Ich habe den Anfang der Diskussion, der zu diesem Post geführt hat, nicht verfolgt. Deinen letzten Satz kann ich dessen ungeachtet so nicht stehen lassen. Hast Du Dich einmal ernsthaft damit beschäftigt, was eine Depression mit Menschen macht und wie sie deren Wahrnehmung und Denken verändert? Offensichtlich nicht. Sonst wüsstest Du, dass eine Depression dazu führen kann, dass Menschen eben nicht mehr in der Lage sind, ihre Situation objektiv zu betrachten und dass sie eben nicht mehr in der Lage sind, rational und eigenverantwortlich zu handeln. Für mich war das lange auch nicht vorstellbar, bis ich vor Jahren ein persönliches Schlüsselerlebnis hatte: ich habe die Erfahrung gemacht, dass es möglich ist, die Kontrolle über seinen Körper so sehr zu verlieren, dass man nicht mehr in der Lage ist, auch nur einen Fuß aus dem Bett zu setzen. Und zwar einen ganzen Tag lang nicht. Nicht, weil es mechanisch nicht geht, sondern weil der Kopf "NEIN" sagt. Das war für mich - zum Glück - eine einmalige Erfahrung, die ich nie wieder haben möchte. Und das ist mit Sicherheit bei Weitem nicht das, was jemand durchmachen dürfte, der an einer schweren Depression mit Suizidgedanken leidet. Von daher finde ich eine Aussage wie Deine für jeden, der an Depressionen leidet, einen Schlag ins Gesicht.
Es ist eine anerkannte Krankheit. Und ich finde leider, sie wird von vielen Menschen nicht als solche anerkannt oder mit dem nötigen Respekt behandelt.
Wenn du Angst hast das Haus zu verlassen, oder wie
@opalo beschrieben hat, nicht in der Lage bist das Bett zu verlassen, weil der Kopf einfach "blockiert", dann ist es einfach nur furchtbar.
Ich habe an anderer Stelle geschrieben, dass ich vor 15 Jahren auch an Depressionen litt, was aber zum Glück therapiert werden konnte. Dennoch habe ich noch lange Antidepressiva benötigt. Ich hatte unter anderem einfach Angst... Angst das Haus zu verlassen. Näher gehe ich nicht drauf ein... Wer das selber nie hatte, kann sich das nicht vorstellen.
Umso mehr war ich sehr betroffen vom Tod Robert Enkes. Es ist eine Krankheit, die weit verbreitet ist. Und es gehört sehr viel Empathie dazu wenn du mit Erkrankten sprichst, oder auch beruflich zu tun hast.
Wenn du daran erkrankt bist und einen Therapeuten suchst, dann findest du zwar viele Namen in den gelben Seiten. Wartezeiten von 4 Monaten sind aber das Minimum. Und das zeigt deutlich, wie verbreitet diese Krankheit ist.
Und man sollte mit Respekt davon reden.
Ich habe große Achtung vor Menschen, bei denen sie erfolgreich therapiert werden konnte.
Es ist nicht einfach mit einem Fremden (Therapeuten) so offen darüber zu reden. Mir fiel es damals sehr schwer. Konnte mit meiner Familie nicht darüber reden, weil die eine sehr konservative Einstellung zu dieser Krankheit hatte. Und es nicht als solche sah. Die sahen es als Schwäche (also war ich noch selber schuld...) und Therapie ist Spielerei etc....
Nun ja....

Mir wurde sehr geholfen und heute ist es mir eine Hilfe. Denn.... Viele meiner Patienten leiden auch unter Depressionen