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DR AKR
Guest
Excellenter Post, der das Problem noch einmal versachlicht.
Werders Konzept ist, auf den sportlichen Erfolg zu setzen, damit mehr Fernsehgelder generiert werden. Zudem hofft man Spieler zu entwickeln und mit Gewinn zu verkaufen.
Dieses Modell ist antiquiert, weil es den worst case nicht beinhaltet, wenn nämlich alle Massnahmen, wie bei uns seit Jahren, nicht greifen.
Dann muss man eben die Finanzierungsbasis verbreitern. Das hat man versäumt und die Ausführungen von Werder lassen darauf schließen, dass man es auch nicht vorhat oder nicht kann.
Da taucht dann automatisch der Name Filbry auf, da es sein Fachgebiet ist oder zumindest sein sollte.
Puuuh, also dieses Modell an sich ist nicht antiquiert, nur reicht es unter der sich schnell verschärfenden Konkurrenz kaum mehr aus.
Das entscheidende "Wirtschaftsgut" eines Fußball-Vereins ist die "Dienstleistung" Fußball. Dafür bezahlen Nachfrager viel Geld, wenn dieses "Wirtschaftsgut" qualitativ hochwertig, sprich exklusiv ist. Wenn nicht, gibt es eine deutlich geringere Nachfrage und eine sehr starke Konkurrenz.
Werder bewegt sich mit der Dienstleistung seines Profiteams also in einem sehr exklusiven Marktsegment und damit auf einem sehr begrenzten, zunehmend hart umkämpften Marktumfeld. Um dauerhaft dabei bleiben zu können, ohne von der wachsenden Konkurrenz und damit den "freien Marktkräften" verdrängt zu werden, muss die eigene Leistung "exklusiv bleiben". Da beginnt für Werder das Problem.
Ein "Luxus-Produkt" wie Champions-League-Fußball konnte Werder nur "anbieten", weil man stark (zu stark) in die Produktionsfaktoren (Spieler, Ablösen, Gehälter) investiert hat. Man hat sich einen hohen Fixkosten-Block angelegt, der mit den plötzlich wegbrechenden Erträgen nicht mehr gedeckt werden konnte.
Zusätzliches, entscheidendes Dilemma: Werder konnte schon zu erfolgreichen CL-Zeiten, also in Jahren hoher Erträge aus dem Verkauf der selbst erstellten Dienstleistungen, die Kosten (hoher Fixkosten-Block und teilweise exponentiell steigende variable Anschaffungskosten (Ablöseseummen)) nicht mehr decken, ohne zusätzlich auch Vermögen teuer zu verkaufen (Spieler). Das ist, als wenn der Bäcker neben seinen hochwertigen Backerzeugnissen einmal im Jahr einen "Großofen" verkaufen muss, um seine Kosten decken zu können. Hinzu kommt, dass, anders als beim Bäcker, das "Vermögen" des Vereins Werder Bremen oft vor Ablauf der eingeplanten "Nutzungsdauer" selbst aus dem "Vermögen" des "Unternehmens ausscheiden und direkt zu einem der stärksten Konkurrenten wechseln wollte. Als wenn also ein Bäcker, der einen besonders hochwertigen Ofen oder eines seiner besten "Rezepte" direkt an seine Konkurrenz verkauft. Die Konsequenz liegt auf der Hand: Die Substanz des eigenen Unternehmens sinkt, während die der Konkurrenz steigt.
Wie hält man nun trotzdem das Niveau? Entweder in dem man möglichst schnell ein neues, hochwertiges Rezept entwickelt, zeitnah einen günstigen Ofen (Spieler) kauft, bzw., noch besser: selbst einen entwickelt. Oder, indem man das Vermögen anderweitig, sprich von außen (durch Aufnahme neuen Kapitals) hält oder gar erweitert. In jedem Fall muss die betriebliche "Infrastruktur" auch nach Verkauf von "Vermögensanteilen" extrem zeitnah wieder rekonstruiert werden. Genau das ist bei Werder, aus im Vergleich zu einem Bäcker verständlichen Gründen, zuletzt nicht mehr gelungen.
Es ist kaum möglich, dauerhaft in der CL zu spielen, ohne die Fixkosten zu steigern. Werder hatte kaum eine Chance, diese zu decken, ohne auch Vermögensanteile zu verkaufen. Die notwendige Aufstockung des Vermögens durch Aufnahme neuen Kapiatals wure in erfolgreichen Jahren verpasst. Hätte man evtl. die "Produktpalette" verbreitern können?
Hier eröffnet sich ein weiteres Dilemma im Vergleich zum Bäcker: Wie will man das "Produkt" Spitzenfußball weiter diversifizieren? Wie will man andere "Käuferschichten" erreichen, wie will man bestehende Stammkunden zu "Mehr-Konsum" animieren? Das wird nur durch Aufnahme neuer "Produkte" ins Sortiment möglich sein, sprich durch Merchandising oder durch Eroberung neuer internationaler Märkte. Im letzten Fall wurde einiges verpasst. Erst jetzt hat man dieses Potenzial für sich erkannt, jetzt, wo das Hauptprodukt "Fußball" im Vergleich zu anderen Anbietern schwächelt. In der Tat, da hat die Marketingabteilung Werders jahrelang "geschlafen", wie in der Akquise neuer Geldgeber. Um im harten Konkurrenzkampf um das "Spitzenprodukt" mithalten zu können, muss man hier neue Wege gehen, sich ggf. von alten, auch hanseatisch geprägten Grundsätzen verabschieden. Will man dies nicht, wird man aus dem Konkurrenzkampf im "Premium-Segment" ausscheiden. Dabei gilt es mMn aber jetzt genau abzuwägen: Will man "um jeden Preis", auch um den seiner eigenen Philosophie und Identität" ganz oben mitspielen, oder begnügt man sich mit Mittelmaß und beschreitet einen nachhaltigen Mittelweg? Fragen, die die neue Vereinsführung und der Aufsichtsrat um Bode beantworten müssen.
