Das ist endlich mal ein Post mit Niveau, der die Sachlage treffend analysiert und auch die leise Kritik mit Anstand formuliert und nicht in die Schlammschlachtkiste greift. Danke dafür.
Und um meinen Senf noch dazuzugeben: Wir dürfen nicht vergessen, dass Klaus Allofs diesen Verein quasi zeitgleich mit Thomas Schaaf zu einem Zeitpunkt übernommen hat, zu dem er mehr oder weniger am Boden lag. Von dieser von Transfergeniestreichen und solider Finanzpolitik gesegneten Zeit werden wir uns noch lange erzählen - es mag pathetisch klingen, aber in Bremen ist durchaus heute eine Ära zu Ende gegangen. Und das ist der springende Punkt: wir befinden uns nicht in einem zeit- und geschäftslosen Raum, in dem ein stolzer Viermaster namens Werder Bremen unter vollen Segeln über die Weltmeere des Fußballs schippert, während alle anderen schon mit PS-starken Dieselmotoren durch die Gewässer schippern. Bundesligafußball ist Geschäft pur, das weiß jeder Spieler und jeder Funktionär. Und so wenig, wie ich Spielern das Argument vorhalte, nach einer langen Zeit mit vielen Verdiensten und dem nur menschlichen ein oder anderen Fehler neue Herausforderungen zu suchen, so wenig kann ich Klaus Allofs dieses Argument. Anstatt ihm ein "Danke für nichts, Geldgeier" hinterherzurufen, wäre vielmehr Dank angebracht für eine Vielzahl von Spielern, die er geholt und zusammen mit Schaaf geformt und die dennoch meist, horribile dictu, den Verein verlassen haben auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Ich lese hier im Forum eigentlich nur noch mit und kommentiere nur noch sehr, sehr selten - aber ich lese oft in Zusammenhang mit Spielerverfehlungen, Trainerdiskussionen etc.: "Wenn ich mir das bei meinem Arbeitgeber geleistet hätte, wäre ich längst gefeuert." Das heißt, wir ziehen immer Parallelen zu unserer Arbeitswelt - und wenn wir ehrlich sind: 13 Jahre bei ein und demselben Arbeitgeber, loyal, mit (in der Relation verzeihbaren) Fehlern, aber im Verhältnis erfolgreich, sind aller Ehren wert und heutzutage insbesondere im Fußball eine Seltenheit und deswegen nur mit Applaus zu bedenken. Dass Allofs in Wolfsburg das Doppelte verdient und um Längen bessere wirtschaftliche Voraussetzungen vorfindet als in Bremen, ist ihm ja nicht vorzuwerfen. Wenn wir den Vergleich mit unseren Arbeitswelten aufrecht erhalten wollen: der Schritt von einem Arbeitgeber, den man wirklich schätzt, zu einem anderen, der mit brillanten Perspektiven lockt und tatsächlich eine Herausforderung bietet, ist absolut nachzuvollziehen - aus der Sicht eines enttäuschten Fans mag das wie Verrat anmuten. Es ist aber, simple gesagt, die ganz normale Berufswelt, die uns im Fall Fußball nur größer erscheint, weil wir ihr bisweilen mehr Aufmerksamkeit, Leidenschaft und Bedeutung zuteil werden lassen, als ihr verhältnismäßig zusteht. Zudem wird Allofs klar sein, dass er einen gemütlichen Ohrensessel am Kaminfeuer mit einem kühlen Haake-Beck zum Feierabend eintauscht gegen einen Schleudersitz. Aber wenn, wann nicht jetzt, sollte er nochmal ein berufliches Wagnis eingehen und schauen, wie die 13 Jahre Bremen sich im Vergleich mit einem neuen Umfeld anfühlen. Mein Verständnis dafür hat er, meinen Respekt für seine Arbeit bei Werder hat er auch - und zu dem hier so oft diskutierten "Lügen"-Vorwurf sei noch angemerkt, dass er (das ist nur eine Vermutung meinerseits) nicht gelogen hat, wenn er stets Kontakte zum VfL Wolfsburg verneint hat. Die Jungs sind Business-Profis. Sie verraten nichts und sagen gleichzeitig viel zwischen den Zeilen: Er wird mit Winterkorn und anderen VW-Granden direkt verhandelt haben, schließlich steht ein Konzern hinter diesem Klub, im Übrigen einer, der schon aufgrund seiner Sponsorentätigkeit auch mit Werder eng verbunden ist. So spitzfindig zu formulieren ist auch etwas, was man als Manager lernen muss - immerhin, und das ist die Quintessenz, hat Klaus Allofs dieses Handwerk in Bremen gelernt. Alles Gute, viel Erfolg - und dem SV Werder ein glückliches Händchen bei der Suche nach einem Nachfolger, der seinen Job hoffentlich ähnlich gut beherrscht oder ihn wie Allofs in langer Verbundenheit zum Verein lernen darf.
und ebenso im vergleichbaren Zustand verlässt.


:daumen:

