Wer es mit seinen Augen einfach nicht sehen will, der kann es riechen: dieser Verein stinkt inzwischen nach Verwesung. Und das schon seit einigen Jahren. Begonnen hat es mit einer zu offensiven Transferpolitik, die uns - verbunden mit einem irrsinnigen Stadionprojekt - finanzielle Probleme bereitet hat, die inzwischen annähernd keinen Freiraum mehr für notwendige personelle Entscheidungen lassen.
Im Rahmen dieser Entwicklung trifft uns weiter das Problem, dass der Aufsichtsrat nur noch aus Meinungsleichtgewichten besteht, die weder fachliche Kompetenz und (noch schlimmer) schlichtweg keine wirtschaftspolitische Kompetenz oder persönliche Kontakte besitzen, um den Weg für strategische Partnerschaften zu eröffnen. Insofern verwundert es wenig, dass blasse Gesichter wie Filbry nun über Wohl und Wehe dieses Clubs entscheiden dürfen.
Trotz dieser Hemmnisse besitzen wir- nach meiner Einschätzung - mit einem zwar nicht sonderlich beliebten Eichin einen durchaus gewieften Manager, der im Zusammenwirken mit Herrn Schröder (den wir glaube ich noch vermissen werden) mit den wenigen Mitteln sogar noch eine schlagfertige Truppe zusammengestellt hat.
Betrachtet man nun diese Ausgangssituation, dann wird deutlich, wie schwerwiegend das Versäumnis ist, sich einen Trainerstab zu leisten der - abgesehen von einer durchaus glücklichen Anfangsphase - seit über einem Jahr deutlich macht, dass er den Anforderungen eines Erstligaclubs nicht gewachsen ist- und zwar weder taktisch- fachlich noch intellektuell. Egal welchen Trainer man ersatzweise verpflichtet- jeder dieser möglichen Ersatzlösungen hätte dort angesetzt, wo es am Offensichtlichsten ist: bei Abwehr und der Defensivtaktik dieser Mannschaft! Seit Jahren (und zwar schon seit TS, der seinen Zenit schon bei Werder deutlich überschritten hatte und der seitdem nur noch bestätigt hat, dass seine Zeit endgültig vorbei ist und er Erstligaanforderungen nicht mehr gewachsen ist (vgl. nur den erstaunlich offenen Wontorra- Kommentar, den ich uneingeschränkt teile) weiss man um das Versäumnis, dass diese Mannschaft defensiv unzureichend taktisch gebildet und eingestellt wurde. Jede Woche überbieten sich die Kommentatoren der Werderspiele in immer neuen fast schon witzig- frivolen Kommentaren darüber, dass Werder sein Defensivspiel nicht im Griff hat, Totalversagen der Abwehrreihe, katastrophale Fehler sämtlicher Einzelspieler und haarsträubende Nachlässigkeiten ein ums andere Mal - und zwar in jedem einzelnen Spiel !- ein positiveres Abschneiden der Mannschaft verhindern. Es ist fast schon absurd! Und trotzdem ändert sich nichts.
Die Vereinsführung schaut gelassen (oder ist sie verblödet) dem Treiben Jahr für Jahr zu, ohne auch nur ein einziges Mal zu intervenieren und endlich an dem Hebel zu ziehen, der in jedem anderen europ. Club gezogen werden würde! Egal, welcher Trainer in dieser Situation das Ruder in die Hand nähme, er würde doch ohne jede Frage als allererstes dafür sorgen, dass die Mannschaft die Anzahl der Gegentore signifikant verringert. Ich kann mich an nicht einen Trainerwechsel in den letzten Jahren bei einem Abstiegskandidaten erinnern, bei dem nicht stets die Marschroute ausgegeben wurde, dass als ALLERWICHTIGSTES ZIEL die Anzahl der Gegentore so gering wie möglich gehalten werden muss, wenn die Klasse gehalten werden soll. Ungeachtet aller Lippenbekenntnisse muss man einfach feststellen, dass die Schaaf- Zöglinge Skripnik und Frings eines einfach nicht können: und das ist Defensivtaktik! Andere Mannschaften schaffen vielleicht nicht viel und haben - zumindest nominell - teilweise deutlich bescheidenere Kader, aber diesen Punkt haben alle begriffen. Das Tor muss notfalls vernagelt werden (können) ; vielleicht nicht gegen Bayern und Dortmund, aber doch gegen jeden anderen Gegner und insb. wenn man auch noch einmal glücklich in Führung geht. Bei Werder kann sich inzwischen jeder Gegner völlig sicher sein, dass er noch mind. ein halbes Dutzend beste Chancen selbst aus dem Nichts erhalten wird und deshalb ein bis zwei Gegentore IMMER möglich sind. Wie fatal ist bitte diese Sicherheit aller Gegner für den Siegeswillen unserer Mannschaft und die Moral des Gegners??
Egal, wie es mit diesem Verein in der Zukunft weitergehen soll - eines steht völlig außer Frage: mit diesem Trainerteam wird sich ein Verbesserung der (Tabellen-)Situation sicher nicht erzielen lassen. Die Anforderungen an moderne Trainer sind derart gestiegen, dass eine erfolgreiche Vergangenheit als Spieler allein nicht mehr genügt. Gefragt sind Trainer, die umfassend geschult in Spieltaktik- und Strategie mit hohem persönlichen Einsatz die Chancen und Schwächen des Kaders eroieren und über die Transferperioden nach und nach ausbalancieren, um dann jeweils abgestimmt auf den jeweils kommenden Gegner jeden einzelnen Spieler, die Mannschaftsteile individuell perfekt einzustellen. Das erfordert Qualitäten, die tatsächlich nicht viele Trainer mitbringen (oder nur über einen beschränkten Zeitraum abrufen können). Aus eben diesem Grunde bemühen sämtliche Clubs regelmässig die Option des Trainerwechsels und dieser Moment ist inzwischen - wenn nicht schon seit einigen Monaten - auch bei Werder zweifellos erreicht. Wer nicht mehr nur von blindem Kadavergehorsam getrieben wird und deshalb die Brisanz der Situation noch immer nicht erkennen will, wird das nicht in Abrede stellen können.
Herr Eichin, bitte handeln Sie! Und zwar sofort!