Tja, wie pralle Europa zusammenhält sieht man ja aktuell wieder in der Coronakrise und der von dir angesprochene Brexit ist eben so ein Thema, das in den Medien fast nie kontrovers diskutiert wird. Brexit schlimm. Briten böse. Werden einen hohen Preis dafür zahlen etc. Weiß man das? Vielleicht heißt es hier in ein paar Jahren, dass die Briten noch gerade rechtzeitig den Absprung geschafft und alles richtig gemacht haben. Ich habe keine Ahnung, das hängt auch von Entscheidungen ab, die man dort jetzt und in den nächsten Jahren trifft. Dieser Johnson wirkt auf mich auch nicht besonders planvoll und strukturiert, keine Frage.Die Wirtschaft gerade der südländischen Euroländer lag auch schon vor Corona am Boden, Italien völlig. Eurobonds sind nichts anderes als eine Vergemeinschaftung der Schulden aller Länder. Das gerade Italien derzeit alles versucht, die Dinger einzuführen, ist aus deren Sicht verständlich, können sie sich doch so auf Kosten der nördlichen Euroländer "sanieren". Die Coronakrise und die verheerenden Bilder aus ihren Krankenhäusern benutzen sie dabei als Druckmittel bzw. wollen damit Mitleid erwecken.
Man kann wirklich nur hoffen, dass das nördliche Europa und ganz besonders Deutschland in dieser Sache hart bleibt. Ansonsten ist der Tag ganz nah, wo wir alle die Zeche bezahlen können, gerade die hohen Geldvermögen der Deutschen in Billionenhöhe wären dann Vergangenheit. Schon schlimm genug, das die italienischen Banken (deren Zusammenbruch kurz bevorsteht) bald den ESM plündern werden.
Ich verfluche den Tag noch heute, als einige Idioten aus Politik und Wirtschaft (vor allem Banken!) die Währungsunion und den Euro wollten, entgegen jeglicher wirtschaftlicher Vernunft. Die Quittung haben viele längst bekommen, das ganz bittere Ende kommt aber noch. Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, als das EU und Euro bald Vergangenheit wären. Das konnte nie funktionieren und das wird nie funktionieren. Es wird nie so etwas wie die "vereinigten Staaten von Europa" geben, weil diese Länder in jeglicher Hinsicht (Kultur, Wirtschaft, Sprache etc.) viel zu unterschiedlich sind und sich niemals auf grundlegende Dinge einigen werden können (die Sache mit der Flüchtlingsquote wurde sogar zum totalen Desaster).
GB hat mit seinem Austritt alles richtig gemacht, die skandinavischen Länder mit ihrer von vorneherein ablehnenden Haltung sowieso. Viele andere trafen die Entscheidung leider ohne die Zustimmung ihrer Bürger, wohlwissend warum. Nahezu jede Volksabstimmung wäre gegen die Euro-Einführung ausgefallen.
Aber mich stört es immer gewaltig, wenn Politik als "alternativlos" hingestellt wird. Das war so bei der Griechenland- Rettung, in der Flüchtlingskrise (obwohl sich da im Grunde alle Staaten Europas komplett anders/alternativ verhalten haben als Deutschland, selbst Schweden hat irgendwann eine Drehung um 180 Grad vollzogen) und jetzt bei Corona ist es wieder so. Mag ja auch sein, dass alles richtig läuft, weiß man aber erst hinterher. Mehr wirklich kontroverse Diskussionen würde ich mir aber schon wünschen, nicht immer nur den Einheitsbrei. Sehr viele Artikel über die Chancen der britischen Wirtschaft beim Brexit findet man nämlich nicht. Wie gesagt, ich bin kein Experte. Aber 7ch würde mir schon mehr Streitbarkeit der Medien gegenüber politischen Entscheidungen wünschen und ich kann mich auch erinnern, dass das früher so war. Auch im Bundestag gab es viel hitzigere und kontroversere Debatten. Ich denke da nur an die Volkszählung in den 80ern. Das war datenschutzrechtlich gar nichts im Vergleich zu heute und nun schlägt Herr Spahn eine Handydatenauswertung vor, natürlich nur im Sinne der Gesundheit alle, die so ziemlich alles an Datenschutzregelungen aushebelt und stößt dabei auf relativ wenig Gegenwind.
Aber "alternativlose" Politik findet man nur in Diktaturen. Dann brauchen wir gar kein Parlament mehr sondern nur ein Expertengremium, dass die Leitlinien festlegt und so kommt es mir heute schon vor.
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