Gesamtsituation der Mannschaft

Nachdem ich die Diskussionen hier längere Zeit nur lesend verfolgt habe ist der Frust über der aktuelle Situation bei mir mittlerweile dann doch so groß, dass ich auch mal wieder ein paar Gedanken loswerden muss. Bei dem, wass momentan alles schief läuft fragt man sich allerdings womit man überhaupt anfangen soll.....

Im Grunde müsste dieses Forum eigentlich um einen Thread erweitert werden, der da heisst "Gesamtsituation des Vereins". Denn für mich steht der gesamte Club aktuell an einem Scheideweg und einer dieser Wege führt momentan direkt zu einem vermutlich längeren Aufenthalt in Liga 2.
Doch warum ist das so? Liegt es an einer schlecht zusammengestellten Mannschaft? Am Verletzungspech? Am Trainer, der das Team nicht mehr
erreicht? An einem sehr begrenzten Budget? Wahrscheinlich trifft das alles ein bißchen zu, allerdings denke ich, dass die Ursachen für die nun seit Jahren anhaltende Talfahrt woanders liegen.

Wenn man nämlich mal in die Vergangenheit blickt, dann hat es Werder eigentlich immer ausgezeichnet, dass man in Krisenzeiten mutige Entscheidungen getroffen hat, die den Club im Anschluss über Jahre hinaus positiv geprägt haben.
So ging man z.B. nach dem Bundesliga-Abstieg 1980 ins Risiko, als man mit Fichtel und Kostedde 2 erfahrene Spieler für den sofortigen Wiederaufstieg verpflichtete. Kuno Klötzer war zuvor als Trainer bei der Hertha gescheitert, schaffte es aber in Bremen, die Truppe sofort auf Kurs
zu bringen. Rehagel machte den Aufstieg dann perfekt und die Vereinsführung war in der Folge so weitsichtig, dem Trainer umfangreiche Befugnisse zu gewähren, die den Club in den folgenden 10 Jahre in die Bundesliga-Spitze brachten.

