Mal Folgendes Lesen und darüber nachdenken!
Ich stehe auf und gehe ein paar Schritte quer durch das Büro zum Schreibtisch meines Abteilungsleiters. Ich baue mich vor ihm auf, bezeichne ihn für alle Anwesenden im Raum gut hörbar als ********* und verpasse ihm zur Feier des Tages anschließend noch eine ordentliche Backpfeife. Anschließend gehe ich wieder auf meinen Platz und scherze fröhlich mit meinen Kollegen über dies und jenes. Die Konsequenzen wären klar: Ich würde hochkant rausfliegen. Mein Zeugnis wäre katastrophal. Mit einer Rüge (haha!!!) würde ich definitiv nicht davonkommen. So wie Lukas Podolski beim Länderspiel gegen Wales, als der 23-Jährige meinte, seinem Kapitän Michael Ballack während des Länderspiels mal kurzerhand eine runterzuhauen.
Einblick ins Seelenleben
Sicher, eins zu eins kann man das nicht vergleichen. Der DFB ist nicht Podolskis Arbeitgeber. Doch auch oder gerade die Nationalmannschaft braucht Hierarchien, ähnlich wie im Job. Bundestrainer Joachim Löw ist gewissermaßen Podolskis Chef, Kapitän Ballack als verlängerter Arm des Trainers Abteilungsleiter Spielfeld. Mit seinem Ausraster hat Prinz Peng mehr über sein Seelenleben verraten, als bei allen Interviews vorher.
Risse im Podolski-Bild
Bisher stand die Frohnatur und der WM-Held von 2006 unter Artenschutz. Mit seinem volkstümlichen Humor flogen ihm stets die Herzen zu, seine Leistung auf dem Platz spielte – wenn überhaupt - nur eine untergeordnete Rolle. Wirklich quälen für ein Ziel musste sich Podolski nie. Dazu reichte immer das Talent. Deswegen geht er auch wieder zurück zum 1. FC Köln, beim FC Bayern hätte er mehr machen müssen. Doch mit der Friede-Freude-Eierkuchen-Zeit dürfte es seit der Nacht von Cardiff vorbei sein. Podolski hat sich geoutet. Welches Selbstverständnis hat ein 23-Jähriger, der den Adler auf der Brust trägt und öffentlich seinem Kapitän eine scheuert?
Einsicht? Fehlanzeige!
Dass ihm das Zeug zur Selbstreflexion fehlt, bewies Podolski im Anschluss, als er nach seiner Auswechslung mit den Kollegen auf der Bank rumalberte. Auch am Tag danach war von Einsicht keine Spur, zu sehr beanspruchte ihn auf dem Rückflug die Kissenschlacht mit Tim Wiese. Dass man eine ganze Nation repräsentiert, wenn man das Nationaltrikot anhat, davon hat Podolski wohl auch noch nie etwas gehört – oder schon wieder vergessen.
Bundestrainer in Bedrängnis
Mit seinem Verhalten hat er Löw in eine schwierige Situation gebracht. Kevin Kuranyi wurde unlängst suspendiert, weil er ohne Rücksprache von der Nationalmannschaft abgereist ist. Podolski erhielt lediglich eine Rüge. Stimmt da die Verhältnismäßigkeit? Was wäre eigentlich früher passiert? Man stelle sich vor Rainer Bonhof hätte anno 1974 Franz Beckenbauer auf dem Platz geohrfeigt. Oder Andi Möller 1990 Lothar Matthäus.
Neue Spieler-Generation
Podolski steht für die neue Generation Spieler, die sich nichts mehr sagen lässt. Viel Geld verdienen, möglichst wenig dafür tun, eine Menge persönlichen Spaß haben und wenn einer blöd kommt, einfach ausrasten. So weit so gut. Doch bitte nicht mit dem Adler auf der Brust…
Da ist viel Wahres dran!