Eichin war als Manager keine große Koryphäe. Der hat hier halt immer noch seine Groupies, weil er denen, die schon in der Champions League "Trainer Raus" krakeelt haben, wenn es nicht zum Viertelfinale reichte, ihren großen Lebenstraum erfüllt hat. Das sind dann auch die Leute, die allen Ernstes ironisch vom "bestellten Feld" sprechen, das Eichin hinterlassen wurde. Es passt natürlich so gar nicht ins Weltbild, dass der Superdupermanager Eichin ausgerechnet vom verteufelten Allofs profitiert haben könnte. Das MUSS dann ja eine lächerliche Behauptung von KA gewesen sein. Der Verein hatte unter KA/TS aber einen hohen 8-stelligen Betrag an Rücklagen gebildet (komisch, dass das ging, wo die beiden - wenn man dem Forum glauben schenken darf - doch so ziemlich alles falsch gemacht haben, was man falsch machen kann), die TE mal eben so durchbringen durfte - das Märchen vom "Sanierer" Eichin, der ach so viel sparen musste, ist eben nur ein Märchen. Er musste nie ein nennenswertes Transferplus erwirtschaften und durfte auch in jeder Winterpause nochmal auf Shoppingtour gehen, so ein komfortables Leben wünscht sich jeder Bundesligamanager, der wirklich mal einen Verein sanieren muss. Eichin hat nicht saniert sondern investiert, und das auch noch schlecht. Am Ende hatte er einen Kader zusammengebaut, der nicht weniger Ausmistungsbedürftig war als vorher. Johansson, Hajrovic, Kleinheisler, Yatabaré, Galvez, Lukimya, Wolf, und so weiter. Auch alle mit dicken Verträgen ausgestattet. Das ist dann auch eine Visitenkarte, und zwar eine katastrophale. Werder kann in der Zukunft gerne wieder auf eine externe Lösung setzen, aber bitte nie wieder auf den.
Trotzdem hält sich hier beharrlich die Legende, dass unter Eichin alles besser geworden wäre. Fußball ist halt auch eine emotionale Sache. Wenn dann jemand die Geschicke des geliebten Vereins führt, der einem von der Art her irgendwie so gar nicht gefällt, findet man schon irgendwelche Argumente um das eigene Bauchgefühl zu bestätigen. Frank Baumann ist kein Typ, der Leute mit markigen Sprüchen mitreißen kann. Er kann auch schlecht als Galeonsfigur des Vereins funktionieren, weil er sich selbst nicht so geschickt aus der Verantwortung stiehlt wie andere Manager (Eichin ist es nie gelungen, einen erfolgreichen Trainer zu installieren, aber was bleibt in Erinnerung? Der "Aufräumer", der Schaaf und Dutt gefeuert hat und auch Skripnik geschasst hätte, wenn der treudoofe Verein ihn nur gelassen hätte; dann wäre schon alles besser geworden, denn erfahrungsgemäß wird ein Verein dadurch gut, möglichst viele schlechte Leute zu feuern, die Fähigkeit gute zu holen wird völlig überbewertet). Das geht ihm völlig ab und damit bleibt bei jedem Misserfolg viel mehr an ihm persönlich hängen.
Das wäre alles nicht so schlimm, wenn die Ergebnisse unterm Strich so wären, dass man die Kritik einfach damit abtun könnte, dass ihm nur das "kernige Macherimage" zur Akzeptanz fehlt. Es sind einfach auch grobe handwerkliche Fehler gemacht worden. Unser ganzes System basiert darauf, dass Bargfrede und Füllkrug 34 Spieltage in der Startelf stehen können. Um die beiden herum können wir flexibel viele Spielsysteme, jeden anderen Einzelspieler könnte man irgendwie ersetzen, aber ohne die beiden stehen wir mit jedem System nackig da. Dann sind wir vorne ziellos und werden im Mittelfeld so überrannt, dass unsere Abwehr ständig unter Druck steht und irgendwann wie ein Kartenhaus zusammenbricht. Das klingt natürlich nicht nur bekloppt, das war einfach eine seltendämliche Blauäugigkeit, die man sich hier geleistet hat. Ansonsten wäre der Kader gar nicht so schlecht, ich sehe aktuell deutlich weniger "Kaderleichen" als noch vor Baumann. Das ist aber kein großer Verdienst, wenn die Grundlagen nicht passen.
Ich denke, der Verein würde gut daran tun, diese Saison wirklich ergebnisoffen aufzuarbeiten. "Ergebnisoffen aufarbeiten" wird oft als Euphemismus für "das Thema totquatschen und am Ende ändert sich dann nichts" benutzt, aber wenn man es im Sinne des Vereins nicht nur dahersagt sondern konsequent umsetzt, kann es helfen. Baumann ist ja nur ein Kopf, für das aktuelle Schlamassel ist ein ganzes Team von Superexperten verantwortlich. Es müssen grundsätzliche Fragen beantwortet werden: Wer ist auf die Idee gekommen, dass man alles auf die Karte setzt, dass Füllkrug nach zwei schweren Verletzungen fit und zuverlässig wie nie sein wird? Die Kaderplanung muss ja im Team erarbeitet worden sein und die Sache ist so bescheuert, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es keine Bedenkenträger gab. Warum wurden diese Leute nicht gehört oder ernst genommen? Hat man im Blick gehabt, wie viele verletzungsanfällige Spieler man auf einmal im Kader hat? Wenn man nur die Einzelspieler und deren Lebensläufe betrachtet, hat bei uns niemand unglaubliches Verletzungspech. Alles im Bereich des normalen, man hat sich nur so viele Risikofaktoren in den Kader geholt, dass die Katastrophe irgendwann zwangsläufig ein alltägliches Ergebnis ist. Hat der Trainer wirklich ein stimmiges Konzept für die Rückrunde oder wollte man einfach vermeiden, dass man sich unangenehme Fragen gefallen lassen muss, wenn der gefeuerte Trainer mit einem neuen Verein kurzfristig mehr Erfolge einfährt als der alte Verein?
Das sind Sachen, auf die man Antworten finden kann, wenn man will.Das kann natürlich in Entlassungen/Umbesetzungen enden, wenn keine schlüssigen Konzepte vorgelegt werden können, wie man sowas in Zukunft vermeiden kann. Und wenn es darauf auch nur Schulterzucken und Wegducken gibt, weiß man wenigstens, das vom aktuellen Personal keine Besserung zu erwarten ist. Dann kann man immer noch mit dem eisernen Besen durchfegen und muss sich keine Sorgen machen, dass man im Ärger über das Ergebnis vielleicht das Kind mit dem Badewasser ausschüttet.
Nur Eichin muss es echt nie wieder sein, nein Danke.