Wie gesagt: Ich habe schon den Doppelpass-Auftritt von Eichin nach dem Schalke-Heimspiel als ein Indiz für einen Trainerwechsel im Sommer gewertet. Eichin hat Schaaf dort zwar gelobt, zugleich aber ungefragt geäußert, dass man im Sommer analysieren werde, ob es "für die mittelfristige Entwicklung auch mal ein Nachteil sein kann, dass ein Trainer so lange im Verein ist". Damit hat er eine öffentliche Begründung für einen Trainerwechsel gleich mitgeliefert. Ansonsten gibt es von allen Werder-Verantwortlichen seit Wochen nur abgestimmte Formulierungen, wie man sie sonst nur vor Spielertransfers kennt. Keine Ahnung, ob die Entscheidung für einen Trainerwechsel im Sommer tatsächlich schon gefallen ist oder es nur eine Tendenz in diese Richtung gibt. Jedenfalls deutet aktuell nichts darauf hin, dass ein Verbleib von Schaaf über die Saison hinaus wahrscheinlich sei oder gar bereits feststünde.
Der Weg des geringsten Widerstandes wäre es gewesen dem massiven Druck der Medien und der Öffentlichkeit nachzugeben und den Trainer zu entlassen. Ich bin sehr froh, dass Werders Geschäftsführung diesen Weg des geringsten Widerstandes nicht gegangen ist. Das wäre - auch mangels brauchbarer Alternativen zum jetzigen Zeitpunkt - eine fatale Kurzschlussreaktion gewesen. Eichin wäre zwar von den Medien und im Forum als Macher gefeiert worden, hätte meiner Überzeugung durch eine solche Kurzschlussreaktion aber den Ligaverbleib aufs Spiel gesetzt. Schaaf ist erfahren im Abstiegskampf und er erreicht die Mannschaft. Anders als 1999 gibt es keinen Riss zwischen Trainer und Team, sondern Risse innerhalb des Teams, ein Problem, das sich durch die Suspendierung von Arnautovic und Elia vorerst erledigt hat. Und ein Trainerwechsel hätte womöglich sogar einen Keil zwischen Fans und Mannschaft getrieben und das Team noch weiter verunsichert.
Unsinn. Es geht nicht um Tradition, sondern darum, dass Schaaf mit Werder über einen Zeitraum von sieben Jahren eine beispiellose Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Dass man einen Erfolgstrainer nach ein oder zwei enttäuschenden Spielzeiten nicht feuert, halte ich für nachvollziehbar. Wenn die Werder-Verantwortlichen sich nach der Mehrheitsmeinung in den Internetforen und den Medien richten würden, hätte der Verein Schaaf im Sommer 2003 nach der schlechtesten Rückrunde der Vereinsgeschichte und dem blamablen UI-Cup-Auftritt gegen Pasching entlassen. Ich bin dem damaligen Werder-Vorstand sehr dankbar, dass er sich damals nicht von Fans, Buchmachern und Medien hat treiben lassen.
Da sind wir einer Meinung. Das Hauptproblem bei Werder ist doch nicht der Trainer (wenn er überhaupt eins ist), sondern die miserable Kaderzusammenstellung. Diese hat auch Schaaf mitzuverantworten, das steht außer Frage. Bis auf Sokratis waren alle "Königstransfers" der letzten Jahre Fehlgriffe und das lag meiner Ansicht nach nicht an der angeblichen Unfähigkeit des Trainers, diese Spieler zu integrieren, sondern an den Spielern selbst. Die Kaderzusammenstellung würde sich auch nach einem Trainerwechsel nicht von heute auf morgen korrigieren lassen, da muss man sich keinen Illusionen hergeben.
Da wirst du schon zum HSV gehen müssen, um zu erleben, dass der Aufsichsrat öffentlich übereinander herfällt oder noch besser: Aufsichtsrat, Geschäftsführung und Trainer alle gegenseitig öffentlich über sich herfallen. Ich bin froh, dass es in Bremen so nicht zugeht und Diskussionen intern ausgetragen werden. Nur weil Bode sich nicht ständig in den Medien zu Wort meldet, heißt das nicht, dass er intern nicht seine Meinung äußert.
Es gehört zwar eher in den Nachfolger-Thread, aber Ismael hat noch nicht den Fußballlehrer-Schein, den er als Bundesligatrainer benötigen würde.
Ich hatte es schon mal geschrieben: Ich bin von einem anderen Regionalligatrainer viel mehr angetan: André Breitenreiter. Der hat zwar keine Werder-Vergangenheit, schwimmt aber als Trainerneuling mit dem TSV Havelse, einem potentiellen Abstiegskandidaten, seit zwei Jahren auf einer unglaublichen Erfolgswelle. Ihm würde ich aufgrund seines Werdegangs auch die Schaaf-Nachfolge zutrauen.