Bode scheint einer der wenigen zu sein, der so etwas wie Ruhe bewahrt und nicht in totale Panik verfällt. Hatte überlegt, ob ich für einen Beitrag mit Gedanken, die mir noch so im Kopf schwirren einen neuen Thread eröffne, da sich die Diskussion der letzten Tage um Investoren und ein "kalkuliertes Risiko" doch auf so viele Threads verteilt.
Leider wird die Diskussion zum Teil ein bisschen versimpelt geführt und es wird imho auch zu sehr auf die handelnden Personen reduziert. Ich hänge mich daher mal ein bisschen an dem von Norge zitierten Interview mit Bode auf, weil er doch einige Vorlagen liefert, die eben in meinen Gedanken auch eine Rolle spielen.
Bode: Ich glaube auch, dass ein Abstieg die größere Katastrophe wäre. Es muss das erste Ziel sein, das zu verhindern. Da darf eine überschaubare Verschuldung nicht ausgeschlossen werden. (...) Der Gedanke, man braucht nur zu investieren, dann hat man auch Erfolg, ist verlockend. So einfach ist es aber nicht.
Bode: Geld ist keine Garantie für Erfolg, aber gut eingesetzt, kann Geld Erfolg natürlich wahrscheinlicher machen. Man muss sich aber von dem Gedanken lösen, dass einmal zehn Millionen Euro oder ein Transfer alle Probleme löst. Es ist nur ein Hebel, der Chancen auf mehr Erfolg und damit auf Wachstum ermöglicht nicht mehr.
In den zwei Passagen kommt da zum Ausdruck, was ich gestern schon mal in zwei Threads ansprach und was mir bei der ganzen Diskussion um ein kalkuliertes Risiko irgendwie zu kurz kommt.
Mir scheinen viele, gerade auch bei den Fans, ob des Tabellenplatzes derzeit in eine Art Panik zu verfallen. Ich sehe für diese keinen Grund. Ich hatte es ja schon ein paar mal angemerkt, dass so ein Saisonstark punktemäßig einzukalkulieren war. Was die Situation unangenehm macht ist die Punkteausbeute der potentiellen Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. Finde die sportliche Situation nicht bedrohlicher als ich sie schon vor der Saison empfunden habe.
Bode spricht richtig an, dass ein oder mehere Transfers, die durch ein "kalkuliertes Risiko" ermöglicht werden eben keine Garantie für sportlichen Erfolg sind. Und genau hier liegt doch das Problem, was für mich das Risiko eher unkalkulierbar macht.
Die Ausgangslage für diese Saison ist doch im Grunde folgende, wenn alle Medienberichte über unseren Etat und unser Budget so stimmen: Werder plant mit einem Budget, welches jetzt schon einen Verlust von wiederum ca. acht Mio Euro enthält. Nach einigen Aussagen der GF, die so zu lesen waren, wären damit die letzten Reserven aufgebraucht. Heißt Werder wird ohnehin, sollte nicht ein sportliches und/oder finanzielles Wunder passieren irgendwann anfangen Schulden aufzubauen. Andere Möglichkeit wäre in Zukunft den Etat irgendwo zwischen Augsburg und Köln anzusiedeln, so dass man aus dem Geschäftsjahr doch mit einer schwarzen Null heraus kommt.
Das was eben nicht offen ausgesprochen wird in der ganzen Diskussion um ein "kalkuliertes Risiko" und von Bode nur zwischen den Zeilen angedeutet wird: Was passiert, wenn Werder trotz des kalkulierten Risikos absteigen sollte? Dann hat man die "Kosten" des Abstiegs am Hals plus zusätzlichen Schulden. Wie soll man diese Schulden in der 2. Bundesliga abbauen. Die Vergangenheit bei anderen Klubs zeigt, dass dies nahezu wenn nicht sogar völlig unmöglich ist. Heißt man muss versuchen aus der 2. Liga schnellsmöglich wieder hoch kommen, um das nötige Kleingeld zu verdienen. Das geht dann nur mit einem starken Kader bei dem du wiederum finanzielle Risiken eingehen musst. Wenn das nicht klappt, dann können wir den gleichen Weg gehen wie Duisburg oder Aachen.
Das sollte man sich bitte genau vor Augen führen, wenn man hier von einer Blockade durch den AR sprach, wenn es um die Freigabe weiterer Mittel geht. Ich sehe darin eben auch kein "kalkuliertes Risiko", sondern es ist im Fussball in meinen Augen völlig unkalkulierbar.
Imho war die Entscheidung des AR im Sommer keine weiteren Mittel freizugeben absolut richtig und an dieser sollte nicht gerüttelt werden. Das Budget darf über Schulden nicht erhöht werden. Wir laufen sonst wirklich Gefahr abzusaufen.
