Meine Erfahrung in Teams war bisher immer, dass Lücken, die entstehen, auch wieder gefüllt werden. Und zwar selbst dann, wenn die Person, die gegangen ist, nicht 1:1 ersetzt wird. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt fachliche Lücken (wenn der Torwart geht, sollte man schon einen neuen engagieren), sondern von den Rollen innerhalb des Teamgefüges. Als vorletzten und letzten Sommer die Leader bei Werder gingen, war ich mir ziemlich sicher, dass dann ein bis dato eher zurückhaltender Spieler diese Lücke füllen würde und quasi in der Hierarchie ein bis zwei Stufen aufsteigen würde. Aber komischerweise scheint das bei Werder nicht passiert zu sein. Bis auf Fritz, der diese Rolle auch mehr aus seinem Kapitänsamt heraus hat, denn aus seiner Persönlichkeit, sind doch fast alle Mitläufer geblieben.
Wieso ist das so? Wieso hat keiner den Mut, mal voran zu gehen und die anderen ein wenig zu leiten? Was hakt da? Warum bildet sich bei Werder in dieser Saison keine natürliche Hierarchie? Ich verstehe es einfach nicht. Könnte es daran liegen, dass nach dem Weggang der ganzen Stars der einzige Star bei Werder Thomas Schaaf heißt und dass diese Tatsache die jungen Spieler so sehr einschüchtert, dass niemand wagt, aus der Gruppe hervor zu treten?
Was meint ihr dazu?
Wieder ein guter Beitrag, aber wenn die fett markierten Fragen echt gemeint waren und nicht bloß rhetorisch, kommt mir das -PARDON- recht naiv vor.
Die Spieler wissen doch alle, wie es bei Werder zugeht und was der Trainer sich alles erlauben kann. Und nach dem einzigartigen Beispiel JURICA VRANJES macht bei Werder kein Spieler mehr den Mund auf, wenn daraus ein Wort der Kritik gegen den Trainer kommt.
Weil er auch weiß, dass nach dem weiteren Beispiel SAID HUSEJINOVIC sich kein Spieler finden würde, der zu einem steht, weil der dann nämlich auch abrasiert werden würde.
Weil man bei Werder lieber MEHRFACH ganze Mannschaften neu aufbaut, anstelle das Übel an der Wurzel zu packen und einen Trainer zu entlassen, der es nicht mehr bringt.
Um wie viel schneller schmeisst man dann EINEN Spieler raus, der den Mund aufmacht und einen zweiten hinterher, der zum ersten hält.
Die heutigen Spieler wissen das und wenn nicht haben sie schlaue Berater, die ihnen das erzählen und sie vorwarnen. Deshalb hört man ja auch nur Gutes über den Chef (Schaaf).
Und darin sehe ich übrigens auch einen Grund für mangelnden Einsatz und die große Frustration. Die Spieler ahnen zumindest, was alles suboptimal ist und was nicht funktioniert. Sie müssen aber parieren. Und hinterher, wenn es dann in die Hose gegangen ist, wird auf sie geschimpft. Sowas frustiert ungemein, wenn man weiß oder als Spieler irgendwann zumindest ahnt, dass die Vorgaben des Trainers nicht so das Gelbe vom Ei sind.
Klingt das für Dich plausibel ? So sieht jedenfalls meine Deutung aus.
Und die ist nicht so völlig aus der Luft gegriffen. Ich erinnere mich an ein sehr ähnliches Beispiel aus meiner eigenen Zeit als Jugendspieler mit einem Trainer, der seine Lieblinge hatte und Fussball auf eine Art spielen wollte, die überhaupt nicht zur Mannschaft passte und der auch Spieler auf für sie komische Positionen stellte, ich zB. musste damals zwangsweise Außenverteidiger spielen, obwohl ich das nie wollte und nie gekonnt hatte. Ich strengte mich an, aber es war nichts gescheites, ich spielte nur schlecht.
Mit der Zeit hatten mehrere Spieler einen echten Hass auf den Trainer. Aufmucken durfte man als 15 jähriger gegen den dicken fetten 50 jährigen Trainer nicht, dann war man sofort aussen vor. Wir haben also die Klappe gehalten, uns angestrengt, aber dauernd verloren und der Spaß war gleich Null. Wenn wir gut gespielt haben und besser waren, reichte ein Gegentor, dann sind wir auseinander gefallen. Wir haben sogar mal 1:12 nach 1:0 Führung verloren, das vergess ich nie. Der größte Trost war zu sehen wie der dicke Trottel sich an der Außenlinie aufregte.
In den nächsten Sommerferien hab ich dann woanders mit trainiert und bin dann gewechselt. Obwohl da das Niveau höher war, hab ich unter dem neuen Trainer eine Leistungsexplosion hingelegt und plötzlich machte Fussball wieder richtig Spaß.
Es würde mich nicht wundern, wenn es innen in manchen Werder-Spielern nicht viel anders aussehen würde.