immer im Sinne der Beibehaltung des reizfreien Klimas. Jeder am Ende gute Saisonabschluss hält so (scheinbar) her zur Kaschierung von offensichtlichen Schwierigkeiten, die es zwischendurch gab. Bisher jeweils mit dem Resultat, dass sich diese Dinge in der folgenden Saison entweder wiederholten oder - siehe die abgelaufene Spielzeit - zur Verschlimmerung führten. Und es geht schon wieder los.
Zitat KA nach dem Pokalsieg: ,,Ein schöner Abschluss nach einer sehr guten Saison. Ich konnte vorher das ganze Gequatsche von einer verkorksten Saison nicht mehr hören. Wer in zwei Endspielen steht, war so schlecht nicht."
Wenn das die (anscheinend übliche) kritische Saisonauswertung ist, stehen uns vielleicht 09/10 schwere Zeiten bevor. Aber irgendwas inneres sagt mir, dass es so nicht kommt.
Und Werder bleibt sympathisch. So betonte bspw. Armin Veh stets nach jeder Klatsche in Stuttgart, die Werder 3x in Folge nach nahezu ähnlichen Mustern kassierte, dass der eigene Sieg zu hoch, Werder eine Klasse-Mannschaft sei usw. Oder Slomka, der Bremen vor jedem Spiel gegen Schalke über den Klee lobte und dann mit einer cleveren Spielweise die Punkte einheimste. Für mich bleibt da irgendwie der Eindruck einer gewissen Schleimermentalität, die dazu dient, den Gegner einzulullen und zu oft fiel Werder darauf rein. Hauptsache, wir sind sympathisch.
Ich sehe es wie @Klasnic17 und würde nicht so viel darauf geben.
Sicher kann es nicht das Ziel sein, mit Fussball verhindern, wie es Hertha BSC betrieb, die mit 161 erspielten Chancen (Werder 268!) und 16 weniger erzielten Toren als Werder 18 Punkte mehr holten, miese Sympathiewerte zu sammeln. Obwohl ich mir vorstellen kann, dass das den Berliner Fans ziemlich schnurz ist. Aber da ist mir unser Fussball dann doch viel lieber, allerdings etwas dazwischen wäre schon sinnvoll. Wir werden nun sehen, inwieweit die Probleme nach dieser bezeichnenden letzten Saison angegangen werden. Zumindest waren die von TS teilweise versuchten taktischen Änderungen von März bis Mai aus meiner Sicht schon mal erste Schritte in die richtige Richtung.