Noch einschneidender war dann das Jahr 1999. Nach dem Abgang von Otto hatte man innerhalb von 4 Jahren gleich 4 Trainer verschlissen
(de Mos, Sidka, Dörner, Magath). Der Fußball hatte sich spätestens Anfang der 90er Jahre extrem weiterentwickelt. Der Libero war tot und keiner
der genannten Trainer schaffte es in der Folge, ein Team zu formen, das den Anforderungen des modernen Fußballs standhalten (ich sag nur: Viererkette) konnte. Aus der Not heraus übernahm dann Thomas Schaaf die Mannschaft und schaffte noch gerade so den Klassenerhalt.
Was aber folgte, war nichts weniger als eine Zäsur für den kompletten Verein: Das gesamte Präsidium hatte nämlich damals immerhin den
Weitblick zu erkennen, dass es komplett neuer Strukturen bedurfte, um Werder wieder langfristig erfolgreicher zu machen. Die Folge war der
Rücktritt der kompletten Führungsmannschaft, die Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft und die Installierung von Jürgen Born
als Vorsitzenden der Geschäftsführung.
Werder war damals einer der ersten deutschen Clubs überhaupt, die ihre Linzenzspielerabteilung in eine Kaptialgesellschaft ausgliederten. Eine Entscheidung, die damals von absoluter Weitsicht zeugte. Heute, 20 Jahre später, frage ich mich, wo dieser Weitblick geblieben ist.
In Zeiten, in denen von den ersten 10 Bundesliga-Teams ganze 9 (Ausnahme: Schalke, aber eigentlich auch nicht wirklich...) als Kapitalgesellschaften daherkommen und/oder Gelder über Investoren generieren, steht Werder da und tut sich dermaßen schwer, sich möglichen Investoren zu öffnen, dass es schon wehtut. Damals hatten wir übigens eine Führung, die diesem Begriff noch gerecht wurde....
Zu guter letzt hat es TS damals geschafft, mit der Raute eine Spielformation zu kreieren, die damals ein absolutes Novum darstellte. Unsere Abwehrprobleme haben wir, wenn man ehrlich ist, eigentlich nie wirklich in den Griff bekommen, das die Raute ermöglichte uns eine dermaßen
offensive Spielweise, die unsere Gegner jahrelang das Fürchten gelehrt hat.
Wie das dann aber so ist: wenn man zu lange an alten Zöpfen festhält, folgt unweigerlich der nächste Niedergang, sodass wir uns 2012/2013 abermals neu aufstellen mussten. Bekanntermaßen geht es seitdem sportlich immer weiter bergab und finanziell treten wir maximal auf der Stelle.
Und warum? Weil wir am Ende nicht wirklich Zöpfe abgeschnitten, sondern noch welche geflochten haben? Zwar sitzen mittlerweile auf ALLEN
strategisch wichtigen Posten ehemalige Spieler. Ich zumindest unterstelle den handelnden Personen dabei jetzt nicht automatisch Vetternwirtschaft.
Vielmehr glaube ich, dass es dem aktuell handelnden Personal an strategischer Weitsicht und Führungskompetenz fehlt.
Ich kann einem Clemens Fritz keinen Vorwurf machen, wenn er die Leitung der Scoutingabteilung angeboten bekommt. Es ist aber extrem kurzssichtig von FB, eine solch wichtigen Posten mit jemandem zu besetzen, der kaum Erfahrung hat. Und das auch noch vor dem Hintergrund,
dass wir ja unsere Talente wieder verstärkt selbst ausbilden wollen.
Was ich sagen will ist, dass kein einziges Mitglied der GF auch nur ansatzweise das Charisma und die Führungstärke z.B. eines Jürgen Borns hat.
Entsprechend wird der Verein eben auch nicht geführt, sondern maximal verwaltet! Es wird einfach auf allen Ebenen das Risiko gescheut, was dann eben dazu führt, dass z.B. bei Personalentscheidungen nicht die beste, sondern die vermeintlich einfachste und/oder günstigste Entscheidung getroffen wird.
Der Fisch stinkt also vom Kopf her, und das spiegelt sich am Ende des Tages eben auch in der Mannschaft wider. Da wird dann z.B. der Werder-Weg, nämlich verstärkt auf junge, entwicklungsfähige Talente zu setzen, komplett kontakariert, indem Spieler wie Toprak oder Sahin verpflichtet
werden, oder ein Pizarro noch mitgeschleppt wird und wir somit die älteste Mannschaft der Liga aufs Feld schicken.
Zudem berauben wir uns unserer wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit, indem wir bereits jetzt Geld für Transfers ausgeben, dass wir noch garnicht verdient haben. Nicht, dass ich einen Spieler wie Selke per se hier nicht sehen möchte, aber mir kann doch keiner erzählen, dass wir mit vernünftigem Scouting nicht einen ähnlichen Spielertypen zu besseren Konditionen hätten bekommen können. Auch hier wurde nicht mit Weitsicht agiert, sondern die vermeintlich naheliegendste Lösung umgesetzt.
Ebenso verhält es sich schließlich mit dem Trainer. Ich glaube nach wie vor nicht, das FK ein schlechter Trainer ist. De facto sind es aber nun einmal die Mechanismen des Geschäfts, die in anderen Clubs in ähnlichen Situationen längst zu einer Entlassung des Übungsleiters geführt hätten.
Nicht so bei uns! Und das hat auch hier mMn wieder damit zu tun, dass wir schlicht und ergreifend gar nicht darauf vorbereitet sind, den Trainer evtl. wechseln zu müssen. Es gibt einfach mal überhaupt keinen Plan B. Im Gegenteil, Baumann hat ja sogar mal sinngemäß gesagt (ich glaube, das war nach der Nouri-Entlassung...) dass er es für respeklos gegenüber dem jeweils aktuellen Trainer hält, wann man in kritischen Situation schon mögliche Alternativen prüft.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es für mich auf allen Ebenen im Club an der nötigen Konsequenz fehlt unbequeme Entscheidungen zu treffen und einen Plan auch zu verfolgen. Stattdessen wird uns die offensichtliche Handlungsunfähigkeit noch als Standfestigkeit verkauft.
Wenn wir also aus unserer nun 10 Jahre andauernden Talfahr rauskommen wollen, geht das mMn wieder nur über einen kompletten Neustart
auf allen Ebenen. Vermutlich leider in der 2. Liga....
Besser kann man es nicht zusammenfassen @Werder-Mir.
Und man wünscht sich, dass es "oben" in Aufsichtsrat und GF ankommen möge. Das Bittere ist doch dass man weder Bode, noch Baumann oder Fritz das Herz und Engagement absprechen kann.
Aber eben die Umsetzung ist grausig. Wir brauchen dringend Input... Sonst saufen wir a la Kaiserslautern komplett ab
 
Nachdem ich die Diskussionen hier längere Zeit nur lesend verfolgt habe ist der Frust über der aktuelle Situation bei mir mittlerweile dann doch so groß, dass ich auch mal wieder ein paar Gedanken loswerden muss. Bei dem, wass momentan alles schief läuft fragt man sich allerdings womit man überhaupt anfangen soll.....

Im Grunde müsste dieses Forum eigentlich um einen Thread erweitert werden, der da heisst "Gesamtsituation des Vereins". Denn für mich steht der gesamte Club aktuell an einem Scheideweg und einer dieser Wege führt momentan direkt zu einem vermutlich längeren Aufenthalt in Liga 2.
Doch warum ist das so? Liegt es an einer schlecht zusammengestellten Mannschaft? Am Verletzungspech? Am Trainer, der das Team nicht mehr
erreicht? An einem sehr begrenzten Budget? Wahrscheinlich trifft das alles ein bißchen zu, allerdings denke ich, dass die Ursachen für die nun seit Jahren anhaltende Talfahrt woanders liegen.

Wenn man nämlich mal in die Vergangenheit blickt, dann hat es Werder eigentlich immer ausgezeichnet, dass man in Krisenzeiten mutige Entscheidungen getroffen hat, die den Club im Anschluss über Jahre hinaus positiv geprägt haben.
So ging man z.B. nach dem Bundesliga-Abstieg 1980 ins Risiko, als man mit Fichtel und Kostedde 2 erfahrene Spieler für den sofortigen Wiederaufstieg verpflichtete. Kuno Klötzer war zuvor als Trainer bei der Hertha gescheitert, schaffte es aber in Bremen, die Truppe sofort auf Kurs
zu bringen. Rehagel machte den Aufstieg dann perfekt und die Vereinsführung war in der Folge so weitsichtig, dem Trainer umfangreiche Befugnisse zu gewähren, die den Club in den folgenden 10 Jahre in die Bundesliga-Spitze brachten.

