Ein Abstieg wäre für Werder der Supergau. Ich war in der Abstiegssaison im Stadion. Mein bitterster Moment als Werderfan. Nur! In den 80er war der Abstieg ein Betriebsunfall, finanziell verkraftbar.
Naja, das stimmt nur aus der Rückblende, weil man ja schließlich überlegen Meister der 2.Liga wurde.
Letzten Endes war das aber ein Balanceakt und man fürchtete nach dem Abstieg noch das Gleiche wie Du jetzt.
Es drohte nach dem Mai 1980 die Mannschaft völlig auseinander zu fallen und letzten Endes hatte man sehr viel Glück, dass damals etliche Spieler keine anderen Angebote bekamen und trotz voriger Abwanderungsbekundungen dann schließlich doch (für weniger Geld) blieben. Budde, Reinders,Bracht und Möhlmann wären da zu nennen, die dann sehr überraschend blieben und neben den Ur-Werderspielern wie Kalli Kamp als Routinier und Thomas Schaaf als Youngster das "Gerüst" der dann erfolgreichen Mannschaft stellten.
Auch damals ging man ins Risiko und diese Mannschaft musste einfach aufsteigen, weil man sie ohne Aufstieg nicht mal ein paar Monate länger in der 2.Liga hätte bezahlen können.
2. Glückspunkt war erst die Verpflichtung von Kuno Klötzer, der einen ruhigen Neubeginn einleitete und danach dann, so schrecklich das klingt, sein Pech mit dem Autounfall, der dann zur Verpflichtung von Otto führte.
3. Glückspunkt war damals auch die sofort erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem neuen Manager Lemke und Rehhagel. Glückspunkt war auch, dass Rehhagel 1976 schon mal eine Halbserie Werder-Trainer war und daher noch alles kannte, sofort ein großes Vertrauensverhältnis zu den Verantwortlichen Dr. Böhmert und KD Fischer herrschte und man Otto damals alle sportlichen Freiheiten ließ, weil Lemke von Fussball nicht so schrecklich viel Ahnung hatte und Otto 1976 schon seine Fähigkeiten bewiesen hatte (er musste damals ja auch nur gehen, weil Werder schon für die nächste Saison bei Tilkowski im Wort stand - jeder hätte Otto damals schon gern behalten).
4. Glückspunkt war der geradezu überirdische Erfolg mit den meisten Verlegenheits-Neuverpflichtungen wie Norbert Meier (von Bergedorf 85, niemand kannte ihn, der HSV wollte ihn nicht haben), Klaus Fichtel (Ex-Nationalspieler, Schalke fand ihn zu alt, er leistete jahrelang Großes,bevor er dann wieder zu Schalke zurück ging !) und Erwin Kostedde (vorher bei Stade Laval, musste nicht in Bremen wohnen, musste unter der Woche erst zum Abschlusstraining am Tag vor dem Spiel kommen, bekam 3000 Mark pro Spiel, war aber als Spieler ungemein wichtig, weil die ganze Mannschaft von seinen Strafraum-Fähigkeiten lernte und weil er für Werder seit langer Zeit nicht gesehen sehr zuverlässig einlochte).
Für mich persönlich waren Nobby Meier und Erwin Kostedde Highlights, Spieler mit einer Qualität, die ich bei Werder im Sturm (Acker Weist und Anneliese Görts mögen mir das verzeihen) in zehn Jahren regelmäßiger Stadionbesuche seit 1971 nicht gesehen hatte (Werner Dressel und Gerhard Steinkogler hätten ein ähnliches Potenzial gehabt, die waren aber nur sehr kurz da und Steinkogler spielte zu wenig). Zu diesen entscheidenden Offensiv-Impulsen erlebten fast alle dagebliebenen Altstars unter Otto plötzlich eine nicht für möglich gehaltene "Wiedergeburt" als Top-Bundesligaspieler.
Ähnlich wie im ersten Meisterjahr stimmte plötzlich die Mischung aus Dagebliebenen und Neuzugängen und aus alt und jung und Otto redete jeden einzelnen Spieler stark und schweißte das Team zusammen.