Natürlich wähnt sich Prödl in der Rangordnung ganz weit oben, so als dienstältester IV an der Weser. In einer damit vergleichbaren Konstellation würde ausnahmslos jeder Arbeitnehmer ein ähnliches Anspruchsdenken entwickeln. Aber die Gelegenheit unter Beweis zu stellen, dass er Abwehrchef kann, hatte er bereits, als Mertesacker zu Arsenal wechselte und während Naldos langwieriger Verletzung. Der Grund, warum er es nicht unter Beweis gestellt hat, ist ganz einfach: er hat nicht die besagte Qualität. Oder sagen wir es so: Deutlich weniger Qualität als ein Sokratis bereits in seinem ersten Jahr! Wie viel Qualität er im Vergleich mit Caldirola hat, kann ich noch überhaupt nicht einschätzen. Auch ein Vergleich mit Matte lässt sich noch nicht ziehen. Im Sinne Werders hoffe ich allerdings, dass Prödl nicht unser bester Mann auf der Position ist und sowohl Matte als auch Caldirola in Fußstapfen treten können, die für Prödl die eine Nummer zu groß sind. Meinetwegen darf Prödl auch gern noch zum Abwehrchef mutieren, aber dann bitte entsprechend über Leistung und nicht über Worte. Die "Aktionen" letzte Saison waren nicht nur für den damaligen Trainer absolut nachvollziehbar.
mir fällt noch ein anderer Grund ein: Schaaf war nicht in der Lage ihn so zu fördern das er das zeigen kann bzw. das zeigen DURFTE was in ihm steckt. ich weiss was jetzt kommt: "Schaaf hat den Spielern ja sooo viele Freiheiten gelassen" etc. pp ...

das ist mMn der springende Punkt! Freiheiten schön und gut, aber Spieler brauchen auch klare Vorgaben, klare Richtlinien und Basics an denen sie sich orientieren können, sonst schweben sie wie im luftleeren Raum ohne Bindung! Und genau SO haben sich unsere Jungs in den letzten Jahren präsentiert: wie im luftleeren Raum schwebend, ohne jegliche Bindung zwischen Abwehr und MF bzw. MF und Sturm!
Prödls Aussagen empfinde ich auch nicht als Nachtreten. er sagt frei, aus seiner Sicht, wie er sich unter Schaaf gefühlt hat. das ist zunächst mal legitim, rein subjektiv seine persönliche Meinung. sicher hätte er auch unter diesen für ihn "widrigen Bedingungen" Leistung anbieten und beissen können, keine Frage. aber wer jemals im Leben Teamsport auf hohem Niveau betrieben hat, der weiss wie shice es sich anfühlt/wie schwer es ist auf der Bank zu sitzen, wenn der Teamkamerad der gerade auf dem Feld steht Spiel für Spiel die wahnwitzigste shice zusammen spielen darf und man bekommt trotzdem nicht die Chance sich zu beweisen. so etwas wirkt sich dann auch nicht gerade förderlich auf die Trainingsmotivation aus, frei nach dem Motto: "Was soll ich mir im Training die Arme auskugeln und mich auf welklasse Niveau bringen, wenn ich dann eh nur auf der Bank sitze und die Leute die spielen den größten Wahnsinn verzapfen dürfen!?" ein negativer Teufelskreis, der eine Abwärtsspirale erzeugt und für Grabenkämpfe und Missgunst im Team sorgt! völlig verständlich wie ich finde!
ich finde fotbollsälskare hat das sehr gut auf den Punkt gebracht: bei uns wurden schon seit langer, langer Zeit "keine Stars mehr gemacht, sondern eben gekauft!" von Förderung keine Spur. sinnvolle Vorgaben und Hilfen für die Mannschaft: FEHLANZEIGE! damit würde man sich als Trainer ja angreifbar machen ... so kann man nach dem Spiel schön Sätze wie "fragen sie die Spieler!" raus hauen und ist als Cheftrainer natürlich nicht für die Leistung seiner Mannschaft verantwortlich! das ganze Spielchen kann man dann mit genügend Rückendeckung fast bis zur Rente durchziehen, nur leider bleiben dabei Mannschaft und Verein auf der Strecke
ich möchte noch einmal eines klar stellen: all dies soll ebenfalls KEIN Nachtreten gegen Thomas Schaaf sein! er hat lange, lange Jahre phantastisches hier vollbracht! er war innovativer Vorreiter mit seiner Art Fussball spielen zu lassen und wir waren mit ihm so erfolgreich wie selten zuvor, oder besser gesagt NIE zuvor! es ist bestimmt nicht leicht für einen Trainer Jahr für Jahr immer und immer wieder alles neu aufbauen und von vorne anfangen zu müssen, weil Jahr für Jahr die besten Spieler weg gekauft werden und man dann ein Taschengeld zur Verfügung hat um Wunderdinge zu vollbringen. das wird mMn auch ein Hauptgrund für KA gewesen sein zu sagen: "das tue ich mir nicht mehr an! ich will auch mal auf der anderen Seite stehen, mich bei Ausbildungsvereinen wie Werder bedienen und nach herzenslust shoppen gehen!"
KATS haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt. sie wollten den Stiefel herunter spielen der schon jahrelang funktioniert hat, mit dem man die Liga verzaubert und begeistert hat, der so erfolgreich war über fast ein Jahrzehnt lang! dabei haben sie scheinbar die Entwicklung des Fussballs AN DER BASIS an sich völlig ausser acht gelassen. von Schaafs Besuchen auf Elitetrainer-Tagungen brachte er regelmässig neue, gute, moderne "Dinge" (HUCH!

) mit die aber leider nicht komplett, oder besser gesagt nur "oberflächlich" umsetzbar waren, da die BASICS fehlten um diese komplett zu integrieren bzw. zu automatisieren! man wollte sozusagen schon den dreifachen Salto mit dreieinhalbfacher Schraube gebückt machen ohne überhaupt krabbeln zu können. Schaaf hat sich so über all die Jahre abgenutzt und eingefahren. auch das ist völlig normal! Menschen sind Gewohnheitstiere! wenn zudem lange, lange Jahre etwas sehr sehr gut war und man unglaublich erfolgreich damit war, einem auf die Schulter geklopft wurde mit den Worten (sinngemäß) "DU bist der Nabel der Welt! der Herrscher aller Trainer! der Gott der Innovation und DIE Inspiration des Fussballs!", dann kann einem das schon zu Kopf steigen und man hält umso mehr an eben jenen "Dingen" (HUCH! ich habs schon wieder getan! :x

fest die so erfolgreich waren! auch dies ist völlig menschlich! Menschen verändern sich, manchmal ohne dies selber zu merken oder es wahrhaben zu wollen.
der Wechsel von Thomas Schaaf zu Robin Dutt war gut, richtig und notwendig! trotz alledem empfinde ich eine unglaublich große Demut, einen tiefen ehrfürchtigen Dank für die pahntastische Arbeit von Thomas, die er hier für unseren wundervollen, geliebten SV Werder geleistet hat!

letzten Endes geht führt aber kein Weg daran vorbei: das Wohl des Vereins ist wichtiger als die Karriere bzw. das Wohl einzelner Menschen (egal wer das sein mag).
alles, alles Gute Thomas Schaaf! ich werde Dich und Deine Arbeit immer im Herzen behalten und mich noch oft an Deinen Zauberfussball erinnern!