Noch einschneidender war dann das Jahr 1999. Nach dem Abgang von Otto hatte man innerhalb von 4 Jahren gleich 4 Trainer verschlissen
(de Mos, Sidka, Dörner, Magath). Der Fußball hatte sich spätestens Anfang der 90er Jahre extrem weiterentwickelt. Der Libero war tot und keiner
der genannten Trainer schaffte es in der Folge, ein Team zu formen, das den Anforderungen des modernen Fußballs standhalten (ich sag nur: Viererkette) konnte. Aus der Not heraus übernahm dann Thomas Schaaf die Mannschaft und schaffte noch gerade so den Klassenerhalt.
Was aber folgte, war nichts weniger als eine Zäsur für den kompletten Verein: Das gesamte Präsidium hatte nämlich damals immerhin den
Weitblick zu erkennen, dass es komplett neuer Strukturen bedurfte, um Werder wieder langfristig erfolgreicher zu machen. Die Folge war der
Rücktritt der kompletten Führungsmannschaft, die Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft und die Installierung von Jürgen Born
als Vorsitzenden der Geschäftsführung.
Werder war damals einer der ersten deutschen Clubs überhaupt, die ihre Linzenzspielerabteilung in eine Kaptialgesellschaft ausgliederten. Eine Entscheidung, die damals von absoluter Weitsicht zeugte. Heute, 20 Jahre später, frage ich mich, wo dieser Weitblick geblieben ist.
In Zeiten, in denen von den ersten 10 Bundesliga-Teams ganze 9 (Ausnahme: Schalke, aber eigentlich auch nicht wirklich...) als Kapitalgesellschaften daherkommen und/oder Gelder über Investoren generieren, steht Werder da und tut sich dermaßen schwer, sich möglichen Investoren zu öffnen, dass es schon wehtut. Damals hatten wir übigens eine Führung, die diesem Begriff noch gerecht wurde....
Zu guter letzt hat es TS damals geschafft, mit der Raute eine Spielformation zu kreieren, die damals ein absolutes Novum darstellte. Unsere Abwehrprobleme haben wir, wenn man ehrlich ist, eigentlich nie wirklich in den Griff bekommen, das die Raute ermöglichte uns eine dermaßen
offensive Spielweise, die unsere Gegner jahrelang das Fürchten gelehrt hat.
Wie das dann aber so ist: wenn man zu lange an alten Zöpfen festhält, folgt unweigerlich der nächste Niedergang, sodass wir uns 2012/2013 abermals neu aufstellen mussten. Bekanntermaßen geht es seitdem sportlich immer weiter bergab und finanziell treten wir maximal auf der Stelle.
Und warum? Weil wir am Ende nicht wirklich Zöpfe abgeschnitten, sondern noch welche geflochten haben? Zwar sitzen mittlerweile auf ALLEN
strategisch wichtigen Posten ehemalige Spieler. Ich zumindest unterstelle den handelnden Personen dabei jetzt nicht automatisch Vetternwirtschaft.
Vielmehr glaube ich, dass es dem aktuell handelnden Personal an strategischer Weitsicht und Führungskompetenz fehlt.
Ich kann einem Clemens Fritz keinen Vorwurf machen, wenn er die Leitung der Scoutingabteilung angeboten bekommt. Es ist aber extrem kurzssichtig von FB, eine solch wichtigen Posten mit jemandem zu besetzen, der kaum Erfahrung hat. Und das auch noch vor dem Hintergrund,
dass wir ja unsere Talente wieder verstärkt selbst ausbilden wollen.
Was ich sagen will ist, dass kein einziges Mitglied der GF auch nur ansatzweise das Charisma und die Führungstärke z.B. eines Jürgen Borns hat.
Entsprechend wird der Verein eben auch nicht geführt, sondern maximal verwaltet! Es wird einfach auf allen Ebenen das Risiko gescheut, was dann eben dazu führt, dass z.B. bei Personalentscheidungen nicht die beste, sondern die vermeintlich einfachste und/oder günstigste Entscheidung getroffen wird.
Der Fisch stinkt also vom Kopf her, und das spiegelt sich am Ende des Tages eben auch in der Mannschaft wider. Da wird dann z.B. der Werder-Weg, nämlich verstärkt auf junge, entwicklungsfähige Talente zu setzen, komplett kontakariert, indem Spieler wie Toprak oder Sahin verpflichtet
werden, oder ein Pizarro noch mitgeschleppt wird und wir somit die älteste Mannschaft der Liga aufs Feld schicken.
Zudem berauben wir uns unserer wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit, indem wir bereits jetzt Geld für Transfers ausgeben, dass wir noch garnicht verdient haben. Nicht, dass ich einen Spieler wie Selke per se hier nicht sehen möchte, aber mir kann doch keiner erzählen, dass wir mit vernünftigem Scouting nicht einen ähnlichen Spielertypen zu besseren Konditionen hätten bekommen können. Auch hier wurde nicht mit Weitsicht agiert, sondern die vermeintlich naheliegendste Lösung umgesetzt.
Ebenso verhält es sich schließlich mit dem Trainer. Ich glaube nach wie vor nicht, das FK ein schlechter Trainer ist. De facto sind es aber nun einmal die Mechanismen des Geschäfts, die in anderen Clubs in ähnlichen Situationen längst zu einer Entlassung des Übungsleiters geführt hätten.
Nicht so bei uns! Und das hat auch hier mMn wieder damit zu tun, dass wir schlicht und ergreifend gar nicht darauf vorbereitet sind, den Trainer evtl. wechseln zu müssen. Es gibt einfach mal überhaupt keinen Plan B. Im Gegenteil, Baumann hat ja sogar mal sinngemäß gesagt (ich glaube, das war nach der Nouri-Entlassung...) dass er es für respeklos gegenüber dem jeweils aktuellen Trainer hält, wann man in kritischen Situation schon mögliche Alternativen prüft.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es für mich auf allen Ebenen im Club an der nötigen Konsequenz fehlt unbequeme Entscheidungen zu treffen und einen Plan auch zu verfolgen. Stattdessen wird uns die offensichtliche Handlungsunfähigkeit noch als Standfestigkeit verkauft.
Wenn wir also aus unserer nun 10 Jahre andauernden Talfahr rauskommen wollen, geht das mMn wieder nur über einen kompletten Neustart
auf allen Ebenen. Vermutlich leider in der 2. Liga....

