Oha, ich erinnere mich aber an einige Spiele in denen Le Chef quasi Arbeitsverweigerung betrieben hat wenn ihm etwas nicht gepasst hat. Der war nur halt so überragend gut, daß man ihn nicht auf die Bank verfrachten konnte. Und wie mannschaftsdienlich es ist, wenn man seinem Mitspieler per Kopfnuss und Faustschlag eine blutende Platzwunde verpasst, weiß ich jetzt auch nicht so richtig. Bei Micoud gibt es aber halt rückblickend viel (verdiente) Heldenverehrung, da vergißt man schon mal gerne wie er war. Und jetzt kommt es: Damals gab es diverse Typen in der Mannschaft, die mit einer Diva wie Micoud ausgesprochen gut klarkamen.
Ich kann mich an diese Arbeitsverweigerungen auch noch erinnern. Aber das ist - ohne es relativieren zu wollen - eben die Schattenseite eines solchen Ausnahmespielers, der das Spiel einer gesamten Mannschaft lähmt, wenn ihm aus irgendwelchen Gründen eine Laus über die Leber gelaufen ist. Das war später mit Diego, Özil und Kruse auch nicht viel anderes,wenn auch ggf. in unterschiedlicher Häufigkeit. So erinnere ich mich z.B. an ein Spiel in Frankfurt, wo man schon in den ersten 10 Minuten merkte, daß Diego an dem Tag absolut keinen Bock hatte, er damit das gesamte Team lähmte, nach einer Tätlichkeit (meines Wissens noch in der 1. HZ) von Schiri vorzeitig zum Duschen geschickt und die Partie verloren wurde Die Kopfnuß-Faustschlag-Aktion von Micoud hatte ich nicht mehr in Erinnerung, aber das ist ein No-go, selbst bei einem Ausnahmespieler, da gibt es nichts zu beschönigen.
Heute scheinen manche zu glauben, unser Team bestehe nur aus verweichlichten Heulsusen die zusammenzucken und sich unter der Decke verkriechen wenn sie einen Namen wie Bentaleb nur hören.
Ob unsere Team (bzw. der Profifußball allgemein) verweichlicht ist, ist in der Causa Bentaleb nicht das Thema. Hier geht er primär darum, welche Gefahr ein exzentrischer Spieler für Homogenität und somit für den Erfolg der Mannschaft birgt.
Ich gehe davon aus, daß wir uns einig sind, daß diese Saison sehr wahrscheinlich weichenstellend für die nächste Jahre bei Werder sein wird. Daher müssen schon sehr viele Zahnräder ineinander greifen, um das von FB/FK verkündete Saisonziel Europa zu erreichen. Mit dem Verlust von Kruse, einer ohnehin zu dünn besetzen Defensive, die sich zudem schon in der Saisonvorbereitung beginnend verletzungsbedingt dezimierte, ausbleibenden Transfereinnahmen, die unseren finanziellen Handlungsspielraum signifikant einschränken und einem vor allem durch eigene Unzuläglichkeiten verbockten Saisonstart mit 0 Punkten und 6 Gegentoren in 2 Spielen haben wir jedoch schon jetzt mehr als genug Stoplersteine für das Erreichen der eigenen Zielvorstellungen. Unter diesen Voraussetzungen einen Spieler an Bord zu holen, dessen Hang zu mangelnder Disziplin mindestens so hoch angesiedelt ist wie dessen ebenso unbestrittenen sportlichen Fähigkeiten, bietet die hohe Wahrscheinlichkeit eines weiteren Stolpersteins à la Arnautovic, den wir in unserer Situation zum Erreichen der selbst gesteckten Ziele partout gar nicht gebrauchen können.