und nun noch ergänzend dazu, weil ich hierzu das dortmundspiel auch noch abwarten wollte. mit einem sieg hätte ich da nicht gerechnet, allerdings mit einer klar erkennbaren spielerischen leistungssteigerung. weil das problem mittlerweile von fehlendem rhythmus abgesehen vorallem mentaler natur ist. man verkrampft, ist verkopft und wer fußball verfolgt oder selbst schon gespielt hat, der weiß was für einen riesigen unterschied fehlendes selbstvertrauen ausmacht. nun kann man natürlich sagen, dass es auch trainersache ist, die mannschaft wieder aufzurichten. das ist aber deutlich schwieriger als man glaubt und die einflussmöglichkeiten ab einem gewissen zeitpunkt immer geringer. was werder diese saison widerfahren ist an rückschlägen, insbesondere die krasse verletzungsproblematik, die dann mit fehlenden automatismen und daraus resultierenden ausbleibenden ergebnissen einherging, ist für mich beispiellos. soetwas habe ich noch nicht erlebt. und das soll ausgerechnet ein talentierter trainer ohne große erfahrung handeln? das ist eine mammutaufgabe, wohlgemerkt mit einem durchschnittlichen kader, der durch verletzungen zeitweise zum kader eines klaren abstiegskandidaten wurde, der nicht einmal ein selbstverständnis für sich entwickeln konnte, da jede woche die mannschaft umgestellt werden musste. wer bei dem thema "verletzungen" übrigens wieder in versuchung kommt "ausrede" zu rufen, der begreift einfach nicht, dass es durch und durch fundamental ist, dass sich eine mannschaft finden und einen rhythmus für sich entwickeln kann. das ist das a und o des zusammenspiels. da geht es eben bei weitem nicht nur darum, dass dir qualitativ im hinblick auf einzelspieler etwas wegfällt.
das hat sich alles so dermaßen potentiert: von verletzungen, über das ausbleiben von automatismen, mentalen rückschlägen durch weitere verletzungen und dann ausbleibenden ergebnissen hin zur absoluten verunsicherung. gestern fiel das alles weg: kein abstiegskampf, kein krampf, nichts zu verlieren. und schon wird alles flüssiger, das selbsvertrauen ist da, die kombinationen sind da, das timing für die zweikämpfe, der klare blick nach balleroberung. und dann sieht man, was mit dieser mannschaft inklusive dieses trainers drin ist. übersteht kohfeldt diese phase, werden wir hier einen besseren trainer als zuvor an der seitenlinie haben. einen der eine beispiellose krise überwunden hat, dadurch einen enormen gewinn an erfahrung und know how für den umgang mit schwierigen situationen.
ich will übrigens kohfeldt mitnichten freisprechen von fehlern oder von einer mitschuld an der situation: ob da auch einiges an der belastungssteuerung im training lag, weiß ich nicht. allerdings zeigte sich kohfeldt von der krise auch nicht unberührt. warf die eigene spielidee für den abstiegskampf über bord als die ergebnisse ausblieben, weil er nicht mehr darin vertraute, dass das zu resultaten führen würde. man wurde in der spielanlage immer reakiver um dann vermeintlich kompakter zu stehen. man überlies dem gegner mehr und mehr das spiel und beschränkte sich auf vorsichtig geführte konter. nach vorne ging nun gar nichts mehr. nein: diese mannschaft hat sich bei kohfeldt über 1,5 jahre etwas erarbeitet, was sie immer noch am besten kann. vernünftiges ballbesitzspiel mit entsprechenden ballbesitzphasen, variierendes pressing, das zumeist nach vorne ausgerichtet ist. gibt man das auf, gibt man seine stärken auf. für mich auch nicht verwunderlich, dass die erste halbzeit gestern stärker war als die zweite. in der zweiten wurde mir der fokus wieder zu sehr auf schnelles konterspiel gelegt, als es doch immer mal wieder möglichkeiten gab, den ball in den eigenen reihen zirkulieren zu lassen. das hat werder in halbzeit eins so stark gemacht. für mich auch nicht verwunderlich, dass das 3:1 dann doch wieder aus einer ruhig geführten ballbesitzphase mit plötzlichem tempoanstieg resultierte. oder tor nummer 1 durch schnell und aggressiv geführtes gegenpressing am 16er der dortmunder. das ist es, was werder kann und das ist kohfeldts verdienst. genau da muss man wieder hinfinden.
ich schreibe das nun extra noch schnell vor dem spiel gegen union berlin, da ich mir gut vorstellen kann, dass man hier wieder mit dem abstiegsgespenst im kopf verkrampft, einfachste situationen kompliziert oder wackelig ausgeführt vermasselt. ich bin gespannt. es wird wahnsinnig wichtig sein, gut in dieses spiel hereinzukommen. am besten mit frühem tor um das gewonnene selbstvertrauen aus dem dortmundspiel aufblühen lassen zu können.
noch abschließend: will werder mal wieder einen herausragenden trainer an der seitenlinie stehen haben, ist der aktuelle weg mit einem bisher unerfahrenen, aber sehr talentierten trainer der wahrscheinlichste. da muss man aber in kauf nehmen, dass in der anfangsphase eben jene unerfahrenheit zum problem werden kann. wurde es unter ihm auch in phasen schon letzte saison, konfrontiert mit einer fast schon unwirklichen anreihung von nackenschlägen nun aber umso mehr. ja, werder muss spieler entwickeln, trainer aber ebenso. einen fertigen toptrainer, der dies auch schon auf niveau bundesliga nachgewiesen hat, wird man niemals bekommen. soviel ist klar. trainer, die erfahrungen in topligen gesammelt haben, bekommt man im besten fall auf dem niveau "solide". wundertrainer wie nagelsmann tauchen hingegen vielleicht einmal alle 10 jahre auf. sichtbar sehr talentierte trainer auch viel seltener als man vielleicht glaubt. solch einen hat werder aber gerade. zudem mit dem riesigen bonus, dass dieser fan vom verein ist und ihn daher auch bei erstem offensichtlich sichtbarem erfolg nicht in richtung größerer club verlassen würde. für mich ist das eine einmalige chance jemanden an der seitenlinie stehen zu haben, der mit steigender erfahrung ein herausragendes niveau erreichen und mit werder etwas aufbauen kann. und ich möchte nicht, dass man diese chance wegwirft, in der hoffnung auf einen kurzen, neuen impuls durch einen neuen trainer.