:tnx:
Klasse die Zusammenfassung der Problemfelder und auch der Hinweis mit der Thread -Erweiterung um "Gesamtsituation des Vereins"!!
:top:
 
Alles gut.
Dennoch finde ich es relativ einfach als Ex-Spieler etwas zu kritisieren ohne wirklich Einblick zu haben bzw. selbst mal im operativen Geschäft tätig zu sein (Das kannst du in einem Fussballforum machen :D ).

Gerade Basler kann ich mir gar nicht mehr anhören, der haut nur noch raus um rauszuhauen, ganz fürchterlich.
Mal ganz davon abgesehen, dass sich unsere "Führung" von diesen Meinungen eh nichts anzunehmen scheint.

Es kommt darauf an, wer, wie, was und wann äußert. Ich glaube schon, dass es Spieler gibt die Einblick hatten und auch noch haben.
Die Kritik so zum Ausdruck bringen, dass es glaubhaft und nicht oberlehrerhaft vermittelt wird.
 
Nachdem ich die Diskussionen hier längere Zeit nur lesend verfolgt habe ist der Frust über der aktuelle Situation bei mir mittlerweile dann doch so groß, dass ich auch mal wieder ein paar Gedanken loswerden muss. Bei dem, wass momentan alles schief läuft fragt man sich allerdings womit man überhaupt anfangen soll.....

Im Grunde müsste dieses Forum eigentlich um einen Thread erweitert werden, der da heisst "Gesamtsituation des Vereins". Denn für mich steht der gesamte Club aktuell an einem Scheideweg und einer dieser Wege führt momentan direkt zu einem vermutlich längeren Aufenthalt in Liga 2.
Doch warum ist das so? Liegt es an einer schlecht zusammengestellten Mannschaft? Am Verletzungspech? Am Trainer, der das Team nicht mehr
erreicht? An einem sehr begrenzten Budget? Wahrscheinlich trifft das alles ein bißchen zu, allerdings denke ich, dass die Ursachen für die nun seit Jahren anhaltende Talfahrt woanders liegen.

Wenn man nämlich mal in die Vergangenheit blickt, dann hat es Werder eigentlich immer ausgezeichnet, dass man in Krisenzeiten mutige Entscheidungen getroffen hat, die den Club im Anschluss über Jahre hinaus positiv geprägt haben.
So ging man z.B. nach dem Bundesliga-Abstieg 1980 ins Risiko, als man mit Fichtel und Kostedde 2 erfahrene Spieler für den sofortigen Wiederaufstieg verpflichtete. Kuno Klötzer war zuvor als Trainer bei der Hertha gescheitert, schaffte es aber in Bremen, die Truppe sofort auf Kurs
zu bringen. Rehagel machte den Aufstieg dann perfekt und die Vereinsführung war in der Folge so weitsichtig, dem Trainer umfangreiche Befugnisse zu gewähren, die den Club in den folgenden 10 Jahre in die Bundesliga-Spitze brachten.