Möchte dabei nochmal darauf hinweisen, dass unsere sportliche Situation zwar brandgefährlich ist, ich aber unseren Kader in seiner jetzigen Zusammestellung für stark genug halte den Klassenerhalt zu schaffen. Neuzugänge wie Galvez und Hajrovic sind hier noch gar nicht angekommen. Auch sehe ich noch potentielle Reserven im Nachwuchs. Es ist ja nicht so, dass wir in unseren Spielen chancenlos abgeschossen worden wären. Auch hier sagt Bode richtig:
Wir haben es in unseren guten Spielen, oder guten Phasen innerhalb der Spiele, verpasst, einen Sieg durchzusetzen. Ich denke an Hoffenheim oder an Freiburg. Aber knapp daneben ist eben auch vorbei. Wir hatten allerdings hier und da auch Glück, nicht verloren zu haben vor allem in Leverkusen. Die Leistungen der Mannschaft stimmen mich aber insgesamt optimistisch. Es gab ja keine Auflösungserscheinungen und die Einstellung war in Ordnung. Wir müssen uns in drei, vier Punkten verbessern, dann geht es aufwärts.
Daher halte ich es nochmal für völlig verfehlt jetzt in Panik zu geraten und ein in meinen Augen völlig unkalkulierbares Risiko einzugehen. In meinen Augen ist Ruiz übrigens auch kein Spieler, der uns sofort weitergeholfen hätte. Der ist eher in der gleichen Kategorie einzuordnen wie Hajrovic. Zumindest in meinen Augen.
Das nächste Thema sind dann potentielle Investoren/strategische Partner. Wie viel an den Meldungen dran ist, dass irgendwelche Unternehmer schlange stehen, weiss ich nicht. Wenn KDF sagt, dass es da Interessenten gäbe, dann glaube ich das ersteinmal so.
Bode: Werder hat immer noch eine große Kraft. Wir sind immer noch sehr attraktiv für Partner und Sponsoren und hoffentlich auch für strategische Partner. Deswegen führt die Geschäftsführung auch entsprechende Gespräche, das unterstütze ich. Dass einige Unternehmer das möglicherweise von der Person Willi Lemke abhängig machen, erscheint mir aber etwas fragwürdig.
Das ist nicht nur "etwas fragwürdig", dass ist total unseriös. Sorry! Aber Lemke selbst wies ja darauf hin, dass ihn so etwas eher an andere Klubs erinnere und da hat er recht.
Ein Investor/strategischer Partner hat mit einem Anteil von acht oder zehn Prozent nicht alleine zu bestimmen welche Personalentscheidungen getroffen werden. Er kann im Rahmen seiner Anteile mitreden. Das steht ihm zu. Aber wenn wir uns an die 50+1-Regel halten dann liegt die Mehrheit immernoch beim e.V. und damit bei dessen Mitgliedern. Mal völlig davon ab, dass so etwas einfach kein Stil ist. Das ist unterirdisch und solche Partner/Investoren möchte ich bei Werder Bremen auch nicht sehen. Denn wie ich gestern schon mal sagte würden solche Leute das Image und damit die Marke "Werder Bremen". Also das, was Werder Bremen in gewisser Weise immernoch zu etwas besonderen macht, völlig zerstören. Dann wären wir nämlich ganz schnell ziemlich "unattraktiv" für bestimmte Partner.
Zum Schluss nochmal. Wir sollten es lassen bei der Beurteilung von Personen immer die Verfehlungen der Verfgangenheit höher zu gewichten als die gute Dinge, die diese geleistet haben. Das gilt eben auch für WL. Ich habe ihn in der Vergangenheit für manches Statement und manche Entscheidung, die er in meinen Augen maßgeblich vorangetrieben hat kritisiert. Genauso finde ich, die von ihm und eben mindestens der Mehrheit des AR im Sommer getroffenen Entscheidung keine weiteren Mittel freizugeben, aus oben genannten Gründen richtig.
Wir verharren bei unseren Diskussionen hier im Forum ohnehin viel zu oft in der Vergangenheit. Es ist zwar richtig, dass man diese betrachtet um die derzeitige Situation mitzuerklären. Nur ändern kann man nichts mehr, was in der Vergangenheit geschehen oder nicht geschehen ist.
Und die Situation ist nun einmal die, dass wir mit einem geschätzten Lizenzspieleretat von 30 Mio Euro arbeiten müssen und wir eben nur sehr begrenzte Mittel für Transfers haben. Selbst bei diesem Budget ist ein Verlust einkalkuliert. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass so zusammengestellte Kader mit den Reserven aus der zweiten Mannschaft (Levent ist ein Beispiel) stark genug ist um die Klasse zu halten und auch mehr zu erreichen. Werder hat gerade mit diesem Reifenhersteller aus China einen neuen Sponsor gewonnen, der wohl keine wirklich kleine Nummer ist. Denke da könnten sich auch weitere Möglichkeiten ergeben. Wir sind noch im DFB-Pokal und haben mit Chemnitz eine lösbare Aufgabe vor der Brust. Sollten wir die Runde überstehen haben wir schon Mehreinnahmen mit denen keiner gerechnet hat.
Daher gilt es für mich, dass Werder das tut, was uns immer ausgezeichnet hat, auch in schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren und nicht irgendwelche panischen Kurzschlussentscheidungen zu treffen. Sollten wir sportlich nicht die Kurve bekommen und gegen Köln kein dreier rausspringen, dann würde ich mich eher über RD unterhalten als über ein "(un)kalkulierbares Risiko". Dann probiert man es erstmal eben mit Skripnik. Allemal besser als ggf. die Zukunft Werders aufs Spiel zu setzen.