Junuzovic als 10er hatte ich hier vor einiger Zeit auch mal ins Spiel gebracht, aus einigen hier genannten Gründen: Pressingqualitäten und Laufeinsatz. Dazu sehe ich bei ihm die Fähigkeit, enge oder schwierige Situationen durch seine Reaktionsschnelligkeit mit einer Ballberührung lösen zu können und so den Ballbesitz zu wahren. Das bringt nicht nur offensive Vorteile - Angriffe werden schneller, Mitspieler bekommen möglicherweise mehr Zeit für Aktionen - sondern entlastet auch die defensive ungemein, da eben nicht jedes milde Gegnerpressing zum Konter führt. Wenn ich da an Ekici denke, der teilweise gefühlte Minuten zu brauchen scheint um zu merken, dass er den Ball überhaupt hat, ist mit Juno in der Hinsicht lieber.
Ein kompletter 10er wäre er vermutlich nicht. Vereinzelnd verspringt ihm ein Ball, auch wenn er technisch eigentlich solide bis gut ist, er hat keine überragenden Passqualitäten wie Özil (wobei 2-3 gute Pässe im Spiel durchaus drin sein dürften), war bisher nicht überragend torgefährlich und ist auch nicht als Raumdeuter Marke Müller oder Kagawa bekannt. Immerhin schafft er es, durch seinen großen Laufeinsatz immer den ballführenden Spieler in seiner Zone zu unterstützen, was für sich auch eine Qualität ist.
Also kann man festhalten: Er hat einige sehr gute Fähigkeiten (genannt im ersten Absatz) und viele durchschnittliche bis solide. Offensive Aktionen, die man von einem Zehner erwarten würde, nämlich Schüsse, tödliche Pässe und Dribblings, sind in seinem Spiel wohl nicht die Regel und misslingen ihm auch mal. Er ist also kein Diego. Dafür eignen sich seine Fähigkeiten optimal, um seine Mitspieler zu unterstützen, ihnen gewisse Freiheiten zu gewähren, sie zu verbinden und das Kollektivspiel, also Pressing und Kurzpasskombinationen, aufzuwerten. Ein Teamplayer also, ein Arbeiter.
Die Frage ist, ob das Team um ihn herum so aussieht, dass dies auch Sinn machen würde, sprich: Haben wir genug Kreativspieler? Geht man von einer Doppelsechs aus sehe ich persönlich die Besetzung Makiadi/Trybull als sinnvoll an. In dieser Kombination ist Trybull der tiefere Spieler, der den Spielaufbau unterstützt und auch seine starken langen, gestalterischen Pässe einstreut. Die Übersicht und Passtechnik hat er, womit ihm die Rolle zuzutrauen ist. Makiadi scheint daneben Ideal zu sein, um mit Vorstößen Angriffe zu unterstützen und dabei eine gewisse Wucht, Präzision und Ruhe einzubringen, die bei uns so keiner wirklich in einer Person vereinen kann (meine Eindrücke sind allerdings etwas dünn). Damit würden von dieser Doppelsechs durchaus strategische, kreative und offensive Impulse ausgehen.
Neben Junuzovic hätte man Hunt, der an guten Tagen Torgefährlich ist, ein Spiel mit strukturieren kann, gute Pässe spielt und starke Flanken schlägt. Ihn bremst manchmal mangelnde Leichtigkeit und fehlender Schwung. Außerdem müsste Dutt ihn mal seinen rechten Fuß zeigen, was sein Spiel erheblich schneller und weniger vorhersehbar machen würde. Dann hätten wir einen offensiv sehr vielseitigen Spieler mit Vorbereiter- wie Abschlussqualitäten. Darüber hinaus scheint Eichin noch einen ähnlich offensivstarken Spieler zu suchen. Wenn dessen grobes Fähigkeitenportfolio ähnlich vielseitig ist wie Hunts und de Bruynes stünden damit zwei Individuell starke Spieler bereit, und ein Junuzovic als Supporter würde das Offensivspiel in der Theorie tatsächlich optimieren können. Optimal wäre natürlich noch ein spielender Stürmer wie Füllkrug, mal sehen was sich da ergibt.
Die Frage ist, ob Dutt tatsächlich auch Arnautovic und/oder Elia einbauen will und wie man seine Aussagen bzgl. Ekici und Hunt als Zehner werten muss. Bei Hunt wäre ich skeptisch inwiefern er auf dauer sein Spielverschleppen ablegen könnte und Ekici muss sehen dass er entweder handlungsschneller im letzten drittel oder robuster für eine Rolle im Halbfeld wird. Vielleicht als AM, der sich leicht nach hinten und innen fallen lässt und neben sich einen extrem offensiven AV hat.
Da ich auf Junuzovics Pressingqualitäten so oder so nicht verzichten will könnte man auch über eine Rolle im LOM nachdenken. Gegen Leverkusen hat er das gespielt, ist aber oft so weit nach innen gezogen dass Angriffe über links nicht mehr möglich waren. Über Sinn und unsinn einer solchen Rolle könnte man wohl nochmal einen Post verfassen. Seine unterstützenden Qualitäten scheinen mir hingegen in der Zentrale am besten zum tragen zu kommen.