Noch einschneidender war dann das Jahr 1999. Nach dem Abgang von Otto hatte man innerhalb von 4 Jahren gleich 4 Trainer verschlissen
(de Mos, Sidka, Dörner, Magath). Der Fußball hatte sich spätestens Anfang der 90er Jahre extrem weiterentwickelt. Der Libero war tot und keiner
der genannten Trainer schaffte es in der Folge, ein Team zu formen, das den Anforderungen des modernen Fußballs standhalten (ich sag nur: Viererkette) konnte. Aus der Not heraus übernahm dann Thomas Schaaf die Mannschaft und schaffte noch gerade so den Klassenerhalt.
Was aber folgte, war nichts weniger als eine Zäsur für den kompletten Verein: Das gesamte Präsidium hatte nämlich damals immerhin den
Weitblick zu erkennen, dass es komplett neuer Strukturen bedurfte, um Werder wieder langfristig erfolgreicher zu machen. Die Folge war der
Rücktritt der kompletten Führungsmannschaft, die Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft und die Installierung von Jürgen Born
als Vorsitzenden der Geschäftsführung.
Werder war damals einer der ersten deutschen Clubs überhaupt, die ihre Linzenzspielerabteilung in eine Kaptialgesellschaft ausgliederten. Eine Entscheidung, die damals von absoluter Weitsicht zeugte. Heute, 20 Jahre später, frage ich mich, wo dieser Weitblick geblieben ist.
In Zeiten, in denen von den ersten 10 Bundesliga-Teams ganze 9 (Ausnahme: Schalke, aber eigentlich auch nicht wirklich...) als Kapitalgesellschaften daherkommen und/oder Gelder über Investoren generieren, steht Werder da und tut sich dermaßen schwer, sich möglichen Investoren zu öffnen, dass es schon wehtut. Damals hatten wir übigens eine Führung, die diesem Begriff noch gerecht wurde....
Zu guter letzt hat es TS damals geschafft, mit der Raute eine Spielformation zu kreieren, die damals ein absolutes Novum darstellte. Unsere Abwehrprobleme haben wir, wenn man ehrlich ist, eigentlich nie wirklich in den Griff bekommen, das die Raute ermöglichte uns eine dermaßen
offensive Spielweise, die unsere Gegner jahrelang das Fürchten gelehrt hat.
Wie das dann aber so ist: wenn man zu lange an alten Zöpfen festhält, folgt unweigerlich der nächste Niedergang, sodass wir uns 2012/2013 abermals neu aufstellen mussten. Bekanntermaßen geht es seitdem sportlich immer weiter bergab und finanziell treten wir maximal auf der Stelle.
Und warum? Weil wir am Ende nicht wirklich Zöpfe abgeschnitten, sondern noch welche geflochten haben? Zwar sitzen mittlerweile auf ALLEN
strategisch wichtigen Posten ehemalige Spieler. Ich zumindest unterstelle den handelnden Personen dabei jetzt nicht automatisch Vetternwirtschaft.
Vielmehr glaube ich, dass es dem aktuell handelnden Personal an strategischer Weitsicht und Führungskompetenz fehlt.
Ich kann einem Clemens Fritz keinen Vorwurf machen, wenn er die Leitung der Scoutingabteilung angeboten bekommt. Es ist aber extrem kurzssichtig von FB, eine solch wichtigen Posten mit jemandem zu besetzen, der kaum Erfahrung hat. Und das auch noch vor dem Hintergrund,
dass wir ja unsere Talente wieder verstärkt selbst ausbilden wollen.
Was ich sagen will ist, dass kein einziges Mitglied der GF auch nur ansatzweise das Charisma und die Führungstärke z.B. eines Jürgen Borns hat.
Entsprechend wird der Verein eben auch nicht geführt, sondern maximal verwaltet! Es wird einfach auf allen Ebenen das Risiko gescheut, was dann eben dazu führt, dass z.B. bei Personalentscheidungen nicht die beste, sondern die vermeintlich einfachste und/oder günstigste Entscheidung getroffen wird.
Der Fisch stinkt also vom Kopf her, und das spiegelt sich am Ende des Tages eben auch in der Mannschaft wider. Da wird dann z.B. der Werder-Weg, nämlich verstärkt auf junge, entwicklungsfähige Talente zu setzen, komplett kontakariert, indem Spieler wie Toprak oder Sahin verpflichtet
werden, oder ein Pizarro noch mitgeschleppt wird und wir somit die älteste Mannschaft der Liga aufs Feld schicken.
Zudem berauben wir uns unserer wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit, indem wir bereits jetzt Geld für Transfers ausgeben, dass wir noch garnicht verdient haben. Nicht, dass ich einen Spieler wie Selke per se hier nicht sehen möchte, aber mir kann doch keiner erzählen, dass wir mit vernünftigem Scouting nicht einen ähnlichen Spielertypen zu besseren Konditionen hätten bekommen können. Auch hier wurde nicht mit Weitsicht agiert, sondern die vermeintlich naheliegendste Lösung umgesetzt.
Ebenso verhält es sich schließlich mit dem Trainer. Ich glaube nach wie vor nicht, das FK ein schlechter Trainer ist. De facto sind es aber nun einmal die Mechanismen des Geschäfts, die in anderen Clubs in ähnlichen Situationen längst zu einer Entlassung des Übungsleiters geführt hätten.
Nicht so bei uns! Und das hat auch hier mMn wieder damit zu tun, dass wir schlicht und ergreifend gar nicht darauf vorbereitet sind, den Trainer evtl. wechseln zu müssen. Es gibt einfach mal überhaupt keinen Plan B. Im Gegenteil, Baumann hat ja sogar mal sinngemäß gesagt (ich glaube, das war nach der Nouri-Entlassung...) dass er es für respeklos gegenüber dem jeweils aktuellen Trainer hält, wann man in kritischen Situation schon mögliche Alternativen prüft.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es für mich auf allen Ebenen im Club an der nötigen Konsequenz fehlt unbequeme Entscheidungen zu treffen und einen Plan auch zu verfolgen. Stattdessen wird uns die offensichtliche Handlungsunfähigkeit noch als Standfestigkeit verkauft.
Wenn wir also aus unserer nun 10 Jahre andauernden Talfahr rauskommen wollen, geht das mMn wieder nur über einen kompletten Neustart
auf allen Ebenen. Vermutlich leider in der 2. Liga....
gut getroffen - der entscheidende fehler war die intrige gegen born und der folgende abgang - von da an gings bergab - ich vergleiche die wirtschaftspolitik und weitsicht bei werder immer gern mit der führung der stadt bremen - man kann vielleicht auch sagen, daß zuviel SPD mit redet - so unbeliebt es sein mag, aber wirtschaftliche kompetenz liegt eher bei der CDU und da waren born und eichin eher angesiedelt, die beide weg mußten - weitere kompetenz sehe ich nicht - die fatale realität erleben wir ja jede woche, daß uns die mannschaft erzählt, was sie falsch oder gar nicht gemacht haben, daß sie aber bestimmt im nächsten spiel alles tuen wollen, um das ruder rum zu reißen und vor allem auch dem trainer endlich den gefallen zu tuen, kämpfen, spielen und siegen - nur es passiert eben nicht, wenn es darauf ankommt! oder vielleicht doch jetzt, wenn die dicken brocken vor der tür stehen?
 
