Eggestein über Eggestein:
Vermutlich auch an Ihren Bruder Johannes. Wie geht’s ihm?
(überlegt) Tja. Er steckt gerade in einer Phase, die für einen jungen Spieler typisch ist…
…er spielt nicht bei den Profis und sitzt in der U23 auch viel draußen…
…das habe ich selbst auch durchgemacht. Deshalb kann ich sagen: Die Spielpraxis ist das allerwichtigste, und die hatte er lange nicht. Das ist nie gut für einen jungen Spieler. Natürlich ist es schön, Teil der Bundesligamannschaft oder der U21-Nationalmannschaft zu sein. Aber das Problem ist: Wenn du dort dann nicht regelmäßig spielst, kommst du aus dem Rhythmus. Und Jojo ist ein Spieler, der seinen Rhythmus braucht.
Es gab in der Hinrunde eine Phase, da hat Werder Stürmer benötigt. Max Kruse war verletzt, Aron Johannsson hat nicht gespielt.
Im Nachhinein kann man vielleicht sagen, dass es Pech für Jojo war, dass Max sich verletzt hat. Dadurch war Jojo zwar immer bei den Profis dabei, der Trainer (Alexander Nouri, Anm. d. Red.) hat ihn aber noch nicht soweit gesehen, dass er wirklich Spielzeit bekommen hat. Woche für Woche Spielrhythmus zu haben, ist in dieser Entwicklungsphase aber sehr wichtig.
Wie geht er damit um?
Sein Vorteil ist, dass er sehr klar im Kopf ist. Deshalb wird er aus dieser Situation auch herauskommen und seine Tore wieder machen. Er hat oft genug gezeigt, dass er ein intelligenter Spieler ist und genug Talent hat. Der Rest kommt mit der Spielpraxis.
Von Johannes wird nicht gerade wenig erwartet. Dortmund, Bayern, Manchester United – Top-Klubs wollten ihn vor eineinhalb Jahren haben. Was macht das mit ihm?
Ich glaube nicht, dass er sich selbst den größten Druck gemacht hat. Die größte Erwartungshaltung hatte die Öffentlichkeit. Natürlich ist es nicht leicht, wenn man überall hoch gehandelt wird. Ich glaube, es ist für junge Spieler nicht gut, wenn man ihnen so früh einen so schweren Rucksack aufsetzt.
Würden Sie das als harte Landung für ihn bezeichnen?
Ich finde, dass er dafür gar nicht so viel kann. Wie gesagt: Da ist sehr viel von außen herangetreten worden, auch von Leuten, die ihn vielleicht gar nicht haben spielen sehen. Aber sie haben gelesen, was für ein großes Talent er ist. Diesem großen Hype kann man als junger Spieler aber kaum gerecht werden, denn der Schritt von der Jugend in den Herrenbereich ist ein so großer Schritt, dass er oft in der Öffentlichkeit unterschätzt wird. Ich weiß selbst, dass man ein, zwei Jahre braucht, um das zu verarbeiten. Es sei denn, man ist Leo Messi, dann spielt man jeden auf Anhieb schwindelig. Aber wir „normale“ Talente brauchen Zeit, um uns zu gewöhnen.
Spielpraxis ist Ihr Schlüsselwort. Wo holt man sich die als Spieler in Johannes‘ Situation am besten? In der U23? Oder über eine Ausleihe?
Das sind Fragen, die mit Frank Baumann besprochen werden müssen. Da wird es bestimmt Gespräche geben und dabei muss man aufzeigen, wie nahe ein junger Spieler tatsächlich an der Profimannschaft dran ist. Danach muss das dann entschieden werden.
Sie selbst sind den Weg zurück über die U23 gegangen.
Im Nachhinein war es genau der richtige Schritt. Aber das kann man nicht voraussagen. Es gibt keinen Königsweg. Da ist auch der Spieler gefragt: Wie geht er damit um, dritte Liga zu spielen? Wie geht er damit um, dass ihn der Trainer der Profimannschaft nicht mehr regelmäßig sieht? Der Spieler muss das mitmachen. Manch einer lässt sich dann aber hängen. Mein Ziel war es aber immer, mich hier durchzusetzen. Ich wollte hier bei Werder zeigen, dass ich es schaffe. Das hat mich angetrieben. Und es gehört auch Glück dazu. Glück, Geduld und Spielpraxis.