Wenn du jetzt Jürgen Klopp genannt hättest, ok. Aber ausgerechnet Favre. Lucien Favre, der von seinem Klub auf Knien angebettelt wird NICHT das Handtuch zu werfen weil sie überhaupt keinen Plan B haben, diesem Favre geht es um den Klub? Ich bitte dich, was kommt als nächstes, Uli Hoeneß geht es immer nur um das Wohl der Bundesliga?
Auch wenn das OT jetzt voluminös wird:
Es steht/stand den Clubs selbstverständlich zu, dahingehend eine andere Meinung gehabt zu haben, sprich noch eine gemeinsame Zukunftsperspektive zu sehen. Aber impliziert das auch den Automatismus, daß die Club-Ansicht - losgelöst davon ob der Coach von sich aus gehen will oder unter öffentlichem Druck steht - mit einem Trainer weiterarbeiten zu können, die einzig richtige ist? Wohl kaum. Und für diese Erkenntnis brauchst du ausnahmsweise mal nicht über den grün-weißen Tellerrand zu blicken, denn in diesem Jahrzehnt waren die hiesigen Cluboberen wiederholt auch der irrigen Annahme verfallen, über die bestmöglichen Trainer für Werder Bremen zu verfügen, obwohl diese hier keine Perspektive für eine gemeinsame bessere Zukunft mehr boten.
Die Rücktritte von Favre und Klopp lassen sich nur bedingt vergleichen, weil die Voraussetzungen teilweise andere waren: Favre startete als Vorjahresdirtter mit 5 Niederlagen am Stück in die Saison 15/16. Wir wissen aus eigener Erfahrung (zumindest sollten wir es), wie sich auch einem solchen Fehlstart ein Negativlauf für eine ganze Saison entwickeln kann und mir ist spontan kein Fall bekannt, daß ein Club nach einem solch desolaten Fehlstand mit dem selben Coach noch seine ursprünglichen Saisonziele erreichte. Daher war der Zeitraum des Favre-Rücktritts, um schlimmeres zu verhindern, zumindest im Grundsatz nicht verkehrt. Klopps legte als Vizemeister in 14/15 eine desolate Hinrunde hin, jedoch nahm nach einem durchwachsen Start (2-1-2) der Negativlauf erst ab dem 6. Spieltag so richtig seinen Anfang (2-2-8); dieser sah anders als Favre jedoch noch eine Perspektive zumindest noch den Klassenerhalt zu schaffen und als dieser sich andeutete, kündigte Klopp seinen Rücktritt zum Saisonende an, was im Grundsatz ebenso wenig verkehrt war. Dadurch hatte der BVB im Gegensatz zum BMG natürlich mehr für die Umsetzung eines Plan B. Doch woher nimmst du bei deiner Favre-Geisselung die Gewissheit, daß in der Schublade der Fohlen-GF kein Plan B vorhanden war? Selbst wenn deine Vermutung den Tatsachen entsprechen sollte, dann wäre in einem solchen Fall sehr naiv von Eberl & Co. gewesen, keinen Plan B zu haben - nur mal so nebenbei bemerkt: wenn ein Coach auf der Abschußliste eines Clubs steht, wird der Club für seinen Plan B an den Pranger gestellt, weil er es gewagt hat, trotz einen laufenden Vertrags schon mit anderen Trainern zu verhandeln... - denn u.a.
hier ist zu lesen, daß der Favre-Rücktritt für die Fohlen-Verantwortlichen keine große Überraschung sein konnte:
Ein interessanter Punkt, den Eberl beiläufig erwähnte: Schon häufiger sei Favre in der Vergangenheit bei der Klubführung vorstellig geworden und wollte sein Amt abgeben. "Es gab Momente in der Vergangenheit, als wir diese Thematik das ein oder andere Mal so besprochen hatten", sagte Eberl, mit dem Zusatz: "Wir haben diese Situationen bis zum gestrigen Tag immer wieder lösen können." Dieses Mal ließ sich Favre nicht überreden.