Nouri hat den Typen schon kritiesiert und jetzt reagieren die Verantwortlichen erst:denk::lol: Den Standarttrainer, hätte ich auch schon lange vor der Tür gesetzt:kommmalher:

Sehe ich auch so..

Vor allem verstehe ich heute noch nicht, warum man nach dem (Fitness)Desaster damals diesen Mann (Dörrfuß) nach Nouris Rausschmiss wieder zu den Profis holte. Kohfeldt war doch damals als Skripnik-Co dabei, hat er denn nichts aus der Sache gelernt? Das ist eigentlich fast schon unglaublich!

Natürlich sehe ich seine erneute Degradierung jetzt positiv, befürchte aber, das sie zu spät kommt. Zu groß ist schon der Schaden, den dieser Mann mit angerichtet hat. Nicht nur durch die offensichtlichen Fehler in der Reha, sondern auch der allgemeine Fitnesszustand ist nicht gerade berauschend.
 
Sehe ich auch so..

Vor allem verstehe ich heute noch nicht, warum man nach dem (Fitness)Desaster damals diesen Mann (Dörrfuß) nach Nouris Rausschmiss wieder zu den Profis holte. Kohfeldt war doch damals als Skripnik-Co dabei, hat er denn nichts aus der Sache gelernt? Das ist eigentlich fast schon unglaublich!

Natürlich sehe ich seine erneute Degradierung jetzt positiv, befürchte aber, das sie zu spät kommt. Zu groß ist schon der Schaden, den dieser Mann mit angerichtet hat. Nicht nur durch die offensichtlichen Fehler in der Reha, sondern auch der allgemeine Fitnesszustand ist nicht gerade berauschend.
Naja, jetzt setzt er wenigstens den richtigen Grundstock und Aufbau in der Jugend!:ugly:
 
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